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Zweiter Abschnitt: Von den Silben.


Begriff und Einteilung der Silben.

Die Grammatik zerlegt zweitens das Wort in Silben (συλλαβαί, d. i. Zusammenfassungen von Lauten).1) Silbe wird jeder entweder für sich allein oder in enger Verbindung mit einem anderen Vokale oder mit einem oder mehreren Konsonanten durch Eine Öffnung des Mundes ausgesprochene Vokal genannt. Der ursprünglichen Bedeutung von συλλαβή gemäss bestimmt der Thrakier Dionysius (Bekker, Anekd. II, p. 632) den Begriff der Silbe so: Συλλαβὴ δέ ἐστι κυρίως σύλληψις συμφώνου (v. l. συμφώνων, korrekt wäre συμφώνου συμφώνων) μετὰ φωνήεντος φωνηέντων, οἷον Κάρ (oder κ̂ᾶρ̂), βοῦς: καταχρηστικῶς δὲ καὶ ἐξ ἑνὸς φωνήεντος, οἷον , . In der That sind auch die bloss aus einem Vokale bestehenden Silben wenigstens im Wortanfange von einem konsonantischen Elemente begleitet, da der Vokal entweder mit dem rauhen Hauche oder mit dem Explosivlaut, den der spiritus lenis bezeichnet (§ 8, 1), gesprochen wird, als: , , , .

Ein Wort besteht entweder aus einer oder mehreren Silben. Wenn ein Wort aus mehreren Silben besteht, so unterscheidet man Stammsilben und Flexions- oder Ableitungssilben. Die Stammsilben drücken den Begriff des Wortes, die Flexions- und Ableitungssilben die Beziehungen des Begriffes aus, als: γέ-γραφ-α, γραφ-εύς, γραφ-ή, γραφ-ικός u. s. w. Wie man sieht, ist die Teilung der Elemente hier eine andere als die Teilung bei der lautlichen Silbentrennung, und von Haus aus hat die Unterscheidung von Silben mit der Zerlegung des Wortes in seine historischen oder begrifflichen Elemente nichts gemein.(Smyth 138)


Von dem Masse oder der Quantität der Silben.

Vorbemerkung. Bei der Bestimmung von dem Masse oder der Quantität der Silben wird die kurze Silbe zu Grunde gelegt und ihr eine Zeitweile (χρόνος oder mora) zugeteilt. Eine lange Silbe enthält also zwei Zeitweilen und wird zwei kurzen Silben gleich geachtet. So wenigstens in der Metrik; übrigens wussten die Alten sehr gut, dass diese künstliche Scheidung in zwei Kategorien den thatsächlichen Verschiedenheiten der Quantität nicht gerecht wird. Vergl. Dionys. Halic. de compos. p. 85 ff. R., der dies so ausführt: 1) kurze Silben a) ὁ-δός), b) Ῥό-δος), c) τρό-πος), d) στρό-φος); 2) lange Silben a) η, (b) λη, c) πλη, d) πλην, e) σπλήν. Also gebe es, sagt er, sowohl βραχύτεραι τῶν βραχειῶν, als μακρότεραι τῶν μακρῶν. In den Scholien zu Hephästion (p. 93 Westph.) wird mit Berufung auf die Rhythmiker (d. i. wohl Aristoxenos) eine genauere Messung versucht, indem ein Konsonant gleich einer halben Mora gerechnet wird: die Silbe ῶς῀ hat darnach 2 1/2 Zeit, σπλήν würde auf vier Zeiten kommen. S. auch Aristid. Quint. p. 29 Jahn (45 Meibom).

Eine Silbe ist von Natur kurz (φύσει βραχεῖα), wenn der Vokal derselben ein kurzer (ε, ο, α^, ι^, υ^) ist, und wenn auf den kurzen Vokal entweder wieder ein Vokal oder ein einfacher Konsonant folgt, als: ἐνόμισα (4 kurze Silben). Der Vokal ist nämlich so sehr Silbenträger, dass für die metrische Messung mit ihm erst die Silbe anhebt; was ihm vorhergeht, wird dem Vokale der vorhergehenden Silbe zugeschlagen, oder (im Anfange des Verses) ganz ignoriert.

Eine Silbe ist von Natur lang (φύσει μακρά), wenn der Vokal derselben ein einfacher langer (η, ω, , , ) oder ein Diphthong ist, als: ἥρως, γέφῦρα, καινούς. Länge ist natürlich stets auch, wenn zwei Vokale in einen zusammengezogen sind, als: ἄ̂κων (entst. aus ᾿α^έκων), ἰχθύ̂διον (entst. aus ἰχθυ-ίδιον), auch ἆργός (entst. aus ἀεργός).

Eine Silbe mit einem kurzen Vokale wird lang durch Position (θέσει), d. h. Stellung ihres Vokals (nach dem ursprünglichen Sinne der Bezeichnung aber, wie Westphal meint, durch Satzung und arbiträre Festsetzung der Dichter), wenn auf den kurzen Vokal zwei oder mehr Konsonanten oder ein Doppelkonsonant (ζ ξ ψ) folgen, als: στέ̂λλω, τύ̂ψᾶντες, κόρᾶξ (κόρα^κος), τράπε̂ζα. Der Vokal bleibt kurz, die Silbe aber erhält dadurch eine längere Dauer, dass die Konsonanten bis zum nächsten Vokal ihr zugeschlagen werden (oben 1).

Anmerk. 1. Die Regel für die lateinische Sprache: “vocalis ante vocalem corripiturgilt für die griechische Sprache nicht, als: ἆήρ, ἆερός. Doch s. § 75, 12, Anm. 8 und 13.

Anmerk. 2. Die Aussprache einer von Natur langen und einer durch Position langen Silbe unterscheidet sich dadurch, dass jene mit gedehntem Vokale ausgesprochen wird, diese dagegen nicht. Wenn sich die natürliche Länge mit der Positionslänge vereinigt, so muss natürlich der Vokal nicht minder gedehnt ausgesprochen werden. Man unterscheidet daher in der Aussprache Wörter, wie πράττω, πρᾶγμα, πρᾶξις (α_) und τάττω, τάγμα, τάξις (α^).2

Anmerk. 3. Wann vor Doppelkonsonanten bezw. vor zwei Konsonanten die Vokale α ι υ lang oder kurz sind, entzieht sich im allgemeinen der Regelung; oft zeigt es der Accent an. Vor ξ sind ι und υ kurz, ausser in augmentierten Formen wie ἴξευον und wenigen einsilbigen Substantiven, s. § 120, 2. § 253, 6; also κῆρυ^ξ κήρῦκος κήρυ^ξι, ἐκήρυ^ξα, πνι?́ξω v. πνίγω u. s. w. Meistens sind auch vor ζ die Vokale α ι υ kurz; Ausnahmen bei α: Ἀμᾶζών, ἀλᾶζών, μᾶζα Hdn. I, 28. 522. II, 14, κρά̂ζω, (ἀγορά̂ζω att. in der Bedeutung ἐν ἀγορᾷ διατρίβω, aber ὰγορα?́ζω kaufe), äol. πλά̂ζω πτά̂ζω = πλήσσω πτήσσω, Hdn. II, 929 u. s. Man merke auch ἆργός (aus ἀεργός; aber ἀργός glänzend), ἄ̂ρδην (aus ἀέρδην), ἄ̂ρδω, Hdn. II, 17 (dagegen α?̓́σθμα das. u. s., während Il. o, 241 ἆσθμα steht); ferner πί̂πτω ῥί̂πτω, das. II, 10 u. s. § 343.

Ein kurzer Vokal vor einer Muta cum Liquida (positio debilis) ergibt, wie die Grammatiker (Dionysius Thrax) und Metriker sagen, eine συλλαβὴ κοινή (anceps), d. h. er macht in der Regel (insbes. im Attischen) die Silbe nicht lang, als: ἄτε^κνος, ἄπε^πλος, ᾿α^κμή, βό̂τρυς, δίδρα^χμος, ausser in Zusammensetzungen, wenn die Muta und Liquida zwei Wörtern angehören, als: ᾿ε̂κνέμω, ᾿ε̂κ ῥεύματος (wo ἐκ für ἐξ steht). Die näheren Bestimmungen dieser Regel s. § 75, 2. 3. 4. Von Haus aus sind auch diese Silben lang gewesen, wie sich in der Homerischen Behandlung und auch in der gewöhnlichen Sprache bei den Komparativen und Superlativen zeigt: πικρότατος wie οἰκτρότατος, nicht πικρώτατος wie σοφώτατος. Siehe § 154. Der Grund der Kürzung aber, welche auch im Lateinischen das Althergebrachte ist (darum ténebrae, accípitris, nicht tenébrae, accipítris), liegt (wie Hartel sagt) darin, dass das Organ unmittelbar aus der Lösung des Verschlusses (Muta) in die Verengung (Liquida) übergeht, ohne eine solche messbare Pause, wie sie zwischen zwei Explosivgeräuschen ist, und indem das Anklingen, welches die Liquida begleitet, auf ein Minimum beschränkt wird.3) Übrigens versteht es sich von selbst, dass ein von Natur langer Vokal vor einer Muta c. Liq. nicht kurz gemacht werden kann, als: μήνῦτρον.

Eine Silbe, deren Vokal einer der drei doppelzeitigen (α ι υ) ist, kann darum nicht etwa in demselben Worte bald kurz, bald lang ausgesprochen werden, sondern muss entweder kurz oder lang sein. Über die Freiheit der Dichtersprache s. § 75, 5. 6. Die Bestimmung der Quantität von α ι υ geschieht durch die Autorität der Dichter oder durch Überlieferung alter Grammatiker oder Lexikographen.

Die von einem Worte abgeleiteten Wörter haben in der Regel mit demselben gleiche Quantität; jedoch werden wir in der Formenlehre manchen Abweichungen von dieser Regel begegnen, als: μῦς, σῦς, ὗς, πῦρ, μῦν, σῦν, ὗν, aber in den zweisilbigen Kasus und in den abgeleiteten Kompositis υ^, als: μυ^ός, μυ?́ες, μυ^οκτόνος, συ^ός, συ?́ες, συ^βώτης, πυ^ρός, πυ^ράγρα u. s. w.; namentlich wird oft im Präs. der Stammvokal gedehnt, als: τρί̂βω, aber τρι^βῆναι, τρι^βή, διατρι^βή, ἀτρι^βής, παιδοτρι?́βης, κρί̂νω, aber κρι?́σις, κρι^τής, εὐκρι^νής, κλί̂νω, aber κλι?́σις u. s. w.(Smyth 142)


Bemerkungen über die Quantität in der Dichtersprache.

Im Verse tritt Positionslänge auch bei zwei auf einander folgenden Wörtern ein, als: Διὸ̂ς δ̓ ἐτελείετο βουλή, Κίλλαν τε̂ ζαθέην, ἀνὰ̂ στρατόν. Der gesamte Vers wird als lautliche Einheit betrachtet, auf welche die obigen Regeln (§ 74, 1) durchgängig Anwendung finden. Die epischen Dichter jedoch lassen, wiewohl nur selten, einen auslautenden kurzen Vokal vor ζ (= σδ) und σκ kurz bei Wörtern, welche die erste Silbe kurz, die zweite lang haben und daher bei bewahrter Positionslänge dem Versmasse widerstreben würden. Il. b, 634 οἵ τε^ Ζα?́κυνθον ἔχον. 824 οἳ δε?̀ Ζέλειαν ἔναιον. d, 103 εἰς ἄστυ^ Ζελείης. Od. ι, 24 und Hymn. Ap. Pyth. 251 ὑλήεσσα^ Ζα?́κυνθος. Il. β, 465 ἐς πεδίον προχέοντο^ Σκα^μάνδριον. 467 ἐν λειμῶνι^ Σκαμανδρίῳ; f, 223 ταῦτα Σκάμανδρε, 305 οὐδε?̀ Σκάμανδρος. Od. e, 237 δῶκε δ̓ ἔπειτα^ σκέπαρνον. Hes. Op. 589 εἴη πετραίη τε^ σκι^ή (v. l. ohne τε, Flach, Bzz. Btr. II, 6, n.). Es lässt sich für die Aussprache hier Abwerfung des ς annehmen: Καμάνδριον ist bezeugte Lesung,4) und vgl. δάσκιος, δαφοινός neben ζα-. S. oben § 15, 4. Bei Pindar εἰμι?́: σκοτεινόν N. 7, 61 (bezweifelt von Bergk).

In betreff der schwachen Position (§ 74, 4) ist über den Gebrauch derselben in den verschiedenen Gattungen der Dichter Folgendes zu bemerken:

a) In der Homerischen Sprache5) ergiebt ein kurzer Vokal vor einer Muta mit einer Liquida in der Regel Länge, und diese besteht ohne weiteres selbst bei solchen Formen, welche durch das ν ἐφελκυστικὸν gewöhnliche Positionslänge bewirken könnten. Il. κ, 83 εὕδουσϊ βροτοί. b, 671 ἄγε̂ τρεῖς. 756 ἦρχε̂ Πρόθοος. Die Verkürzung einer solchen Silbe tritt bei Homer gemeiniglich nur dann ein, wenn ein Wort oder eine Wortform sich auf andere Weise dem Versmasse nicht gefügt hätte, also wenn der Anfang des Wortes einen Iambus bildet; nur selten ohne Verszwang aus blosser Bequemlichkeit. Am häufigsten wird die Positionslänge bei der Liquida ρ, die unter allen Konsonanten den Vokalen am Nächsten steht, vernachlässigt; dann bei der Liquida λ; niemals bei Homer bei den Nasalen ν und μ. Ferner findet sich die grosse Masse der Beispiele an einer von zwei Stellen des Verses, der 1. Kürze des II. und der 1. Kürze des V. Fusses.6)

a) κρ: Il. ν, 504 = p, 614 αἰχμὴ δ̓ Αἰνείαο^ κρα^δαινομένη. p, 767 τανύφλοιόν τε^ κρα?́νειαν. e, 83 Μοῖρα κρα^ταιή. r, 269 κορύθεσσι^ Κρονί̂ων. Od. c, 330 ἠε?̀ κρυ^φηδόν u. a. m. Ohne Not: Od. t, 122 δα^κρῦπλώειν. e, 488 ἐνε?́κρυψε. q, 92 κατα?̀ κρᾶτα. m, 99 δέ τε^ κρατί. y, 110 νῶι^ κε^κρυμ μένα. Il. u, 121 δοίη τε^ κρα?́τος. l, 697 εἵλετο^ κρῖνάμενος. Il. q, 479 Ἰαπετός τε^ Κρόνος τε (kann als Not gelten). — γρ kein Beispiel. — χρ selten: Il. y, 186 ῥοδόεντι δε?̀ χρῖεν ἐλαίῳ. w, 795 καὶ τά γε^ χρυσείην. Od. q, 353 οἴχοιτο χρέος καί. — πρ: besonders πρό u. πρός nebst den Derivatis und Kompositis. Il. r, 545 καταβᾶσα^: προῆκε. l, 136 κλαίοντε^ προσαυδήτην u. s. w. Ohne Not: Il. a, 97 οὐδ᾽ γε^ πρίν. t, 313 τέρπετο^ πρίν. Od. c, 334 ἀλλ᾽ ἐμε<*> πρίν. r, 597 ἐξολέσειε^ πρίν. Il. γ, 250 = η, 250 καὶ βάλε^ Πριαμίδαο. h, 112 Ἕκτορι^ Πριαμίδῃ, u. ö. b. Πριαμίδης. Od. g, 320 ὅντινα^ πρῶτον. r, 275 ἠὲ συ?̀ πρῶτος. y, 106 οὐδέ τι^ προσφάσθαι. — βρ: Il. m, 389 γυμνωθέντα^ βρα^χίονα. n, 521 πέπυστο^ βριήπυος; oft vor βροτῶν, βροτοῖσιν (Il. i, 545 παύροισι^ βροτοῖσιν), βροτούς (Il. ω, 464. Hes. Op. 487), βροτοῖο Il. y, 331, βροτοί Od. ι, 360, was zu vermeiden möglich war; öfter ἀμφι^βρότης; ᾿α^βροτάξομεν Il. k, 65. ᾿α^βρότη ξ, 78; vor βροτήσια Hes. Op. 773; βε^βροτωμένα Od. λ, 41. — φρ: b. Hom. nur Ἀφροδίτη (α^) (ebenso b. Hesiod Op. 65. Sc. 8), und ohne Not Od. ο, 444 ἐπι^φράσσετ̓ (Hymn. Ap. Pyth. 210 ᾿ε^φράζετο, Merc. 294 vor φρασσάμενος, Cer. 257 ᾿α^φράδμονες, wo Hermann emendiert; notw. Hes. Op. 655 προπε^φραδμένα?). — τρ: vor τράπεζα, τρίαινα, τριήκοντα, τραπείομεν (von τέρπω) Il. g, 441. ξ, 314, u. a. m.; in der Mitte des Wortes: Ἀμφι^τρύων, τε^τράκῦκλος. Ohne Not vor τρέμον Od. l, 527; τρέφει (e, 422. ν, 410), τροφοῦ t, 489; φαρε?́τρης Il. q, 323; Ὀτρυντεύς υ 383 f. (389?), also selten ohne Not inlautend, weshalb La Roche u. A. die Lesart Il. z, 479 εἴπῃσι πα^τρός verwerfen. — δρ: vor δρα?́κων Il. β, 308 und sonst; vor

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