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165. Bemerkungen zu dem § 164.

Über den veralteten Nominativ des Pronomens der 3. Person: , s. § 167, 1. Über die Inklination vieler Formen dieser Pronomina s. § 88. Den Alten folgend müssten wir auch in der attischen Poesie und Prosa die Kasus von ἡμεῖς und ὑμεῖς inklinieren, was aber thatsächlich von den Herausgebern nur selten und fast nur da geschieht, wo augenscheinlich die Endung verkürzt ist. Dies ist bei Sophokl. in ἧμιν und ὗμιν oft der Fall, einige Male auch bei Aristophanes (Av. 326. Lys. 124. Plut. 286); s. über ersteren Ellendt, L. S. unt. ἐγώ und σύ. Andererseits findet sich ἡμῖν ὑμῖν nicht nur in der Orthotonierung gemessen, sondern auch wo das Pronomen irgend welchen Nachdruck nicht zu haben scheint und auch nicht am Versanfang steht, s. S. El. 255. OR. 631. Aristoph. Ach. 85. Nub. 427 u. s. w.; es steht auch einem inklinierten ἥμῖν nichts entgegen (vgl. ἥμων), so wenig wie einem orthotonierten ἡμι?́ν ἁμι?́ν (A. Eum. 347). Für ἧμα^ς ὗμα^ς giebt es bei den Attikern keine Beweisstelle; ἡμᾶς als Spondeus unbetont z. B. S. Phil. 963. El. 975.

Das Pronomen der dritten Person: οὗ u. s. w. hat neben der reflexiven Bedeutung auch die des Personalpronomens 3. Person: ejus, ei, eum, eam, id, ii, eae, ea, eorum, earum, eis, eos, eas, ea. In beiden Bedeutungen wird es in der epischen Sprache häufig gebraucht, in der attischen aber schwindet es überhaupt, indem die Attiker als Pronomen der 3. Person das Pronomen αὐτός, αὐτή, αὐτό, er, sie, es, is, ea, id, und als reflexives Pronomen das zusammengesetzte ἑαυτοῦ, ῆς, οῦ anzuwenden pflegen. S. Synt. § 455. Am häufigsten waren in der attischen Prosa die Pluralformen in indirekt reflexiver Bedeutung (auf Inschriften und bei Thucyd. ausser dem Nom. auch noch in direkt reflexiver: σφεῖς u. s. w.; den Gen. S. οὗ gebraucht (als indir. Reflex.) nur S. OR. 1257 und Plato, und zwar orthotoniert, Symp. 174, d. Civ. 617, e, 614, b; Akk. gleichfalls nur Pl., und zwar orth. Civ. 617, e. Symp. 175, a u. c. 223, b, enkl. Civ. 327, b; Dat. οἷ kommt ziemlich häufig vor, meistens enkl., bei den Dramatikern selten und fast nur enkl. = ei, wie Aesch. Ag. 1118, einigemal bei Soph., s. Ellendt L. S. unt. (indir. Refl. enkl. OC. 1630), orth (indir. Refl.) Eur. El. 924. Xen. Hell. 7. 1, 38. R. Ath. 2, 17. P. Symp. 174e. Aber schon die nachfolgenden Attiker (Isokrates, Demosthenes u. s. w.), dazu sämtliche Komiker (ausser in der Parodie, Kratin. 241 K. τέ οἱ) gebrauchen dieses einfache Pronomen gar nicht.1)

Den dor. Nom. ἐγών gebraucht Aesch. Pers. 931 vor e. Vok. (nach dem Medic. auch Suppl. 740 am Ende des Trim.). Der ep. Genetiv Sing. σέθεν kommt häufig bei den Tragikern vor, als: Aesch. S. 141. 264 u. s. (s. Wellauer, L. A. II. p. 243, Dindorf, Lex. Aesch. p. 336), oft b. Soph. (s. Ellendt, L. S. p. 698^{2} u. σύ); ἕθεν Aesch. Suppl. 67.

Die dorische Akkusativform νίν (enkl.) gebrauchen auch die Tragiker sehr oft in der Bdtg. eum und eam, seltener id, z. B. Aesch. Ch. 542. Soph. Tr. 145, eos Aesch. Suppl. 729. S. OR. 868. Eur. Suppl. 1140, eas S. OR. 1331. OC. 43. Eur. Bacch. 32. 988, ea κρύψον νιν (sc. κτερίσματα) S. El. 436. 624; A. Pr. 55. — Die ionische Akkusativform μίν (enkl.) ist auch bei Aesch., wo die Hdschr. sie zuweilen bieten, von den Hsg. beseitigt: S. 453. Ch. 622. 791. Eum. 631; ebenso S. Trach. 388. Die lesb. Form ὔμμ̓ (ὔμμε) findet sich b. Aesch. Eum. 620 (Trim.) und S. Ant. 846 (mel.), die lesb. ἄμμι A. S. 156 (ch.), die dor. ἁμι?́ν (orthot.) Eum. 347 (ch.).

Die dorischen und ionischen Pluralformen σφίν, [σφί], σφέ (enkl.) = eis, eos, eas werden auch von den Tragikern gebraucht,2) und zwar σφίν z. B. Aesch. Pr. 252. 457, σφί nur S. OC. 421 (ohne Var., Elmsl. σφιν, welches der Vers verträgt) u. Eur. M. 398 b. Brunck nach cdd. (Var. σφιν, das die neueren Hrsg. aufgenommen haben, vgl. Elmsl. 393); σφίσιν orthot., eis, nur Aeschyl. Pr. 481. S. OC. 59 (indir. Reflex.) El. 1070 (cdd. ὅτι σφίσιν ἤδη, die neueren Hrsg. mit Schaefer: ὅτι σφὶν ἤδη); auch σφέ = eos, eas, häufig; weit seltener σφάς, enkl., eos, eas (in d. cdd. zwl. auch σφᾶς orthot., s. Elmsl. ad Eur. M. 1345. Ellendt, L. S. u. ), Aesch. Pr. 441 ὥς σφας. S. Ant. 128 καί σφᾶς Anap. Ai. 839 καί σφας κακούς. OR. 1470 δοκοῖμ̓ ἔχειν σφᾶς (cd. Pal. σφὰς). 1508 οἴκτισόν σφας (so Laur.). OC. 486 ὥς σφας. Eur. M. 1378 ἐπεί σφας. Zweitens gebrauchen die Tragg. σφίν und σφέ mit der Singularbedeutung ei, eum, eam, und zwar σφέ oft, σφίν aber selten: Aesch. P. 759. S. OC. 1490. Endlich scheint bei A. Pers. 807 (Sept. 927) σφιν als Akkusativ = αὐτούς zu stehen. Aristophanes gebraucht diese Formen nicht, nur Eq. 1020 steht σφέ in einem Orakelspruche.

Besondere Bemerkungen über die drei Personalpronomina.

1 S. die gründliche Erörterung von C. F. G. Arndt in dem Progr. Neobrand. 1836, p. 38 sqq. Die att. Inschr. weisen σφῶν und häufig σφῶν αὐτῶν (§ 168, 1) nur bis z. J. 395 auf, während die Singularformen das. überhaupt noch nicht gefunden sind, Meisterhans, Gr. der att. Inschr. 120^{2} f. (Schmolling, Progr. Stettin Mariengymn. 1882).

2 Vgl. Ellendt, L. S. p. 330^{2}, u. ; Dindorf, L. A. p. 161; Eichler de form. epic. in trag. Aesch. atque Soph. usu p. 23 ff.; van Leeuwen, Mnemos. N. S. XIII, 405 ff.

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