previous next


39. Abschwächung und Verkürzung der Vokale.

Von der Abschwächung der Wurzelvokale bezw. Wurzelsilben in der sog. schwachen Wurzelform haben wir § 36 f. gehandelt. In den Flexionssilben, die in anderen Sprachen ganz besonders unter allmählicher Abschwächung leiden, hat im Griechischen derartiges weit weniger Platz gegriffen. Hervorzuheben ist in der I. Dekl. die Verkürzung des langen α im Plural u. Dual: τιμα^ί, τιμα^ῖς (ion. aber τιμῇσι, u. so od. τιμῆσι altattisch), τιμάς aus τιμα?́νς, indem aus τιμά̂νς τιμήνς hätte werden müssen, τιμα^ῖν. Vereinzelt δύο aus δύω (böot. auch ὀκτό). In der III. Dekl. ist att. ναῦς verkürzt gegenüber Homerischem νηῦς; in ναυσικλυτός u. dgl. hat auch Homer α^. Bei den Verba auf -μι u. auch sonst in der Konjugation pflegt vor dem ντ) der III. Plur. der Nebentempora, desgl. vor dem ντ des Participiums u. der III. Plur. Imperat. ein in der übrigen Flexion langer Vokal verkürzt zu werden, z. Bsp. von ἔστην III. Plur. dor. ἔστα^ν; Imp. στάντων, Partic. στάντος, Aor. Pass. III. Pl. -θεν dor., Imp. -θέντων, Ptc. -θέντος. Desgl. vor dem ι des Optativs, als στα^ίην, -θείην. Also in der Deklination wie in der Konjugation liess man da gern Erleichterung eintreten, wo die Silbe durch doppelte Konsonanz oder durch Diphthong so wie so lang war. Vgl. G. Meyer, S. 288^{2}, J. Schmidt, K. Z. 23, 282, der in στάντων u. s. w. urspr. Kürze erhalten sein lässt. Indes ist dies keineswegs immer geschehen: vgl. λέγωντι λέγωσι, τετίμηνται, lesb. προνόηνται = προνοοῦνται u. s. w. — Ein besonderer Fall ist das ion. ἑσσοῦν von ἥσσων, von Stein (Herod. praef. LXXIV) mit νοσέειν von νοῦσος (§ 27ου u. ο) verglichen; dagegen ἕσσων (z. Bsp. Hdt. 8.113 Aldina) hat in der Überlieferung keine Gewähr.

Innerhalb des Wortes (und auch in der Flexion) unterliegt Vokal vor Vokal und besonders Diphthong (mit ι) vor Vokal in starkem Masse der Verkürzung. S. darüber oben § 27 α^ u. αι u. s. w.; unten § 75, 13. § 214, 7. So ist auch im Gen. der II. Dekl. aus οιο οο ου hervorgegangen. Auch die Diphthonge unterliegen dieser Verkürzung, durch die nicht nur das ι wegfällt, wie in Ἀμφιαρᾶον Meisterhans, Gr. d. att. Inschr. 25^{2} (πρᾶος das. 50), λῶον σῶος σωῶ (d. i. σωιῶ von σωίζω) θωά ion. θωιή, das. 52, sondern auch der erste Vokal kurz werden kann: att. Inschr. θοάσει d. i. θωιάσει von θωιά, C. I. A. II, 841, 14 (Meisterhans 52^{2}), Ποσιδεών aus Ποσιδηιών. So auch anscheinend ῥεῖα ῥέα Homer nb. ῥήϊα Nic. Alexiph. 315 (cod. P) u. Hesych.1) (s. Heep, Qu. Callimacheae 33) u. ῥηί̂διος. H ohne ι ist zu ε geworden in ἠχέεντα Archiloch. 74, 8, χαιτέεσς᾿ Semonid. 7, 57, vgl. Herodian II, 920 f. κατα᾽ συστολὴν ποιητικὴν ἠχέεις, βρωμέεις; in λεϊστή Il. ι, 408 vgl. ληΐζομαι. (Smyth 39)

1 Ῥέα ist bei Homer oft einsilbig, nach Ahrens Ῥᾷ (Hannover 1873) wohl immer. Ῥήϊα bei Hippokr. II, 627 K. = VIII, 33 L. hat der besseren Lesart ῥηΐζει zu weichen.

hide Display Preferences
Greek Display:
Arabic Display:
View by Default:
Browse Bar: