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174.

In der griechischen Sprache mischen sich einigermassen die Formen für das Demonstrativ und Relativ, wie auch im Deutschen der die das beide Funktionen übernimmt; kommen doch auch im Gebrauche das ἄρθρον προτακτικόν, d. i. der Artikel , und das . ὑποτακτικόν, d. i. das Rel. ὅς, ausserordentlich nahe aneinander heran: οἱ ἄνδρες οἱ ὄντες ἐν τῇ οἰκίᾳ und οἱ ἄνδρες οἵ εἰσιν ἐν τῇ οἰκίᾳ. Doch hat gerade die attische und gemeine Sprache das alte Relativum gesondert bewahrt: ὅς = sanskr. jas jâ jad, und erst in den Dialekten zeigt sich die Mischung.

Singularis. Pluralis. Dualis.
Nom. ὅς, qui , quae , quod οἵ αἵ [ἅ,]
Gen. οὗ ἧς οὗ ὧν ὧν ὧν οἷν [αἷν,] οἷν οἷν
Dat. οἷς αἷς οἷς οἷν [αἷν,] οἷν οἷν
Akk. ὅν ἥν οὕς ἅς [ἅ,]

Anmerk. 1. Über den Dual des Fem. vergl. § 172, Anm. 2.

In betreff der Mundarten ist Folgendes zu bemerken: Bei den lesbischen Dichtern finden sich folgende Formen: Alc. 5. 49 Bergk (? eher Artikel). τό Sapph. 2, 5. τᾶς 85. τᾶν Alc. 15. τά 83. ταίς 85 u. a. m.; auf der älteren lesbischen Inschrift 2166 (D.I-. 214), 28. 44 ταῖς und τά; aber ἄν (= ἥν) Sapph. 99, wie auch auf jüngeren Inschriften fast nur die gewöhnlichen Formen ὅς u. s. w. (Asper in ἐφ᾽ οἷσιν, καθάπερ u. s. w.!) vorkommen.1Schwanken ist ferner in den böot. Inschriften (Meister, Dial. I, 275); die thessalischen bieten καττά, καττάπερ; die arkadischen ὅπερ = ὅσπερ, τό, τά, D. ταῖ; die kyprischen τόν, f. ὅς, Pl. οἵ vergl. Art. οἱ. Auch die dorische Mundart gebrauchte häufig den Artikel als Relativ2); so z. B. Epicharm τόν, τοί, τάς, τά neben ὅν, ἅν, , οἵ, ὧν, αἵτε, ἅπερ; die Inschriften haben meistenteils die gewöhnlichen Formen (so insbes. die Gortyn. Tafeln), doch auch zuweilen die Formen des Artikels mit τ, als: τόν, τά, τῶν auf den Herakl. Tafeln. Eine Spur des demonstrativen Gebrauchs von ὅς (vergl. Synt. § 518, 3. 4) bei den Doriern findet sich auf tab. Heracl. 1, 81 in μέν δέ in der Bedeutung teilsteils. In der altionischen (Homerischen) Sprache werden gleichfalls ( σφιν Il. a, 73. π, 835) τό und ὅς neben einander gebraucht; über den Gen. ὅο s. § 100, 3; ἕης st. ἧς Il. π, 208.3) (Demonstr. ὅς in οὐδ᾽ ὅς, καὶ ὅς, ὃς γάρ u. s. w. bei Homer häufig; auch γάρ für τὸ γάρ, Il. m, 357. ψ, 9, Od. ω, 190; s. § 172, Anm. 1.)

Herodot gebraucht in den geraden Kasus stets ὅς, , τό, οἵ, αἵ, τά, in den obliquen bald die Formen ohne bald die mit τ.4) Die einzige Stelle, wo () ohne Variante statt τό gelesen wird, ist 2, 113 καὶ νῦν ἐστι, wo man mit Struve τό herstellen muss. In den obliquen Kasus werden die Formen mit τ gebraucht, wo keine Präposition vorangeht. Nur an sehr wenigen Stellen dieser Art finden sich die anderen Formen ohne Variante, wie 2, 81 οὓς καλέουσι, 5, 6 οἷςι) αὐταὶ βούλονται. 2, 118 Πρωτεύς. 1, 109 οὐκ und ἧς νῦν. 1, 39 ἣν σὺ φοβέαι. 3, 140 ἐγώ; auch an solchen Stellen wird von den Neueren korrigiert. Wenn aber dem Relative eine Präposition vorangeht, so stehen die Formen von ὅς bei den Präpositionen, welche apostrophiert werden können, als: ἀντ᾽ ὧν, ἀπ᾽ οὗ, ἀπ᾽ ἧς, ἀπ᾽ ὧν, δι᾽ οὗ, ἐπ᾽ ἧς, κατ᾽ ἥν, κατ᾽ (gewöhnlich κατά, κατάπερ geschrieben), μετ᾽ ἧς, παρ᾽ ὅν, ὑπ᾽ ὧν u. s. w.; nur sehr wenige Stellen,

Kühners ausführl. Griech. Grammatik. I. T. in denen überdies die Lesarten schwanken, weichen davon ab, wie 9, 11 ἐπὶ τήν v. l. ἐπὶ ἥν. 7, 217 ὑπὸ τῶν v. l. ὑπ᾽ ὧν. Bei den Präpositionen aber, welche nicht apostrophiert werden können, stehen die Formen mit τ, als: τῆς πέρι, σὺν τοῖσι, πρὸς τούς oder τούσπερ, πρὸς τοῖσι, πρὸς τά (aber 4, 200 πρὸς ), ἐν τῷ, ἐν τῇ, ἐν τοῖσι, ἐν τῇσι (aber ἐν 5, 16. 49. 6, 97, und stets ἐν in der Bedeutung während, wie 1, 164 und sonst oft), ἐς τόν, τήν, τό, τούς, τά (aber ἐς οὕς 2, 95, ἐς 5, 91. 8, 60 und stets ἐς und (aber sehr selten) ἐς οὗ5) in der Bedeutung bis dass, wie 1, 93 und sonst oft, ausserdem steht auch ἐς in der Bedeutung von ἐς ὅσον, bis wie weit, 4, 56. 71. 7, 50), ἐκ τοῦ, τῆς, τῶν (aber auch ziemlich oft ἐξ οὗ, ἧς, ὧν). Stets steht μέχρι οὗ und ἄχρι οὗ. Was über ὅς gesagt ist, gilt auch von ὅσπερ; aber statt der Formen von ὅστις treten nie Formen mit τ ein, und nur 1, 90 wird in den Handschriften fehlerhaft τήντινα statt ἥντινα gelesen. In den Fragmenten der ionischen Philosophen sowie in den ionischen Inschriften sind die Formen den attischen entsprechend (nur Demokrit 188 τῶν ἂν δέῃ); bei den ionischen Dichtern finden sich beiderlei Formen. Renner, C. Stud. I, 2, 10 ff. Bei Hippokrates herrscht ebenfalls der attische Gebrauch, indes finden sich Spuren des andern (s. Gomperz, Apologie d. Heilkunst 78 f.): VI, 476 L. τὰ zweimal nach θ. 480 διαίτῃ τῇπερ ἄνθρωπος nach θ statt des korrupten τῇ περὶ τὸν ἄνθρωπον. 486 wieder τὰ. IX, 84 τοῖσιν zweimal. I, 586 τῶν nach A. V, 202 τῇσι nach A. Umgekehrt οἷσι μὲν .. οἷσι δέ statt τοῖς μὲν .. τοῖς δέ VI, 610 (ὁτὲ μὲνὁτὲ δὲ VIII, 324).

Anmerk. 2. Nach dem Vorgange Homers (Nr. 2) gebrauchen die Tragiker zuweilen die mit τ anlautenden Formen des Artikels, als: τό, τῆς, τόν, τήν (τάν), τῶν, τούς, τά statt des Relativs.6) Auch auf att. Inschriften (doch nicht Staatsurkunden) kommt dieser Gebrauch vereinzelt vor, Meisterhans p. 123^{2}. Vergl. Synt. § 460, 2.

Anmerk. 3. Auf den Gortyn. Tafeln findet sich zu ὅς das abgeleitete Pron. ὄτερος, welcher von beiden (vergl. πότερος), s. Jahrb. f. Phil. 1885, S. 479. Mus. Ital. II, 1, 174.

Anmerk. 4. Über das unbestimmte Relativum ὅστις s. §§ 175, 176.(Smyth 338)

1 S. Ahrens, Dial. I, p. 127; Meister, Dial. I, 168.

2 S. Ahrens l. d. II, p. 275.

3 Curtius, Erläut. S. 74 findet in dem ε von ἕης einen Vertreter des ursprünglichen j (sk. jăs, jâ, jăd), wogegen zu erinnern ist, dass sonst in diesem Worte das j in den Spir. asp. übergeht. Andere sehen eine Missbildung darin, nach Analogie von ἑῆς neben ἧς, G. Meyer 400^{2}.

4 S. Struve, Quaest. de dial. Herod. p. 7 sqq.

5 Wegen des seltenen Vorkommens des ἐς οὗ, und zwar meist mit d. Var. ἐς , ist Struve l. d. p. 43 der Ansicht, dass dieses ἐς οὗ überall in ἐς zu verändern sei, sowie auch ἕως οὗ 2, 143. S. p. 44.

6 S. Ellendt, L. S. II, p. 202 (485^{2}); Hahn, Progr. Salzwedel 1846, p. 6 sqq.

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