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23. Interaspiration oder die Aspiration in der Mitte der Wörter.

In dem Gebrauche des rauhen Hauches in der Mitte der Wörter sind zwei Fälle zu unterscheiden: a) der rauhe Hauch ist in einfachen Wörtern Vertreter eines geschwächten ς; b) er erscheint in zusammengesetzten Wörtern. Der erstere Fall gehört nur einigen Mundarten, der letztere der griechischen Sprache überhaupt an.

Dass das ursprüngliche ς als Anlaut vor Vokal und als intervokalischer Inlaut bei allen Griechen sich in der Regel in den Spiritus asper verwandelt bezw. ausfällt, haben wir § 15 gesehen; einige dorische Stämme aber, nämlich die Lakedämonier und Argiver, vereinzelt auch die Eleer und (nach den Glossen, weniger nach den Inschriften) die Kyprier verwandeln das von anderen Stämmen zwischen Vokalen (die Kyprier auch das im Anlaut) zurückgelassene ς in den Spiritus asper.1) Der ältere Lakonismus, wie der des Dichters Alkman, scheint diesen Gebrauch noch nicht zu kennen; Alkman sagt μῶσα. Aber recht früh, jedenfalls lange vor Aristophanes, trat diese Verflüchtigung ein. So findet sich auf Inschriften regelmässig: ἐποιεἑ, d. i. ἐποίηἑ st. ἐποίησε, Ποοἱδάν Ποσειδών, Ἁγηἵστρατος; in junglakon. Inschriften ohne geschriebenen Spir. σαάμων, d. i. σαἅμων st. σησάμων, Σώανδρος = Σώσανδρος; in der Lysistrata des Aristophanes: μῶα (d. i. μῶἁ) st. μῶσα, att. μοῦσα, πᾶα = πᾶσα, ἐκλιπῶα = ἐκλιποῦσα, ὅρμαον = ὅρμησον u. s. w.; nur in wenigen Wörtern findet sich in diesem Stücke ς, wie in παυσαίμεθα, und jedenfalls mit Recht da, wo ς aus einem T-Laute + ς entstanden ist: πείσομες v. πείθ-ω. Argivische Inschr. bieten Θράϋλλος (C. J. Gr. 1120), ἐποίϝεἑ, u. a. m. Das Auffallendste sind zwei lakonische Aufschriften eines Grenzsteines (Röhl J. Gr. ant. Add. nova p. 184): Διοἱ̈κέτα | Διολευθερί[ο], d. i. Διὸςἱκέτα, Διωλευθερίω m. Kontraktion aus Διοςελ. — Aus dem Atticismus wird das Wort ταὧς, entstanden aus ταϝῶς (lat. pavo), sicherlich ein Fremdwort, von den Grammatikern Tryphon und Seleukos b. Athen. p. 397, e. u. 398, a. als einziges Beispiel eines inlautenden Asper angeführt; im übrigen spreche man λεὤς, νεὤς, βαιὄς, θοὄς u. s. w. Doch kommen noch hinzu die Interjektionen εὐοἵ, εὔἁν, εὐαἵ, Herodian Ι, 547; Apollon. Synt. p. 319.

Kühners ausführl. griech. Grammatik. I. T.

In zusammengesetzten Wörtern wird auf altattischen Inschriften der Asper in der Mitte des Wortes zuweilen ebenfalls bezeichnet,2) als: ΑΗΟΡΙΟΣ ἀὥριος, ΕΝΗΙΔΡΥΕΣΘΑΙ, προσἡκέτω, εὔὁρκον (att. Inschr.), ebenso meistens auf den Herakleischen Tafeln.3) Dazu stimmt auch die lateinische Umschrift, als exhedra (exedra), Panhormus, parhippus, Euhemerus; der Spir. erlosch also jedenfalls in der Aussprache nicht. Auch die alexandrinischen Grammatiker bedienten sich bei zusammengesetzten Wörtern derInteraspiration”, wie Eustath. ad Il. p. 524, 2 berichtet, machten indes ihre Ausnahmen und Vorbehalte.4) Aristarch unterschied die wirklich aus zwei Begriffen zusammengesetzten und die (der Bedeutung nach) nur abgeleiteten Wörter durch den Spiritus, indem er die ersteren, da sie die Bedeutung zweier hätten, mit dem Asper, die letzteren, da die Bedeutung des zweiten Teils zurücktrete, mit dem Lenis schrieb. So ὠκύἀλος νηῦς, weil der Sinn von ἅλς nicht gefühlt werde und das Beiwort einfach gleich ὠκεῖα sei; ebenso ταλαύῤινος (κοτυλήῤυτον Il, ψ, 34, weil von ἀρύω, nicht von ῥέω). Darnach unterblieb also die Aspiration auch in Eigennamen (Ptolem. Ascal. Herodian. II, 48 L.; Ael. Dionys. schol. Il. ο, 705), als Εὐρύἀλος, Ἀγχίἀλος, Φίλἰππος (aber φίλἱππος), Μελάνἰππος; doch hebt Herodian als Gegeninstanz Πάνὁρμος und den Eigenn. Ἔφιππος hervor. Die Sache wird dennoch eine gewisse Richtigkeit haben, da es ja auch Λεύκιππος, Γλαύκιππος u. s. w. heisst, während wo das Wort ἵππος als solches gefühlt wird, der Spir. nicht wegbleiben kann, ausser in altüberlieferten poetischen Worten wie λεύκιππος. Ἔφιππος aber ist das zum Eigennamen gemachte Adjektiv ἔφιππος. — Irrig ist Gieses (S. 333) Meinung, dass der Spiritus in der Elision (ausser bei Tenues) verschwunden sei; denn hiergegen zeugen nicht nur die Grammatiker (πάρἁλος), sondern auch auf att. Inschriften die Schreibung ΠΑΡΗΕΔΡΟΙ, wiewohl gemäss der Seltenheit derselben anzunehmen ist, dass der Spiritus in diesem Falle noch weniger als sonst gehört wurde. In Fällen, wie ὕφαλος, δεχήμερος u. s. w., hat die Tenuis die Aspiration aufgenommen. — Nach den Scholien ad Dionys. in Bekkeri An. II. p. 693 setzten die alten Grammatiker (d. h. die Alexandriner) auch in der Mitte eines einfachen Wortes über ρ mit vorangehender Aspirata den Asper und über ρ nach Tenuis den Lenis, als: χῥόνος, ἀφῥός, θῥόνος; Ἀτῤεύς, κάπῤος.

1 S. Giese, Aeol. D., S. 309 ff.; Ahrens, Dial. II, p. 74 sqq.; Meister, Dial. II, 249.

2 Meisterhans, Gr. d. att. Inschr. 67^{2}, der aber irrtümlich sagt, dass die Aspiration im Wortinnern von den alten Attikern gewöhnlich bezeichnet werde. Die eine Inschr. Dittenb. 13 bietet neben ἐνἱδρύεσθαι zwei Beispiele der Nichtbezeichnung: ἡμιέκτεων und ἐ[ση]γήσωνται.

3 Auch arkadisch (§ 22, 6) Παρηεταξαμένος, woraus sich ἑτάζω (ἐτάζω Herodian II, 243) ergibt.

4 S. Lehrs, de Aristarchi stud. Hom., p. 300—325^{3}; Giese, Aeol. D., S. 327 ff.; Spitzner ad Il. ο, 705; La Roche, Hom. Textkr., 416 ff.; von Bamberg, Zeitschr. f. Gymn.-W. XXXI, Jahresber. S. 2.

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