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Erste Deklination.

101.

Die Wörter der ersten Deklination gehen im Nominativ aus auf α, η, ᾶς und ης; die auf α und η sind weiblichen, die auf ας und ης männlichen Geschlechts. Der Kennlaut (§ 99, 2) war ursprünglich nur α, später, in der ionischen und attischen Mundart, auch η; das ς der männlichen ist Kasuszeichen. Übersicht der Kasuszeichen mit dem Kennlaute in den verschiedenen Mundarten.

I. Feminina.
Singularis.
Böot.1 Lesb.2 Dor.3 Hom.4 Neuion.5 Attisch.
N. α^ α^ α^ η α_ α^ η α^ η α_ od. α^ α^
G. ᾶς ᾶς ᾶς ης ᾶς ης ης ης ης ᾶς ης
D. αι αε η (α_
A. ᾶν α^ν ᾶν α^ν α^ν ην ᾶν α^ν ην α^ν ην ᾶν od. α^ν α^ν
V. α_ (unbezeugt), α^ α^ α^ ηα^ α_ α^ η α^ η α_ od. α^ α^

II. Masculina.
B. L. D. Hom. Neuion. A.
N. ᾶς (u. α^ ᾶς ᾶς ης, α^ (ᾶς ης ης ᾶς
G. ᾶο α_ α_ ᾶο, εω (ω εω (ω ου
D. αι αε η (α_ (
A. ᾶν ᾶν ᾶν ην (ᾶν ην ην ᾶν
V. α^ η, α^ (α_ η, α^ η, α^;
Pluralis.
B. L. D. Hom. Neuion. A.
N. αι αε η αι αι αι αι αι
G. ά̂ων (ᾶν ᾶν ᾶν ά̂ων, έων (ῶν έων (ῶν ῶν
D. αις αες ης αισιν),αις αις ῃσιν), ῃς (αις ῃσι αις
A. ᾶς αις ανς, ᾶς, α^ς ᾶς ᾶς ᾶς
Über den Dual s. oben § 100, 10.

(Smyth 211)

Bemerkungen zu der Tabelle.

102. Böotische, lesbische und dorische Mundart.

Böot. Paradigmen: F. γνώμᾶ, γνώμᾶς, (γνώμα^ι, γνώμαεγνώμη, γνώμᾶν; pl. (γνώμαι, γνώμαε) γνώμη (Accent?), γνωμάων, (γνώμαις, γνώμαες) γνώμης, γνώμᾶς; M. πολίτᾶς, πολίτᾶο, (πολίτα^ι, πολίταε) πολίτη, πολίτᾶν. Gen. Pl. πολιτά̂ων. Über η st. αι, als: ἱππότη st. ἱππόται, εὐεργέτης st. εὐεργέταις s. § 26, S. 131; α^ι ist als Grundform auch für den Dativ anzusetzen, entsprechend dem οι in der II. Deklination. Man hält dies αι οι für urspr. Lokativ; es findet sich auch im Arkadischen, jedoch nicht im Kyprischen, auch nicht im Thessalischen, wo das ι früh abfällt. Zu vergleichen ist das dem Böotischen benachbarte Euböische, welches analog etwa vom 4. Jahrhundert ab auslautendes ωι und ηι in οι, ει wandelt (Bechtel, Inschr. des ion. Dial. S. 9); hier kann also von altem Lokativ keine Rede sein, und darf es auch im Böotischen u. s. w. um so weniger, als diese Dialekte ωι ᾶι überhaupt nicht (oder nicht mehr) kennen. Die kontrahierte Form des Gen. Pl. auf ᾶν findet sich regelmässig beim Artikel τᾶν; κορᾶν Arist. Ach. 849 ist nicht echt böot.; thess. ist -άουν (ᾶν, οῦν); arkad. -ᾶν. Die Nominativendung der Mask. auf α^ st. ᾶς wird von den Grammatikern den Böotiern, Thessaliern, Lesbiern, Eleern u. a. beigelegt; Bsp. bisher nur πυθιονικα ὀλυμπιονικα auf der Inschrift von Thespiä D.-I. 791 b, neben zahlreichen anderweitigen Belegen für ᾶς, die sich auch im Thessalischen u. s. w. finden; bei dem τελεστά der eleischen Inschr. D.-I. 1149 möchte Schreibfehler vorliegen.6) Jene böot. Formen wird man mit Ὀρσοτρίαινα^, Εὐτρίαινα^ν, Ἀγλαοτρίαινα^ν, χρυσοχαῖτα^ bei dem Böotier Pindar zusammenstellen; es scheint sich die Regel zu ergeben, dass die mit Femin. der I. Dekl. zusammengesetzten Wörter kein ς im Nom. annahmen, den Vokal aber im Nom., Akk., Vok. verkürzten. Vgl. § 103, 5. Der Gen. Sg. der Mask. zeigt thessal. -α; im Arkadischen und Kyprischen ist -αο in αυ zusammengezogen (einzeln kypr. -αο und -ω), welche Endung in Tegea auch die Feminina ergriffen hat (doch τᾶς).

Lesbisch α^ im Nominativ mit Verkürzung nach den Grammatikern, und so Melinno 5 πρέσβιστα^; bei den alten Dichtern indes finden sich nur Beispiele des verkürzten Vokativs (vgl. Il. γ 130 νύμφα^ φίλη): Δίκα^ Sapph. 78 (vgl. 77), und Vokativ ist auch das von den Grammatikern angeführte Ἀφρόδιτα bei S. 1, 1; — über α^ im Nom. des Mask., als: ἱππότα, μητίετα (Homer. Beisp.), s. Nr. 1 und § 103, 5. — Gen. der Mask. α_, als: S. 68 Ἀΐδα, Alc. 48 A Κρονίδα, auf Inschr. κτίστα, εὐεργέτα, Ἡρακλείδα. — Über den Wegfall des ι subscr. im Dat. S. s. § 43, 5. — Gen. Pl. ᾶν: Alc. 15, 2 κὰτ τᾶν, 43 κυλιχνᾶν ἀπὺ Τηϊᾶν, S. 1, 26 χαλεπᾶν μεριμνᾶν, ebenso auf Inschr.; der Gen. Μοισάων wird in d. An. Ox. 1. 278, 18 der Sappho zuerteilt. Über den Accent oben § 80, 1. — Dat. Pl.: regelm. αισιν), als: Sapph. 1 ἄσαισι, ὀνίαισι, 78 φόβαισι, Alc. 36 δέραισι; auch αις: der Artikel immer ταῖς (ταῖσι δέ S. 16 als Demonstrativ), ausserdem Dichter bei Verbindung mit einer Form auf αισι: ἐράταις φόβαισι Sapph. 78, παντοδάπαις . . χροΐαισιν 20, oder vor Vokal; vgl. d. II. Dekl. — Akk. Pl.: αις, als: Alc. 9 ὄχθαις, 41 κυλίχναις μεγάλαις, πλέαις, 85 νύμφαις, τετυγμέναις, 88 ὀνίαις. Sapph. 46 πόλλαις, πλέκταις. Theokr. 28, 20 λύγραις. 29, 39 αὐλεΐαις θύραις, auf Inschr. ταίς, δίκαις, παίσαις, χρυσίαις, ὑπαρχοίσαις u. a. Vgl. d. II. Dekl.

Dor. Paradigmen: γνώμᾶ, G. γνώμᾶς, D. γνώμᾳ, A. γνώμᾶν; Mask. N. Ἀτρείδᾶς, G. Ἀτρείδᾶ, D. Ἀτρείδᾳ, A. Ἀτρείδᾶν, V. Ἀτρείδᾶ; Theokr. 4, 62 ὤνθρωπε φιλοῖφα; Plur. N. γνώμαι (Akk. oben § 80, 3), G. γνωμᾶν, D. γνώμαις, A. γνώμᾶς (γνώμανς, γνώμα^ς); auch die Adjektive weiblichen Geschlechts haben im Genetiv Plur. ᾶν, als: ἀμφοτερᾶν (= ἀμφοτέρων). Kurze Nominative b. Pindar (vgl. oben 2): Πέλλανα^ att. Πελλήνη; Ἀλκιμίδα^ N. 6, 68 st. -δας nach dem Versmass geändert; so Vokat. Εὐξενίδα^ N. 7, 70 von -δας. B. [Theokr.] 27, 51 steht Vokat. κῶρα. — Den Gen. Ψύλλας auf e. Korkyr. Inschr. (C. I. Gr. 1845 = Dial.-I. 3206) leitet Ahrens II, p. 225 mit Recht v. d. Fem. Ψύλλα ab und nicht von Ψύλλας, wie der Nomin. daselbst an einer Stelle gelesen wird.7) — Die Eigennamen, die in der gewöhnlichen Sprache auf λαος, att. λεως ausgehen und der II. Dekl. angehören, gehen dorisch auf λᾶς (G. α_, D. ) aus und gehen nach der I. Dekl., als: Μενέλᾶς, Ἀρκεσίλᾶς, Ἰόλᾳ Pind.; vgl. (Νικόλᾶ Herod. VII, 137), Μενέλᾶ (Gen.) Eur. Andr. 487 ch., Μενέλᾳ Troad. 212 ch., Μενέλᾶν Rhes. 257 ch.; auch in Athen haben sich solche Namen früh eingebürgert, § 114, Anm. 6. — Über den Akk. Pl. auf ανς st. ᾶς b. Kret. u. Argiv. s. § 38, 3 und über α^ς st. ᾶς s. ebendas. Das Eleische bietet neben ᾶς auch αις αιρ (vgl. lesb.; der Rhotakismos auch in den anderen Endungen mit ς, § 29, b), Meister, Dial. II, 60.(Smyth 214)

103. Homerische Mundart.

In der Homerischen Sprache wird fast ausschliesslich statt des älteren langen α durch alle Kasus des Singulars η gebraucht, als: φρήτρη, ην, , ην, βίη, ης, , ην, Πηνελοπείης, είῃ v. Πηνελόπεια, Βορέης, Βορέῃ, Βορέην. Eine Ausnahme machen: θεά̂ (aber Λευκοθέη), Ναυσικάᾶ, Φείᾶ, (Π̔είας Gen. v. Π̔εία Il. ξ, 203 n. Aristarch), Αἰνείᾶς, Αὐγείᾶς, Ἑρμείᾶς, also ausser θεά (wofür ionisch θεός war, G. Meyer 57^{2} nach Harder de α voc. ap. Hom., Halle 1876, p. 84) lauter Eigennamen. Doch steht θεῆς hymn. Cer. 183. 279 (θεά θεᾷ 275. 295 u. s. w.) u. b. spät. Epikern, s. Baumeister z. V. 183; Meineke, Callim. p. 4, Rzach, Stud. z. Apoll. Rh. 11 f. Nach θεά müsste b. Hom. auch θεαῖς (od. θεᾷς, θεᾷς᾿) erwartet werden, s. unten 10.

Über die Nominativauslaute η und α^ ist Folgendes zu bemerken:8

a) αίη haben die Mehrsilbigen, als: ἀναγκαίη, ἐλαίη, πετραίη; Ausn. Πλάταια, Λίλαια, Ἱστίαια, Φώκαια hymn. Ap. Del. 35, Ῥηναῖα 44;

αῖα die Zweisilb., als: γαῖα, αἶα, Μαῖα, Γραῖα.

b) εη, als: γενεή, Τεγέη, Μαντινέη.

c) είη die Abstrakta v. Adj. auf ης (die im Att. Proparox. auf εια^ sind) und das Fem. der Adj. auf ειος, als: ἀληθείη (att. ἀλήθεια), ἀναιδείη, ἐϋκλείη; ταυρείη, ἡμιονείη, βοείη; dazu ἀγελείη;

εια^ die konkret. Fem. von Mask. auf εύς u. ής, die Namen von Frauen und Städten und einige einzeln stehende Subst., das Fem. der Adj. auf ύς, als: βασίλεια, regina, ἱέρεια, εὐπατέρεια, Τριτογένεια, Εὐρύκλεια, Πηνελόπεια, Θάλεια und θάλεια, Λιμνώρεια, Θέσπεια (Il. β, 498 v. l. Θέσπῖα, ubi v. Spitzner, La Roche); κράνεια, κώδεια, πέλεια, Σκάνδεια, τρυφάλεια; ἡδεῖα, βαρεῖα, εὐρεῖα.

d) ιη die Mehrsilb., als: κραδίη, θαλίη, σκοπιή, ἡλικίη; πολιή, δολίη, und die zweisilb. Abstrakta, als: βίη; Ausn. πότνια, Πολύμνια, Εἰρέτρια Il. β, 537 (ubi v. Spitzner);

ια^ die Zweisilb.: μία, ἴα, δῖα.

e) οιη alle ausser den Komp. mit βοῦς, als: αἰδοίη, Τροίη, εὐπλοίη (im Att. haben die Abstrakta οια^ und sind Proparox., als: εὔπλοια); aber: Εὔβοια, Περίβοια.

f) ουή u. ωή alle, als: ἀκουή, ζωή.

g) υιη nur μητρυιή; alle übrigen υια^, als: Ἅρπυια, μυῖα, ἄγυια, ὄργυια, εὐρυάγυια, τεθαλυῖα.

h) nach Ahrens, Progr. Hannover 1868, S. 12 ff. (Philolog. VI, 1 ff.) ῳα^ die Femin. von Wörtern auf ως: δμῷα^, Τρῷα^; der Singul. kommt indes nicht vor, sondern nur der Plur. δμῳαί, Τρῳαίb. d. Accent § 107, Anm. 3).

i) Wenn dem Auslaute eine Muta vorangeht, so ist derselbe bei den Fem. in der Regel ηber die Mask. auf α^ s. Nr. 5), als: λωβή, περιωπή, φυγή, ἀκωκή, ἐδωδή (lauter Oxyt.), δαίτη, Αἴθη.

k) Geht aber eine Liquida oder der Spirant ς oder ein Doppelkonsonant voran, so ist derselbe bei Oxytonis η, bei den übrigen α^, als: ἀγορή, θαλπωρή, κεφαλή, εὐχωλή, τιμή, αἰχμή, κελαινή, αἰνή, λισσή; μάχαιρα, ἰοχέαιρα, σφαῖρα, πίειρα, στεῖρα, μοῖρα, ἄρουρα, θύελλα, ἄελλα, δέσποινα, μέλαινα, Πολύδαμνα, Αἴγινα (Il. β, 562; dasselbe hymn. Ap. Del. 31 metrisch falsch; Αἰγίνης Schneidew.), Μοῦσα, Θόωσα, γλῶσσα, ὄσσα, αἱματόεσσα, ἅμαξα, δίψα, ῥίζα, τράπεζα; Ausn. ρη: αἴθρη, αὔρη, ἑταίρη, ἡμέρη, θύρη, μίτρη (μίτρα^ν [Theokr.] 27, 54), πέτρη, πυράγρη, τέφρη, Φαίδρη, χήρη; λη: αἴγλη, Σκύλλη (aber Od. m, 235 ἔνθεν μὲν γὰρ Σκύλλ̓, ἑτέρωθι δέ, Bekk. nach Spitzn.: ἔνθεν γὰρ Σκύλλη, ἑτ.); νη: Ἀλκμήνη, Ἀριάδνη, ἄχνη, Ἑλένη, ζώνη, τέχνη, ὑσμίνη; ση: κνί̂ση, ἐέρση (Pind. N. 3, 78 ἔερσα^, und ἕερσα^ setzt auch Herodian als die regelm. Form, II, 90 u. s.).

Geht der Nominativ auf η aus, so bleibt dieses durch alle Kasus des Singulars, als: φυγή, ῆς, , ήν, ή; γῆ, γῆς u. s. w.; eine Ausnahme macht der Vok. v. Νύμφη: Νύμφα^ Il. γ, 130 (äolisch, s. § 102, 2); geht er aber auf α_ aus, was nur bei den wenigen Nr. 1 angeführten Wörtern der Fall ist, so bleibt das α_ gleichfalls, als: θεά̂, ᾶς, , ά̂ν, ά̂, Φείας Il. ο, 187.

Geht der Nominativ auf α^ aus, so bleibt dieses im Akk. u. Vok., im Gen. u. Dat. aber geht es nach Nr. 1 in η über, weil der Vokal hier lang ist, als: θύελλα, θυέλλης, θυέλλῃ, θύελλαν, θύελλα.

Anmerk. Kontrahierte Substantiva kommen, ausser Ἑρμῆς und dem nur selten gebrauchten γῆ, in einhelliger Überlieferung nicht vor: Od. η, 116. <*>, 590 συκέαι (mit Syniz. ¯¯) oder συκαῖ (Cauer); w, 341 συκέας (¯¯), oder συκᾶς (Cauer); h, 115. l, 589 μηλέαι (¯˘˘); w, 340 μηλέας (¯¯); wohl aber wird von νηπιέη Od. α, 297 der Akk. Pl. mit Zerdehnung gebildet: νηπια?́ᾶς (νηπιέας Cauer). S. § 56. Il. ι, 5 u. ψ, 195 ist Βορέης, Βορέῃ überlieferte Schreibung; der Vers aber fordert die Aussprache Βορρῆς, Βορρῇ, vgl. attisch Βορρᾶς. Von Adjektiven aber findet sich διπλῆν Il. κ, 134. Od. τ, 226, aus διπλέην (s. § 104, 1), χρυσῆς χρυσῇ Il. ν, 64 und so mehrenteils nach der Überl.; s. Spitzner z. d. St.; La Roche, Odyss. Index, p. 352, was durchaus nicht in χρυσέηςέῃ zu korrigieren ist, s. Cauer, Odyss. I, XXIV.

Der Nominativ der Maskulina geht fast durchweg auf ης aus, als: Ἀτρείδης, Βορέης; nur bei wenigen auf ας, s. Nr. 1; bei einigen auf α^ nach abgeworfenem ς (wie im Lat., als: poëtă; die alten Grammatiker nennen diese Formen auf α äolisch, wiewohl sich unter den erhaltenen Bruchstücken äolischer Dichter kein Beispiel davon findet); jedoch behält der Accent mit wenigen Ausnahmen dieselbe Stelle wie bei den Formen auf ης: ἱππότα, Θυέστα Il. β, 107 neben Θυέστης Od. d, 519, ἠπύτα, αἰχμητά, κυανοχαῖτα, νεφεληγερέτα, ἱππηλάτα, στεροπηγερέτα und die drei Proparoxytona: μητίετα, εὐρύοπα, ἀκάκητα. Vgl. § 102, 1.9) Neben Αἰνείας findet sich Il. ν, 541 auch Αἰνέας (mit Synizese; doch alte Variante Αἰνείας für ἔνθ᾽ Αἰνέας) und neben Ἑρμείας Ἑρμέᾳ Il. ε 390 und die kontrahierte Form Ἑρμῆς Il. υ, 72. Od. e, 54. ω, 1. Hymn. Mercur. 46 und sonst.

Der Genetivus der Maskulina geht aus auf ο, entstanden aus ςjo (§ 100, 3), als: Ἀτρείδᾶο, Βορέᾶο, Πριαμίδᾶο, Φιλοκτήτᾶο, Ἑρμείαο, Αἰακίδᾶο, Νηλείδᾶο, Νηληϊάδᾶο, ἱκέτᾶο, ἐϋρρείτᾶο, βαθυρρείτᾶο. Daneben findet sich die mit ionischer Laut<*>erschiebung aus αο entstandene Endung εω,10) die wegen des halbdiphthongischen Charakters dieser Lautverbindung stets mit Synizese zu sprechen ist, als: Ἀτρεΐδεω, Πηληϊάδεω, Τυδεΐδεω, Μενοιτιάδεω, Νηληϊάδεω, ἱκέτεω, συβώτεω, ἐριβρεμέτεω Il. n, 624. ἐριβρύχεω Hes. Th. 832. Nach Vokal einfach ω: Ἑρμείω, Βορέω (˘ ˘ ¯, also ist das ε der Endung das geschwundene), ἐϋμμελίω Il. δ, 47; auch für Αἰνείεω Il. ε, 534 wird jetzt Αἰνείω gelesen. Ἑρμέω (zweisilbig, von Ἑρμῆς) Hymn. Merc. 413. Ven. 149. Unepisch Φλεγύου Hymn. 16, 3; Φλεγύω Hermann.

Der Dativus und Akkus. gehen entweder auf , ην oder , ᾶν aus, je nachdem der Nominativ entweder auf ης oder auf ᾶς ausgeht, als: Βορέης, Βορέῃ, Βορέην, Ἀτρεΐδης, , ην; Ἑρμῆς, Ἑρμῇ Od. c, 435, Ἑρμῆν hymn. 18, 1; Αἰνείας, Αἰνείᾳ, Αἰνείαν, Ἑρμείας, είᾳ (Ἑρμέᾳ ἐξήγγειλεν Il. ε, 390), είαν; aber Ἑρμείῃ Ἑρμείην hymn. 19, 36. 28 (Ερμείην Hes. Op. 68 nur im Ven. 2 st. Ἑρμείαν, was Göttl. richtig aufgenommen hat).

Der Vokativus derer auf της und πης geht auf τα^ und πα^ und derer auf είᾶς auf ειᾶ aus, als: Θοώτης Θοῶτα, δολομήτης δολομῆτα, συβώτης συβῶτα, παρθενοπίπης παρθενοπῖπα; Αἰνείας Αἰνείᾶ, Ἑρμείας Ἑρμείᾶ; (doch αἰναρέτη Il. π, 31, wg. d. Ableitung von ἀρετή; Αἰήτη Apoll. Rh. 3, 320. 386; im jüngeren Ionismus εὔηθες κριτή Hippon. fr. 118; Ἥλιε καλλιλαμπέτη Anakr. fr. 27 Bergk.); bei den übrigen geht der Vok. auf η aus, als: Ἀτρεΐδης Ἀτρεΐδη, Πέρσης Πέρση.

Vom Plurale der Feminina und der Maskulina haben der Nominativ, Akkusativ und Vokativ nichts Eigentümliches. Dass der Charakter des Genetivi Pluralis der I. Dekl. ursprünglich σων gewesen sei, haben wir § 100, 7 bemerkt; das ς fiel dann nach § 15, 1, b zwischen dem Stammvokale α und dem ω der Endung aus, als ἀγορή (ἀγορά̂σων) ἀγορά̂ων, θεά, θεα̈́ων, κλισίη κλισιά̂ων, Μοῦσα Μουσά̂ων, παρειά παρειά̂ων, Νύμφη Νυμφάων; πολλή πολλά̂ων, ἐρχομένη ἐρχομενάων, ὠκεῖα ὠκειά̂ων, ἁπαλή ἁπαλά̂ων; ἐρέτης ἐρετά̂ων, ναύτης ναυτάων; ἀλφηστής ἀλφηστά̂ων, ἀσπιστής ἀσπιστά̂ων; unklarer Entstehung ist der Genet. ἑάων ἐάων (Spir. asper nach den Gramm.: Lehrs quaest. ep. p. 66 sqq., La Roche Hom. Textkr. 234; die Neueren schreiben meist den Lenis, n. Buttmann, Lexilog. I, n. 23, 4): Il. w, 528 δώρων οἷα δίδωσι, κακῶν, ἕτερος δὲ ἑάων; Od. q, 325 δωτῆρες ἑάων, 335 δῶτορ ἑάων; Hesiod. Th. 111. 633. 664; nach Herodian v. e. Fem. ἑή.11) Bei Hes. Sc. 7 βλεφάρων τ᾽ ἄπο κυανεάων ist v. l. κυανεώντων, wonach Flach κυανεόντων, Nauck (Mél. IV, 641) κυανοέντων. Neben dem überwiegenden alten άων findet sich, entsprechend wie beim Gen. Sg. der Mask., das ionische έων, in der Regel mit Synizese, und nach Vokalen ῶν: θεά θεῶν, κλισίη κλισιῶν, παρειή παρειῶν, βουλή βουλέων; μελαινέων, Σκαιαί Σκαιῶν, πασέων, ναυτέων; (Hymn. Apoll. Del. 46 ist die Lesart zwischen γαιάων und γαιέων schwankend;) έων ohne Synizese: Il. h, 1 ὣς εἰπὼν πυλέων ἐξέσσυτο. (i, 566 ἐξ ἀρέων μητρός Synizese und α_.) m, 340 καὶ πυλέων πᾶσαι. Od. f, 191 ἐκτὸς θυρέων. Ausser nach Vokal und in τῶν (ἀλλήλων Od. e, 71. αὐτῶν Il. τ, 302) ist ῶν zu beseitigen, so σέων m. Aristarch Il. ε, 818 für σῶν d. Hdschr., πρωτέων ο, 656 desgl. mit Aristarch, La Roche, Ztschr. f. österr. G. 1874, 407. Αὐτέων auch Hdschr. Il. μ, 424.12)

Als Charakter des Dativi Pluralis der I. Dekl. haben wir § 100, 8 die Form ισιν) erkannt; das erstere ι schreiben wir als ι subscr. unter dem Stammvokal. So entsteht also die Endung ῃσιν), als: ὑπεροπλίῃσιν), κοίλῃσιν), ᾗσιν), Ἀτρεΐδῃσιν). Neben dieser Form finden sich auch die Formen αις und ῃς, die erstere nur in θεαῖς ἀγάασθε Od. e, 119; ἀκταῖς Il. μ, 284 Versschluss (πάσαις Od. χ, 471 von Nauck m. hdschr. Stütze in πασέων geändert); θεαῖς an dieser St. u. ἀκταῖς werden auch von den Alten als Ausnahmen vermerkt, La Roche, Hom. Textkr. 279, während Il. γ, 158 überwiegend θεῇς überliefert ist. Θεαῖς auch hymn. Ven. 190; b. Hes. Op. 62 schwankt die Lesart zwischen ἀθανάταις δὲ θεαῖς u. -ῃς δὲ θεῇς. Da der Sg. α_ hat, so erwartet man α_ auch im Plural, also θεᾶιςι); indes θεῇσι Il. q, 305. l, 638. τ, 286. Od. η, 291. B. Hesiod u. i. d. Hymnen ist αις häufiger, La Roche, Ztschr. f. österr. G. 1874, 407, als ἀγλαΐαις, ἀλλήλαις, δίκαις, ἀπήναις (Hes.), αἷς, νύμφαις, ναύταις (Hymn.). Die Form ῃς kommt gewöhnlich nur vor Vokalen vor, so dass ῃς᾿ statt ῃς gelesen werden kann,13als: Il. γ, 158 θεῇς εἰς; 352 ἐμῇς ὑπό; f, 104 ἐμῇς ἐν; x, 330 κονίῃς ; p, 712 πύλῃς ἔχε; 719 ῥοῇς ἔπι; b, 249 Ἀτρείδῃς ὑπό; doch findet sie sich auch vor Konsonanten, als: σῇς καί Il. a, 179; οἴῃς σύν e, 641; βήσσῃς βαθέην p, 766; χρυσείῃς δ̓ c, 180; παλάμῃς φορέουσι a, 238; πέτρῃς πρός Od. η, 279; προχοῇς ποταμοῦ l, 242; προχοῇς δέ u, 65; θαλίῃς καί λ, 603 (v. l. θαλίῃ); πολλῇς φλιῇσι r, 221; ἐϋξέστῃς σανίδεσσιν f, 137. 164; ἀφραδίῃς μέγα χ, 288. Man rechnet im ganzen (Gerland, K. Ztschr. IX, 36 ff.; Nauck, Mél. IV, 409) für Ilias und Odyssee und für die I. und II. Dekl. zusammen 2861 (2350) volle Dativformen, 362 (374) verkürzte vor Vokalen, 114 (130) verkürzte vor Konson. oder am Ende. Die Verkürzung ist also erst in ihren Anfängen begriffen; vgl. § 102, 2 über die Lesbier, 104, 4 über die jüngeren Ionier.

Der Dual kommt nur im N. A. der Mask. vor: Il. a, 16 Ἀτρείδα, n, 201 κορυστά, θ, 42 und n, 24 ὠκυπέτα; doch war Il. g, 35 παρειά (παρῃά) alte Lesart f. παρειάς, s. Herodian I, 373. Il. θ, 378 ist sicherlich (mit Aristarch) προφανέντε st. προφανείσα zu lesen, wie 455 πληγέντε gleichfalls auf die Here und Athene bezogen wird; so auch προλιπόντε Hes. Op. 194 (καλυψαμένω 198, doch hier erweist die Steininschrift Kaibel Epigr. 1110 -να als das Echte).(Smyth 214)

104. Neuionische Mundart.

In der neuionischen Mundart wird wie in der epischen statt des älteren langen α durch alle Kasus des Singulars η gebraucht, als: χώρη, ης, , ην, βίη, ης, , ην, καθαρή, ῆς, , ήν; das kurze α hingegen bleibt in gewissem Umfange im Nominative, Akkus. und Vok., als: βασίλεια (Königin), βασίλειανber falsches μοίρην st. μοῖραν und πρῴρην st. πρῷραν b. Herod. s. § 25, Anm. 6); im Genet. und Dat. aber muss es in η übergehen, als: βασιλείης, βασιλείῃ. S. § 25, 1. 5. u. Anm. 4. Doch entspricht zum Teil wie bei Homer einem attischen εια^ im Ionischen είη: ἀδείη, ἀληθείη u. s. w., ἀτελείη Inschr. Kyzikos (Abstrakta von εσ- Stämmen, Fritsch z. Vokal. d. Herod. Dial. 19 ff.); aber auch (trotz βασίλεια und Homer. ἱέρεια) ἱρείη Priesterin (ἱερέη Kallim. epigr. 40, 1), wo ια^ ursprünglich (das. 12 f.). Ferner steht der ursprünglichen Quantität gemäss οίη für att. οια^ in εὐνοίη, προνοίη, συννοίη (doch διάνοια), ἀπλοίη, ὁμοχροίη, παλιρροίη. Ὠρειθυίην steht 7, 189 (doch R -θυιαν); schwankend Φώκαια^ und Φωκαίη; einhellig überliefert Ἱστιαίη (8, 23—25; vgl. dagegen § 103, 2 a)); Μηδείην steht 1, 2 (Μήδειαν Bk.). Endlich nach ν πρύμνη (auch Hom.), Σμύρνη (Mimnerm. frg. 9), σμύρνη. — Bei Hippokr. ist grosses Schwanken zwischen μίη μία, οὐδεμίη οὐδεμία; aber z. B. νειαίρη für νείαιρα ist falsch nach Ausweis des cod. θ, s. VII, 312. 316. 320 u. s. w. — Der Nominativ der Maskulina geht stets auf ης aus: νεηνίης. — Ausser γῆ, γῆς u. s. w. kommen in den Herodotischen Hdschr. fast nur aufgelöste Formen vor, als: μνέαι, μνέας, μνέων (st. μνεέων, s. Nr. 3, besser μνεῶν; Sg. wohl μνῆ, Fritsch, Vokal. d. Herod. D. p. 19), συκέη, συκέην, συκέων, αἰγέη, αἰγέων, αἰγέας, Gen. Pl. v. γῆ Herod. 4, 198 γέων, γεῶν (v. Nom. γέαι), κυνέη, κυνέην, παρδαλέη, παρδαλέας u. s. w.; βορέης, βορέω (Nr. 2), βορέῃ, βορέην; an einigen Stellen Herodots jedoch haben alle Hdsch. die kontrah. Form: βορῆν 1, 6. 174; 4, 22. 31; 7, 189. 201; βορῆς 6, 44; Ἑρμῆν 5, 7; κυνῇ 4, 180; λεοντῆν 4, 8; γαλαῖ 4, 192, worunter nur die letzte Form bedenklich, die anderen von den Hsg. mit Unrecht beseitigt sind,14während die offenen mit εη beseitigt werden sollten. Denn nach den Inschr. ist εη im Ionischen stets zusammengezogen, als κωλῆν, Λυσῆς, Πυθῆς u. a.; auch aus den ion. Schriftstellern citiert Herodian I, 405. II, 911 f. Ῥῆ = Ῥέη Ῥέα (Pherekyd. Syr.), πλῆ = πλέη πλέα (Diogen. Apollon.), νῆ = νέη νέα (Σαμίων ὧροι); desgl. (II, 889) Μαντίνη a. Μαντίνεια (oder Μαντινῆ, da Homer Μαντινέη?), wie auch bei Herodot 4, 161 cod. C Μαντίνης f. -έης hat. Vgl. § 50, 6 S. 210 f. Ferner γενῆν = γενεήν Aischrion v. Samos b. Athen. VIII, 335, D; vgl. Kallimach. fr. 251; κωλῆν Xenophanes 5; συκῆ Archil. 19, ῥοδῆς 29; πορφυρῆς Semonid. 1, 16 (Renner, Curt. Stud. I, 1, 218). — Von dem Adj. διπλόος findet sich b. Hdt. διπλῆν 5, 90. διπλᾶς 3, 28 neben διπλέη 3, 42 in allen Hdsch., letzteres mit Stein in διπλῆ zu korrigieren. Zu Grunde liegt διπλέη (vgl. kret. διπλεία nb. διπλόος); auch att. διπλῆ ist aus διπλέα (nicht aus διπλόηkontrahiert. So auch Homer διπλῆν, § 103, 4 Anm.

Der Genetivus Sing. der Mask. auf ης geht auf εω aus15) und ist proparoxytoniert, als: δεσπότης δεσπότεω, Λεωνίδης Λεωνίδεω, Ξέρξης Ξέρξεω, Γηρυόνης Γηρυόνεω, νεηνίης νεηνίεω, Παυσανίης Παυσανίεω, Μαρσύης Μαρσύεω, Κώης Κώεω, Ἀλεύης Ἀλεύεω. Geht aber dem ης der Vokal ε voraus, so wird ein ε ausgestossen, und das Wort paroxytoniert, als: βορέης βορέω, Ἀριστέης Ἀριστέω, Ἑρμέης Ἑρμέω; von Κυνέης und Αἰσχρέης stehen Herod. 6, 101. 8, 11 Κυνέου, Αἰσχρέου in allen Hdsch. Nach den Inschr. indes ist die Kontraktion weiter gegangen: von Kontrakta auch im Gen. kontrahiert Πυθῶ u. s. w. Chios, doch anderswo -έω; nach Vokal Ἀσίω, Παυσανίω, Παναμύω, indes auch Ἐρμίεω. Auf jüngeren Inschr. von Erythrai findet sich auch ευ, unter Vermischung von εο und εω, als Ἀρχηγέτευ. S. Bechtel, Inschr. d. ion. Dial, S. 109 u. Bezzenb. Btr. X, 280 ff.

Der Genetivus Plur. sowohl der Feminina als der Mask. geht auf εων aus, als: τιμή τιμέων, οἰκίη οἰκιέων, θυσίη θυσιέων; νεηνίης νεηνιέων; πασέων, πολλέων, μελαινέων, ὑψηλέων (v. ὑψηλή), Μηδικέων (v. Μηδική), λοιπέων (v. λοιπή), αὐτέων (v. αὐτή); ἐουσέων, διαφθαρεισέων, προδουσέων, ἐχουσέων, συμπλευσασέων, λεχθεισέων, φρονεουσέων. Eine Ausnahme machen τῶν und ὧν (nie τέων, ἕων), sowie (nach Kühner) die barytonierten Feminina der Adjektive, Pronomina und Participien auf ος, η, ον, bei welchen die Form des Gen. Plur. der Feminina mit der der Mask. übereinstimmt, als: ὀλίγων, ἀμφοτέρων, ἄλλων, ἑτέρων, ὑμετέρων, σφετέρων, ἄλλων, τούτων, ἁρπαζομένων, μαχομένων, ἁλισκομένων; geht aber ein Vokal vorher, so bieten die Hdschr. häufig die Endung έων st. ων, als: Αἰγυπτιέων, κουριδιέων 6, 138 (v. l. κουριδίων), ἀντιέων, δημοσιέων, τετρακοσιέων, χιλιέων u. s. w., was natürlich wenig Glaubwürdigkeit hat. Auch sonst findet sich in den Handschr. und Ausgaben an mehreren Stellen ῶν st. έων und umgekehrt έων st. ων, als: πασῶν, λοιπῶν, αὐτῶν u. s. w., ἀλλέων, τουτέων, ἐκεινέων, φυλασσομενέων, εἱλευμενέων, οἰκεομενέων u. s. w., und ἀλλέων wird durch ein Epigramm von Naxos bestätigt (ἔξοχος ἀλλέων; ἄλλων wäre undeutlich gewesen).16) Wenn dem εων ein ε vorangeht, so wird wie beim Gen. Sing. der Mask. (Nr. 2) ein ε ausgestossen, oder vielmehr εω wird kontrahiert, als: θηλέων st. θηλεέων Her. 2, 66 v. θήλεα, v. l. θηλεῶν, was richtiger, s. § 143 Anm. 2, Μαλέων (codd. Μαλεῶν) 1, 82 v. Μαλέαι; bei den Oxytona schreibt man allgemein εῶν: ἀδελφεῶν 3, 31 v. ἀδελφεή (2, 142 die Hdschr. und Stein die unmögliche Form γενεέων). Wäre das erste ε ausgestossen, so wäre in θηλέων εω Halbdiphthong, was unmöglich; die Ausstossung des zweiten, betonten ε ist mit Kontraktion gleichbedeutend, und schafft unbedingt Cirkumflex, da doch der Ton nicht zurückgehen kann. Die altion. Form auf άων ist der neuion. Mundart durchaus fremd. Hippokrates bedient sich im allgemeinen der offenen Form εων, wenn die Substantive einen Konsonanten vor der Endung haben, hingegen der geschlossenen (attischen) Form ῶν, wenn sie einen Vokal vor der Endung haben,17) als: ἀρχέων v. ἀρχή, δυσμέων, κριθέων u. s. w., Mask. δημοτέων, δεσποτέων, Σκυθέων u. s. w.; ῶν findet sich nur an wenigen Stellen; Subst. pura: ὠφελειῶν, θεραπειῶν, ἀγρυπνιῶν, ἡλικιῶν, ἰδεῶν, ἐλαιῶν, ῥοιῶν; fast nirgends kommt hier έων vor. So auch ἀδικιῶν e. Inschr. von Oropos. Entsprechend bilden bei Hippokr. die Participia: ἐχουσέων, παρελθουσέων, θερμανθεισέων, ἐουσέων, ausser im Perf. Akt., wo der Endung ein Vokal vorangeht, als: ξυνεστηκυιῶν Hippokr. de aer. aqq. locc. Tom. I, p. 543 (I, 44 L.), wo der gewöhnliche Text ξυνεστηκουσῶν bietet; die barytonierten Participien und Adjektive (Pronomina) bilden den weiblichen Pluralgenetiv dem männlichen gleich, als: ἀρχομένων, θερμαινομένων u. s. w., γυναικείων, ἀναγκαίων, ἄκρων, μεγάλων, ἑτέρων, ἀλλήλων u. s. w. Die oxytonierten Adjektiva impura auf ός, ή, όν haben έων, als: χειμερινέων, μικρέων, obwohl an vielen Stellen ῶν gefunden wird; die Adj. pura hingegen haben wie die Substantiva pura ῶν, als: δεξιῶν. Endlich bilden entsprechend auch die Adj., deren Mask. nach der III. Dekl. geht: μελαινέων, πασέων, aber πλατειῶν, ὀξειῶν. Der Artikel lautet τῶν, das Relativ ὧν; τουτέων, τοιουτέων gehören mit τουτέου, τοιουτέου (§ 111, 1) zusammen, indem es ja auch nicht ταυτέων, τοιαυτέων heisst.

Der Dativus Pluralis18) geht auf ῃσι aus (vgl. § 100, 8), als: τιμῇσι, ἡμέρῃσι, τῇσι, αὐτῇσι. Auf Inschriften findet sich statt ΗΙΣΙ auch wohl ΗΣΙ, als δεσπόνησιν Röhl I. Gr. ant. 501; häufiger ist das in Athen, § 105, 5. Die verkürzte Endung αις ist auf Inschr. von Keos (ταύτ[α]ις), Rhegion (θεαῖς πάσαις) gefunden; bei Archilochos steht ᾗς τὸ πρίν fr. 94 (so richtig Schneidew., Bergk für ἧς), ἀγκάλαις am Versende 23 (ἀγκάλῃς Renner), θαλίῃς τέρψεται 9 (θαλίῃ? Sitzler, Fleck. Jahrb. 125, 509; vgl. Xenophan. 1, 12; Theogn. 778); mit Unrecht wollen Ahrens (Verh. der XIII. Philologenvers. 60 ff. Anm.) und Fick (Bzz. Beitr. IX, 207 f.) den älteren ionischen Elegikern und Iambographen die verkürzte Form vor Konsonanten in der I. wie in der II. Dekl. absprechen, s. Renner, Curt. St. I, 1, 212. (Vgl. § 105, 5 über Solon; § 111, 3 II. Dekl.) Dem Anakreon gesteht auch Fick den Dat. auf αις wie den auf οις zu: 24 κούφαις, 25 ἀήταις, 65 μίτραις (allemal Versende).(Smyth 214)

105. Attische Mundart.

I. Feminina.
a) α_ (α^) durch alle Kasus b) α^, G. ης c) η durch alle Kasus
Schatten. Land. Hammer. Tisch. Meinung. Recht. Ehre.
S. N. σκιά̂ χώρᾶ σφῦρα^ τράπεζα^ γνώμη δι?́κη τιμή
G. σκιᾶς χώρᾶς σφύρᾶς τραπέζης γνώμης δίκης τιμῆς
D. σκιᾷ χώρᾳ σφύρᾳ τραπέζῃ γνώμῃ δίκῃ τιμῇ
A. σκιά̂ν χώρᾶν σφῦρα^ν τράπεζα^ν γνώμην δίκην τιμήν
V. σκιά̂ χώρᾶ σφῦρα^ τράπεζα^ γνώμη δίκη τιμή
P. N. σκιαί χῶραι σφῦραι τράπεζαι γνῶμαι δίκαι τιμαί
G. σκιῶν χωρῶν σφυρῶν τραπεζῶν γνωμῶν δικῶν τιμῶν
D. σκιαῖς χώραις σφύραις τραπέζαις γνώμαις δίκαις τιμαῖς
A. σκιά̂ς χώρᾶς σφύρᾶς τραπέζᾶς γνώμᾶς δίκᾶς τιμά̂ς
V. σκιαί χῶραι σφῦραι τράπεζαι γνῶμαι δίκαι τιμαί
Dual. σκιά̂ χώρᾶ σφύρᾶ τραπέζᾶ γνώμᾶ δίκᾶ τιμά̂
σκιαῖν χώραιν σφύραιν τραπέζαιν γνώμαιν δίκαιν τιμαῖν

Bei den Stämmen auf α sind zwei Fälle zu unterscheiden:

a) der Nominativ geht auf α_ oder α^ aus, und das α bleibt durch alle Kasus, wenn demselben ein ρ oder die Vokale ε, ι (α purum) vorangehen, als: χώρᾶ, σφῦρα^, ἰδέα, σοφία, χρεία, εὔνοια; ebenso das Fem. der Adj. contracta auf (εεᾶ) εᾶ, (ειεᾶ) ειᾶ, (ιεᾶ) ιᾶ, (ρεα) ρᾶ, als: (ἐρεέᾶ) ἐρεᾶ, (ἀργυρέᾶἀργυρᾶ; hieran schliessen sich die Kontrakta auf α_ (s. Nr. 3), als: μνᾶ; sodann einige Eigennamen auf α_, welche fremden Ursprungs sind, als: Ἀνδρομέδᾶ, Γέλᾶ, Διοτίμᾶ, Λήδᾶ, Φιλομήλᾶ, Ἀθά̂να b. d. Tragik. (Ἀθηνᾶ, ᾶς in der Prosa, auf älteren Inschr. Ἀθηναία, Ἀθηνάα, s. 3). Über das dorische α_ st. η bei den Tragikern, als: φάμα, ᾶς, , ᾶν st. φήμη, ης, , ην s. Einl. S. 32 f., und über die Mask. auf ᾶς st. ης Nr. 6.

Anmerk. 1. Folgende haben ρη statt ρα: κόρη (aus κόρ ϝη, so eine wahrsch. thessalische Inschrift Κόρ ϝᾶι, Dial.-Inschr. 373, Mädchen, κόρρη (aus κόρση Hom.), Backen, ἀθάρη Brei, δέρη poet. δείρη Nacken (auch hier ist nach ρ ein Konsonant gewesen, wie das ει und das äol. δέρρα zeigt),19) und einige ionisierende Eigennamen, als: Ἐφύρη Thuc. 1.46, 4 (s. Choerob. in Bekk. An. III, p. 1173; Lentz, Herod I, 340); aber Τερψιχόρᾶ ist die attische Form (das.), wie P. Phaedr. 259c fast in allen Hdschr.; (Aesch. Pr. 201 ἕδρης st. ἕδρας Med., ebenso falsch wie ders. αἰτίην 226;) über die Mask. auf -μέτρης s. Nr. 6. Bei Aristoph. als poetische Formen in Anap. und Trochäen Ἀθηναίῃ, Σεληναίης, Τριτογενείης, Speck de Aristoph. dial. 15 f. Geht aber ein anderer Vokal als ε, ι voran, so haben der Nominativ und alle Kasus des Sing. η, als: Δανάη, ἀκοή, φυή, ἀφύη (Sardelle), σκευή, ζωή, so auch das Adj. αὔη v. αὖος. Ausgenommen sind: ἐλά̂α Ölbaum und Olive (ion. ἐλαίη, auch altatt. noch ἐλά̂ια mit ι, Meisterhans^{2} 2420); (Ἀθηνάα f. Ἀθηναία, s. Nr. 3); Κραναά Arist. Ach. 75. Lys. 481; πόα Gras (ποία b. Eur. u. Aristoph.), ῥοά, Granatbaum (st. ῥοιά, ion. ῥοιή), χρόα und χροία, Farbe (χροία b. Aristoph. dreimal sicher, nie ausgeschlossen; s. auch Eurip. Bacch. 457. Cycl. 517)21), στοά, Halle (στοιά u. στοά b. Aristoph.)22), ὄα οἴα ᾤα Schafpelz (von ϝις οἶς, also ὀϝία), Ὄα Ὤα Demos d. pandion. Phyle,23) zu unterscheiden von Ὁή Demos d. öneischen Ph.; [τρίττοα u. τρίττοια Dreiopfer (Inschr.) ist Proparoxyt., Herodian I, 281]; θωά Strafe (Inschr.; ion. θωϊή, dor. θωιά); es ist also offenbar das nach ο ω urspr. stehende ι, welches das α_ bewirkt, b. ἀθρόα, δικρόα aber (Fem. zu ἀθρόος, δικρόος) das ρ vor ο. Dagegen πνοή (Ar. Ran. 154; Plat. Crat. 419 d. πνοιῇ Oxon. Venet.) trotz Homer. πνοιή.24) Nach υ hat η zu stehen, wiewohl Herodian I, 302 f. eine ganze Anzahl Wörter auf ύα anführt; aber ὀξύην steht Eur. Heracl. 727, σιπύη (Brotkorb) Ar. Pl. 807. Eq. |1296.25) — Noch ist zu bemerken das Fem. μικά zu μικός klein, auf att. Inschr.;26) der Ausfall des ρ hat an dem α_ nichts geändert.

b) Der Nominativ geht auf α^ aus; das α bleibt jedoch nur im Akkusative und Vokative, geht aber im Genetive und Dative in η über, wenn dem α ein λλ, ς, ττ (σς), ζ, ξ, ψ u. s. w. vorangeht, als: ἅμιλλα, μοῦσα, γλῶττα (γλῶσσα), τράπεζα, δόξα^, δίψα^, G. ης, D. , A. α^ν. Bei vorangehendem ν steht α^ nur bei ἄμῦνα, das nur bei Spät. vorkommt,27) χειμάμυνα, ἔχιδνα, Otter, λέαινα, leaena, τρίαινα, Dreizack, δέσποινα, Herrin, μάραγνα, Peitsche, μέριμνα, Sorge, ἄγκοινα, ein Tau (anquina), Boeckh, Seew. 152,28) Αἴγῖνα, Πύδνα, und bei den römischen Namen auf ῖνα, als: Φαυστῖνα, Faustīna, Σαβῖνα, Sabīna; α und η, als: πεῖνα und πείνη (dies ion. ep., doch auch Pl. Lys. 221, a. Phil. 31, e, Schanz, Prol. Gorg. VII), πρύμνη (ion. ep., doch auch öfter b. d. Trag.; Aristoph. Vesp. 399), πρύμνα^, Thuk., Plat. u. s. w.,29) εὔθῦνα, Rechenschaft (Inschr.), und εὐθύνη, θοίνη att., θοῖνα Spät.,30) aber εὐφροσύνη und so alle mit der Endung σύνη. Einzeln stehen da: δίαιτα, τόλμα (τόλμᾶ Pind.; überl. auch Eurip. Ion 1416, aber τόλμα^ 1264. Androm. 702; mit α^ auch Plat., Schanz a. a. O.; Phrynich. lässt wie bei πρύμνη η und α zu), θέρμα31) f. θέρμη b. Menander (Aristophan. frg. 690 Kock; Herodian I, 255 erklärt θέρμη wie τόλμη für attisch; Rutherford, Phryn. 414 will nb. θέρμη nur ein Neutr. θέρμα gelten lassen), ἄκανθα (Inschr.), ἄρδα b. Pherekrates (p. 53 K.) nach Eustath. Odyss. 1761, μάμμα, doch häufiger μάμμη, παῦλα ἀνάπαυλα, ζεῦγλα poet. st. -λη n. Hdn. II, 752, b. Spät. ῥῖνα st. ῥίνη, κίχλα st. κίχλη, κολόκυνθα st. -θη, νάρκα st. -κη (Menand. b. Ath. VII, 314 B, frg. 498 K.; Hippokr. VI, 368 v. l. in θ), u. a.32) Wiewohl also der Typus auf α^ nicht auf die Wörter mit ursprünglichem jα^ (§ 21) beschränkt geblieben ist, so hat man doch lange paenultima, wie sie bei urspr. jα^ war und blieb, durchweg als Bedingung festgehalten. Vgl. über die ganze Kategorie Misteli, K. Z. XVII, 161—181.

Anmerk. 2. In der späteren Vulgärsprache, wie sie z. B. im neuen Testament vertreten ist, folgen der Abwandlung auf α^, ης u. s. w. auch die Wörter auf ρα^. So μαχαίρης Luc. 21, 24, μαχαίρῃ 22, 49; von σπεῖρα σπείρης Act. 27, 1, u. s. w. Aber χώρᾶ χώρας, ἡμέρᾶ ἡμέρας wie gewöhnlich. Ferner die Wörter auf υια^ (υα^ in der gewöhnlichen Ausspr.), so συνειδυίης Act. 5, 2, ἐπιβεβηκυίης 1. Samuel. 25, 20. κυνομυίης nb. κυνόμυια Exod. 8, 21. 24. Dagegen bei wirklich vorhergehendem i oder e (ι, ε, ει) bleibt die attische Regel in Kraft. Buttmann, Gramm. d. neutestam. Sprachgebr., S. 10 f.

Bei denen auf η bleibt das η durch alle Kasus des Singulars.

Wenn dem α ein α oder ε vorangeht, so wird in einigen Wörtern αα in , έα in η_ (bezw. α_, wenn ε oder ρ vorausgeht) durch alle Kasus kontrahiert; die Endsilbe bleibt durch alle Kasus cirkumflektiert, als: (μνάα? Mine), μνᾶ, ᾶς, , ᾶν, αῖ, ῶν, ᾶς, Ἀθηνᾶ, ᾶς u. s. w. in d. Prosa (a. Ἀθηναίᾶ, Ἀθηνα?́ᾶ, jenes auf Inschr. herrschend bis ins 4. Jahrh., Ἀθηνᾶ vereinzelt sehr früh, massenhaft im 4. Jahrh., Meisterhans 24^{2} f.; auch äol. Ἀθανα?́α Theokr. 28, 1), Ναυσικᾶ Hdn. I, 253 (Sophokl.?), ἐλᾶ Olive nb. ἐλά̂α, ἐλαία, Ael. Dionys. b. Eust. 1944; Namen von Bäumen, als: συκέα (Feigenbaum), συκῆ, ῆς u. s. w., so ἀκτῆ, Fliederbaum, ἀμυγδαλῆ, Mandelbaum (aber nicht πτελέα, Ulme); Fellnamen, als: κυνῆ (sc. δορά), Hundefell, der daraus gemachte Helm, παρδαλῆ, Pantherfell, λεοντῆ, Löwenhaut, ἀλωπεκῆ, Fuchsfell; γῆ, Erde; γαλῆ, Wiesel, κωλῆ, Hüftstück; über die Adj. auf εος, έα, εον, οος, (έα), οον s. unten in der II. Dekl. Ist aber das Wort in der vollen Form Proparoxytonon, so wird es in der zusammengezogenen Paroxytonon, so Βασίλη C. I. Att. IV, 53 b (vgl. Plat. Charmid. p. 153 A τοῦ τῆς Βασίλης ἱεροῦ, was Kirchhoff z. d. Inschr. nach Kumanudis vergleicht [so Oxon.; corrupt andere βασιλικῆς]; Hdn. I, 275. 322), doch aus βασίλεια. Vgl. oben § 104, 1.

Die Genetivform auf έων findet sich zuweilen bei Aristophanes in gehobener Rede: Equ. 159 (Bergk, codd. Ἀθηναίων metrisch falsch und schlecht im Sinne); Thesm. 329 Ch. (Bergk, codd. wieder Ἀθηναίων; Nub. 401 in der Homerischen Formel Σούνιον ἄκρον Ἀθηνέων). Speck, Aristoph. dial. 29 f. Auch in dem Psephisma des Themistokles Plut. Them. 10 τῇ Ἀθηνέων (Ἀθηναίων oder -άων codd., Ἀθηνῶν Hercher) μεδεούσῃ.

Die volle Endung des Dativi Plur. auf ισιν), also mit dem Stammvokale α^ισιν), findet sich oft bei allen attischen Dichtern, als: ταῖσι, δίκαισι u. s. w.; der Stammauslaut ist hier wie im Nom. Pl. gekürzt. Aber mit langem Stammvokale ηισι, und gemeiniglich ohne ι ησι, nach ε ι ρ aber entsprechend dem Sing. ᾶισι (ᾳσι) und gemeiniglich ᾶσι ist die auf den att. Inschriften bis um 420 herrschende Form, als ἄλλησι, δραχμῆσι und δραχμῆισι, τῆσι und τῆισι, μύστησι, ἐπόπτηισι; ταμίασι und ταμίᾶισι, μυρίασι und μυρίᾶισι. Hingegen ist α^ισι (als δραχμαῖσι) den Inschriften ganz fremd; dieselben gehen von δραχμῆισι zu δραχμα^ῖς über. Meisterhans, Gr. d. att. Inschr. 94^{2} f. Bei den Tragikern ist die Form auf αισι sowohl in den melischen Stellen als auch im Dialoge sehr häufig, als: κακαῖσι, πημοναῖσι, σφαγαῖσι, πύλαισι, ἀγοραῖσι, δεσπόταισι u. s. w.; die Form aber auf ῃσι steht nur an sehr wenigen Stellen kritisch fest, bei Euripides an keiner;33) wo sie sich indes findet (als ναύτῃσι Aesch. Pr. 727, ἀλλήλῃσι Pers. 189), ist sie nicht anzutasten. Auch Aristoph. gebraucht oft die Form auf αισι, als: Ach. 1197 ταῖς ἐμαῖς τύχαισιν. 1224 παιωνίαισι χερσίν. Av. 876 in der Gebetsformel Ὀλυμπίῃσι [?] und πάσῃσι. Ein Gleiches gilt von der II. Dekl.; so bei S. OR. 249 οἴκοισιν (im Dial.), Eur. Andr. 502 βρόχοισι, 539 ἐμοῖσιν, Ar. Av. 848 τοῖσι καινοῖσιν θεοῖς; auch att. Inschr. bis gegen 444 v. Chr. (Meisterhans 98^{2}); doch ist auch in der früheren Zeit οις auf den Inschriften gleich gebräuchlich. Die Volkssprache neigte also schon früh zur Abwerfung des ι; diese konnte aber in der I. Dekl. nicht wohl zu ηις ις führen, was Gleichheit mit anderen Kasus ergeben hätte, sondern man liess nun die Form mit α^ eintreten, welche im Dorischen und Böotischen lange bestand. Der älteste attische Dichter, Solon, hat οισι ηισι überwiegend, doch zuweilen auch οις, αις, als μεγάλοις fr. 7, ἀστοῖς 10, συνόδοις 4, 22 (namentlich am Ende des Verses oder in der Mitte des Pentameters, s. Diels Ἀθην. πολιτεία p. 38; Sitzler, Fleck. Jahrb. 125, 509), und auch 13, 11 ἀδίκοις, 16 θνητοῖς, 36 κούφαις, 58 τοῖς, 74 θνητοῖς (Mitte des Pent. mit folgendem Vokale) besagen dasselbe, indem Elision an dieser Versstelle hart und selten ist, also diese Formen nur wegen ihrer besonderen Natur sich leicht dazu hergaben, so mit abfallendem ι zu stehen. Fick (Bzz. Btr. IX, 210) geht viel zu weit, wenn er dem S. οις und αις abspricht; auch bei Verbindung mehrerer Dative ist dergleichen zu dulden (vgl. § 102, 2; Diels a. a. O.), als 13, 61 κακαῖς νούσοισι . . ἀργαλεαῖς τε. — Zuweilen findet sich die längere Endung auch in der Prosa, wenigstens bei Plato, als Civ. 3, 388, d σμικροῖσι, 8, 560, e μεγάλοισι; Tim. 74, e καμπαῖσιν; Phaedr. 240, b ἡδίστοισιν nach dem Bodl.; Leg. 3, 690, e ἐν τοῖσι δήμοις.34) Über das Fortbestehen des ησι, ασι in Lokaladverbien, als: Ἀθήνη-σι, s. § 100, 8.

Die Dualformen auf , αιν wurden von Substantiven, so lange der Dual in kräftigem Leben stand, regelrecht gebildet; bei Adjektiven jedoch, insoweit eine männliche Form auf ω, οιν daneben besteht, drängt sich diese stark ein, und bei Artikel und Pronomen (, ὅς, οὗτος) herrscht sie nach den Inschr. ausschliesslich, s. § 172 Anm. 3. Bei Adj. σφραγῖδε λιθίνω C. I. Att. II, 652, A, 45. κλίμακε μεγάλω Ἐφημ. ἀρχ. 1889 p. 49 ff. a, 30 τροχιλεία μεγάλω das. 31. Doch überwiegen die Beispiele des weiblichen Adj. sehr, als λιθίναιν, χρυσᾶ, ἀργυρᾶ u. s. w. Meisterhans 96^{2}.

II. Maskulina.
Bürger. Hermes. Jüngling. Vogelsteller. Nordwind.
S. N. πολί̂της Ἑρμέαςῆς νεανι?́ᾶς ὀρνιθοθήρᾶς βορέαςρᾶς
G. πολίτου Ἑρμοῦ νεανίου ὀρνιθοθήρου βορροῦ
D. πολίτῃ Ἑρμῇ νεανίᾳ ὀρνιθοθήρᾳ βορρᾷ
A. πολίτην Ἑρμῆν νεανίᾶν ὀρνιθοθήρᾶν βορρᾶν
V. πολῖτα Ἑρμῆ νεανίᾶ ὀρνιθοθήρᾶ βορρᾶ
P. N. πολῖται Ἑρμαῖ νεανίαι ὀρνιθοθῆραι
G. πολιτῶν Ἑρμῶν νεανιῶν ὀρνιθοθηρῶν
D. πολίταις Ἑρμαῖς νεανίαις ὀρνιθοθήραις
A. πολίτᾶς Ἑρμᾶς νεανίᾶς ὀρνιθοθήρᾶς
V. πολῖται Ἑρμαῖ νεανίαι ὀρνιθοθῆραι
Dual. πολίτᾶ Ἑρμᾶ νεανίᾶ ὀρνιθοθήρᾶ
πολίταιν Ἑρμαῖν νεανίαιν ὀρνιθοθήραιν

Der Plural Ἑρμαῖ in der Bedeutung Hermensäulen kommt öfter vor.

Männliche Kontrakta giebt es im att. Dialekte nur wenige, nämlich Ἑρμῆς, Βορρᾶς βορρᾶς, endlich mehrere Ausdrücke des gemeinen Lebens, als: φαγᾶς, τρεσᾶς, κορυζᾶς u. a. (§ 136, 3, a).35) Dagegen im ionischen Dialekte

Kühners ausführl. Griech. Grammatik. I. T.

giebt es viele Eigennamen auf ῆς, als Θαλῆς, Πυθῆς, Λυσῆς u. a., und in der κοινή viele auf ᾶς, als Δημᾶς, Μηνᾶς u. s. w.36)

Anmerk. 3. Die Verdoppelung des ρ in βορρᾶς muss mit der Kontraktion zusammenhängen, indem das verschwindende ε eine ähnliche Wirkung wie j (§ 21, 6) hinterliess (G. Meyer, S. 162^{2}); vgl. στερρός aus στερεός. Übrigens kommen auch die unkontrahierten Formen dieses Wortes häufig vor, als: βορέαν Thuc. 2.96. 3, 4. βορέου 3, 23, aber βορρᾶς 6, 2. βορέας Xen. An. 5. 7, 7, aber gleich darauf βορρᾶς; Βορέας P. Phaedr. 229b. Βορέου c. So auch die Inschr. des 5. Jhd., Meisterhans 97^{2}.37) — Choerob. in Bekk. An. III, p. 1188 (Herodian II, 678) führt die Eigennamen Δρῆς und Τρῆς als solche an, welche παραλόγως den Gen. auf η_ bildeten: Δρῆ, Τρῆ; vgl. § 136, 3, b.

Abweichend von den Femininis ist: a) das Kasuszeichen ς im Nom. Sing.; b) der Gen. Sing. auf ου, dessen Erklärung nicht leicht ist. Sowohl aus ταμίᾶ-ο musste ταμίω, als aus (πολίτηο) πολίτεω πολίτω (vgl. πολιτῶν) werden, und in der That ist auf einer att. Inschr. des 5. Jahrh. (C.I.A.I, 358) Λευκολοφίδω (mit dem ion. Ωgeschrieben. Dies ω (offenes ο) konnte dann unter dem Einflusse der vielen Genetive auf ου zu dem geschlossenen ο (ο_ = ου) werden. Vgl. Bechtel, Bzz. Btr. X, 280 ff. — Der Plural und der Dual weichen von denen der Feminina nicht ab.

Die Maskulina auf ᾶς behalten das α_ im Dat., Akk. und Vok., uud die auf ης das η im Dat. und Akk. des Sing. bei. Gegen die Nr. 1. a) gegebene Bestimmung haben die Komposita mit μέτρης (v. μετρέω) die Endung ης statt ᾶς, sowie dagegen mehrere fremde Eigennamen, als: Πελοπίδας, Βρασίδας, Λεωνίδας, Ἐπαμεινώνδας, auch ungriechische, als: Σύλλας, Ἀννίβας u. s. w., und γεννάδας (Aristoph., Plat.), ein Edler, (auch σάκτας, Sack, Ar. Plut. 681) die Endung ας st. ης. Einige dorische Namen auf -λας (nb. -λαος und att. -λεως) haben sich früh in Attika eingebürgert, § 114 Anm. 6.

Nach alten Grammatikern (Herodian II, 636) haben von Maskulina auf ας den dorischen Genetiv auf α_ die von Verba perispomena abgeleiteten, also: πατραλοίας, μητραλοίας, Vater-, Muttermörder (von ἀλοῶ); ὀρνιθοθήρας, Vogelsteller (von θηρῶ), ferner mehrere dialektische und ausländische Eigennamen auf ας mit vorhergehendem Konsonanten, als: Ὕλας, G. Ὕλᾶ, Σύλλας, G. Σύλλᾶ, Σκόπας, Ἀννίβας. Hiervon zeigen indes die attischen Inschriften fast nichts (s. Meisterhans 94^{2}): Ἀμύντας Ἀμύντου, Ἀρύββας Ἀρύββου, Ἀρχέλας Ἀρχέλου;38) für ὀρνιθοθήρα u. s. w. mangeln auch bei Schriftstellern alle Belege (ὀρνιθοθήρου Schol. Ar. Nub. 733). Die Eigennamen auf ας purum haben auch später in der Regel ου, als: Παυσανίας, ου; ebenso auch die meisten sonstigen und gerade die berühmtesten, als: Ἀρχύ̂τας, Βρασίδας, Πελοπίδας, Πυθαγόρας, Λεωνίδας, Ἐπαμεινώνδας. Luc. Tim. c. 2 bildet von μανδραγόρας, Alraun, μανδραγόρα; endlich bilden so später die Kontrakta auf ᾶς, als: βορρᾶς, Δημᾶς, , während attisch βορροῦ Aristonymos com. (Kock, frg. com. I, p. 669). Die Tragiker bedienen sich des dor. Gen. auf α_ in den, lyrischen Stellen. Aesch. Sept. 725 Οἰδιπόδα; ebenso S. Ant. 380. Eur. Alc. 463 Ἅιδα. Hel. 666 νεανία. Andr. 486 στρατηλάτα Μενέλα; so auch (in der Parodie) Ar. Nub. 336 ἑκατογκεφάλα.

Die ionische Genetivendung εω der Mask. auf ης (s. § 104, 2) hat sich auch in der attischen Mundart bei ionischen oder durch Ionier den Athenern bekannt gewordenen Eigennamen erhalten, als: Θαλέω Plat. Civ. X, 600, a (Accent Herodian I, 408, 19; Θαλοῦ erst b. Spät.) v. Θαλῆς, Τήρεω Thuc. 2.29 v. Τήρης (aber Xen. An. 7, 5, 1 Τήρου), Πυθέω ibid. v. Πυθῆς, Λέσχεω v. Λέσχης, Ἄττεω v. Ἄττης, Καμβύσεω Xen. Cyr. 1, 2, 1, v. Καμβύσης, Κυαξάρεω 1. 6, 9, v. Κυαξάρης.39)

Der Vokativ derer auf ης geht in folgenden Fällen auf α aus:

a) bei allen auf της, als: τοξότης, V. τοξότα^, προφήτης, V. προφῆτα: über den Accent v. δέσποτα s. § 107, 1;

b) bei allen Kompositis auf -μέτρης, -πώλης, -τρίβης, als γεωμέτρης, V. γεωμέτρα^, μυροπώλης μυροπῶλα, παιδοτρι?́βης παιδοτρι?́βα^.

c) bei den Völkernamen auf ης, als: Πέρσης, Perser, V. Πέρσα^, Σκύθης Σκύθα; alle übrigen haben im Vok. η, als: Πέρσης (Hesiods Bruder), V. Πέρση. Vgl. Herodian L. II, 690 f., wo als Verstoss aus Heraklides ἐν τοῖς περὶ χρησμῶν das Orakel angeführt wird: Πέρση ποικιλόδιφρε (Volksname); weiterhin wird angemerkt: λάγνα^ b. Eubulus (fr. 55 K.) v. λάγνης; ferner πυραῖχμα (Πυραῖχμα) v. πυραίχμης (Πυραίχμης), μεναῖχμα (Μεναῖχμα) v. μεναίχμης (Μεναίχμης). Bei den späteren Epigrammendichtern wird dieses α des Vok. oft lang gebraucht, als: πλάστᾶ, τεχνίτα.40)

Der dorische Gen. Pl. auf ᾶν wird auch von den Tragikern in den Chorgesängen und lyrischen Stellen, sowie von Komikern in Parodien gebraucht, als: Eur. Ph. 316 τέρψιν παλαιᾶν λάβω χαρμονᾶν. Hec. 916 μολπᾶν. Ph. 1718 Θηβαιᾶν παρθένων (v. Θηβαῖος, αία). Ar. Nub. 339 κεστρᾶν, μεγαλᾶν, ἀγαθᾶν, κιχηλᾶν. Eur. Med. 1263 κυανεᾶν πετρᾶν S. OC. 127 τᾶνδ᾽ ἀμαιμακετᾶν κορᾶν. 1248 ἐννυχιᾶν ἀπὸ Ῥιπᾶν. Ar. Nub. 335 ὑγρᾶν Νεφελᾶν στρεπταιγλᾶν. 338 δροσερᾶν Νεφελᾶνber den Accent der barytonen Adj. s. § 102, 3).

Anmerk. 4. Nach den gegebenen Paradigmen werden die Adjektive Einer Endung auf ας und ης dekliniert, als: ἐθελοντής, G. ἐθελοντοῦ, μονίας, G. μονίου.(Smyth 216)

106. Quantität der ersten Deklination.

Das α im Nominative ist