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54. E. Elisio inversa oder Aphäresis.S. Lobeck de usu apostrophi p. 34 sqq. Ahrens l. d. p. 21 sqq.

Der eben behandelten Elision steht die Elision entgegen, welche darin besteht, dass wenn auf ein mit einem langen Vokale oder Diphthongen endigendes Wort ein mit einem kurzen Vokale anlautendes Wort folgt, dieser abgeworfen und durch den Apostroph bezeichnet wird. Man nennt diese Elision Aphäresis (ἀφαίρεσις); sie dürfte aber richtiger Elisio inversa, wie Attractio inversa, benannt werden. Während bei der gewöhnlichen Elision die Schlusssilbe des ersten Wortes wenig Gewicht hat, so findet bei der invertierten Elision gerade das Gegenteil statt, indem die Anfangssilbe eine schwache ist. Auch in dieser Elision muss man wie in der gewöhnlichen den elidierten Vokal nicht stets als einen gänzlich verschwundenen ansehen, sondern vielfach nur als einen abgeschwächten; auch sie ist in demselben Sinne, wie die gewöhnliche, als eine Verschmelzung zweier auf einander folgenden Wörter zu betrachten. Vgl. § 53, 2. Die Interpunktion steht ihr ebenso wenig wie der gewöhnlichen entgegen. Soph. Ph. 591 λέγω: ᾿πὶ τοῦτον. Eur. Rhes. 157 ἥξω: ᾿πὶ τούτοις. Ar. Nub. 1354 ἐγὼ φράσω: ᾿πειδὴ γὰρ εἱστιώμεθ̓, ὥσπερ ἴστε. Auch in dem Falle, wenn ein Vers mit einem langen Vokale oder Diphthongen schliesst, und der folgende Vers mit einem Vokale anhebt, kann die Aphäresis eintreten, falls man das Fehlen des Augments bei den Tragikern in einer Reihe von Beispielen so zu erklären hat, als: ἄνω Φ̓ορεῖθ̓ S. El. 715, s. § 199, 5. Von der Krasis ist die Aphärese durchaus zu unterscheiden, obwohl Manche, wie Buttmann und G. Meyer, beides zusammenwerfen, und obwohl in einer Reihe von Fällen wirklich nicht entschieden werden kann, ob Krasis oder Aphäresis vorliegt. Aber λέγωπὶ, mit Interpunktion dazwischen, ist klärlich etwas unmögliches; ebenso μόχθουπικουφίζουσαν (Eur. El. 72). Formwörter können ihre Selbständigkeit durch Kontraktion (Krasis) verlieren; darüber hinaus ist höchstens etwas wie τύχἀγαθῇ, d. i. bei einer ganz engen und häufigen Verbindung gestattet, und es kann anderweitig nur die halbe Verschmelzung durch Elision eintreten.

Die Aphärese tritt am häufigsten nach μὴ und ein, wo man indes auch Krasis annehmen kann,2) und betrifft am häufigsten das ε, besonders das des Augments, sodann der Präpositionen wie ἐπί, auch der Pronomina wie ἐγώ. Ausserdem tritt Aphärese bisweilen bei ἀπό ein; ι, ο, υ werden nie davon betroffen. — Bei Homer findet der Gebrauch dieser Elision noch nicht statt; in älteren Ausgaben wird sie an einigen Stellen gelesen, wo man aber jetzt die Wörter voll ausschreibt und Synizese annimmt. Il. a, 277 μήτε σύ, Πηλείδη, ἔθελ᾽ ἐριζέμεναι βασιλῆϊ wollte Aristarch, weil Homer stets ἐθέλω und nicht θέλω gebraucht habe, schreiben: Πηλείδήθελ̓,3) was auf Krasis oder Aphärese herauskommt. Bei den dorischen Lyrikern kommt sie nicht vor; was bei ihnen als Aphäresis geschrieben wird, als: ᾿νασσα u. s. w., ist als Krasis zu schreiben, s. § 51, 7. Bei den äolischen und ionischen Lyrikern findet sie sich gleichfalls nur sehr selten, und zwar nur bei folgendem ἐπί, als: Sapph. 2, 15 ὀλίγω ᾿πιδεύσην, Anakr. fr. 23 Bergk ἐκ ποταμοῦ ᾿πανέρχομαι. Bei den Tragikern dagegen ist sie sehr häufig, und zwar a) Einmal bei ἐθελοντής, b) oft bei den Augm. syll., c) sehr oft bei ἐπί, selten bei ἐͅξ, ἐν und ἀπό, d) bei ἐγώ. Alles andere verträgt die Auffassung als Krasis. a) κἀγὼ ᾿θελοντής S. Aj. 24; v. ἐθέλω u. ἐκεῖνος kann die Aphäresis bei den Tragikern nicht vorkommen, da sie auch θέλω und κεῖνος gebrauchen; über κεῖνος in der Prosa s. d. Anm. 2; — b) Aesch. S. 608 παγκοίνῳ ᾿δάμη. P. 310 κυκώμενοι ᾿κύρισσον. 490 πλεῖστοι ᾿θάνον. S. Aj. 962 μὴ ᾿πόθουν. Aj. 739 ᾿φάνην. Ph. 360 ἐπεὶ ᾿δάκρυσα. 369 ᾿τολμήσατε. OC. 1608 πεσοῦσαι ᾿κλαῖον. OR. 432 μὴ ᾿κάλεις. Ant. 546 μή ᾿θιγες. Ai. 235 ἔσω ᾿σφάζ̓ ἐπὶ γαίας (Anapästen; man kann auch σφάζ̓ schreiben, und damit verschwindet die Aporie wegen des Accents). 308 κάρᾶ ᾿θώυξεν. 557 ἐξ οἵου ᾿τράφης. 1303 κείνῳ ᾿δωκεν. Tr. 381 Ἰόλη ᾿καλεῖτο. 560 μισθοῦ ᾿πόρευε. 772 δὴ ᾿βόησε. 905 ἐρήμη, ᾿κλαῖε. — c) Soph. Ph. 591 λέγω: ᾿πὶ τοῦτον. OR. 708 ἐμοῦ ᾿πάκουσον. Eur. Suppl. 521 εἰ ᾿πιταξόμεσθα. Rhes. 157 ἥξω: ᾿πὶ τούτοις. I. A. 719 μέλλω: ᾿πὶ ταύτῃ. S. Aj. 49 καὶ δὴ ᾿πὶ δισσαῖς. Aesch. Ch. 161 βέλη ᾿πιπάλλων. Eur. El. 72 μόχθου ᾿πικουφίζουσαν. Cycl. 155 λόγῳ ᾿παινῇς. S. OR. 970 οὕτω δ̓ ἂν θανὼν εἴη ᾿ξ ἐμοῦ. Eur. Andr. 53 οὗ ᾿κτίνειν δίκην. I. T. 955 κἀγὼ ᾿ξελέγξαι. Cycl. 586 ἐγὼ ᾿κ τῆς Δαρδάνου. Aesch. Pr. 741 μηδέπω ᾿ν προοιμίοις; öfter

Kühners ausführl. Griech. Grammatik. I. T.

nach und μή, wo Krasis möglich: S. OR. 112 ᾿ν ἀγροῖς. OC. 400 μὴ ᾿μβαίνῃς u. sonst. Aesch. S. 208 μὴ ᾿ς (μἠςπρῷραν φυγὼν. Eur. Suppl. 639 μακροῦ ᾿ποπαύσω. Soph. Tr. 239 ᾿πὸ μαντείας. — d) S. Ant. 801 ἤδη ᾿γώ. Eur. I. A. 1396 γενήσομαι ᾿γώ. (S. OR. 500 ᾿γώ. Phil. 910 μὴ ᾿γώ. El. 338 ᾿γώ, oft οἲ ᾿γὼ, z. Bsp. Soph. Ai. 803, Aesch. S. 808.) — Ferner schwankend zwischen Krasis und Aphäresis: Eur. I. T. 1322 μὴ ᾿νταῦθα. 1313 ᾿νθάδε. S. Phil. 467 ᾿γγύθεν. Ai. 742 μή ᾿ξωber die Betonung s. § 85, 3; in der scriptio continua μἤξω, wie μἠνταῦθα u. s. w., so dass Krasis und Aphäresis hier thatsächlich ununterscheidbar ist); — S. El. 101 ᾿μοῦ, Ant. 736 ᾿μοί, Eur. Cycl. 187 εἰ μὴ ᾿μοί μόνῳ. S. OR. 1479 ᾿μέ. Ai. 1367 ᾿μαυτῷ. OC. 1365 μὴ ᾿μαυτῷ. Aesch. Prom. 773 ᾿μός; — Soph. Aj. 1400 εἰ δὲ μή ᾿στί σοι φίλον. Ph. 964 ἤδη ᾿στί. El. 309 πολλή ᾿στ᾽ ἀνάγκη. Ai. 733 ποῦ ᾿στι. Ph. 812 οὐ θέμις γ̓ ἐμοί ᾿στι (ἐμοὔστι Elmsley); aber bei den Encliticis μοί u. σοί tritt jedenfalls Krasis ein: μοὔστι, s. § 51; — Aesch. S. 1076 μὴ ᾿νατραπῆναι. Eum. 85, 86 μὴ ᾿δικεῖν, μὴ ᾿μελεῖν, wo die Hdschr. zwischen dieser Schreibung und der scriptio plena schwanken; Nauck belässt die letztere Eur. Heraklid. 459 μὴ ἀμαθεῖ, Bacch. 1072 μὴ ἀναχαιτίσειε; Dindorf kontrahiert zu μἀ, wiewohl doch die Kontraktion den Laut η zu ergeben hat. Man kann aber auch getrennt schreiben wie Nauck und Synizese statuieren.

Anmerk. 1. In der Prosa kommt die Aphäresis in unzweideutigen Beispielen kaum vor. Pl. Rp. 2, p. 370, a ᾿κείνως. Id. Soph. 258, c ᾿κεῖνος, und an sehr vielen anderen Stellen. S. Schneider ad Rp. T. I, p. 154 sq.; Schanz, Proleg. Theaet., p. VI sq. Isokr. Phil. § 36 ᾿κείνας. de Pac. § 115 ᾿κεῖνοι. Dem. Cor. § 178 ᾿κεῖνοι. Ph. I, § 4 ᾿κείνῳ (nach d. cod. Σ). Vgl. Voemel, Dem. Contiones Proleg. § 11. Es ist natürlich hier überall (wenn nicht einfach die Form κεῖνος, § 44, Anm. 3) auch Krasis anzunehmen möglich, ebenso wie in ᾿γὼ (ἠγὼ) Isokr. Panathen. 148. Nach der Endung η Pl. Rp. I, 337, a αὕτη ᾿κείνη. Nach dem Diphth. αι Pl. Phil. 36, d παῖ ᾿κείνου τἀνδρός. Nach kurzem Vokal Pl. Gorg. 520, a περὶ ᾿κείνων (v. l. περὶ ἐκ.). Isokr. Panath. § 78 ᾿κεῖνος (ἁκεῖνος). Dem. Ph. III, 41 ᾿κεῖνοι S, κεῖνοι Voemel, ἁκεῖνοι Dindorf; Rhod. 27 ᾿κείνων S, κείνων Voemel, οὑκείνων Dindorf, was sich nirgends handschr. bei D. findet. Bei Prosaikern ist eben κεῖνος ungewöhnlich; ganz vereinzelt sind Stellen wie Pl. Conv. 219, c καίπερ κεῖνο, v. l. ἐκεῖνο. Hipp. M. 293, c ἔμπροσθεν κεῖνα, der Oxon. fehlt hier. S. Schneider und Schanz ll. d. und Lobeck ad Phryn., p. 7 sq. Will man also κεῖνος nicht, so ist in παῖ ᾿κείνου Aphäresis.

Bei den Komikern wird die Aphäresis ausser den bei den Tragikern vorkommenden Fällen auch bei ἐπειδή, ἔπειτα, ἔνδον, ἐνταῦθα und ἐντεῦθεν, bei ἐκεῖνος, da sie κεῖνος nicht gebrauchen, sowie vereinzelt bei sonstigen mit ε anlautenden Wörtern angewendet: a) Ar. Nub. 65 πάππου ᾿τιθέμην. Eq. 632 ὅτε δή ᾿γνων (besser δἤγνων). 1104 ποριῶ ᾿σκευασμένα. Plut. 736 ὥς γ̓ ἐμοὶ ᾿δόκει (aber μοὐδόκει, § 51, i)); — b) Ran. 199 ἵζω ᾿πὶ κώπην. Lys. 110 σκυτίνη ᾿πικουρία. Eccl. 1148 ἤδη ᾿πείξομαι (als ob ἐπείγω mit ἐπί zusammengesetzt wäre). Nub. 802 ἐξελῶ ᾿κ τῆς οἰκίας. 546 ζητῶ ᾿ξαπατᾶν. Lys. 866 αὐτὴ ᾿ξῆλθεν. Eq. 374 σοῦ ᾿κτεμῶ. Av. 343 τὠφθαλμὼ ᾿κκοπῇς. Ach. 729 ἀγορὰ ᾿ν Ἀθάναις. Eq. 1367 ἀποδώσω ᾿ντελῆ. Lys. 605 χώρει ᾿ς τὴν ναῦν. Ran. 186 sq. ᾿ς ὄνου πόκας ᾿ς Κερβερίους ᾿ς κόρακας ᾿πὶ Ταίναρονberall Krasis zulässig). Ibid. 509 περιόψομαι ᾿πελθόντ̓ (hdschr. περιόψομαι ἀπ. oder περιόψομ᾽ ἀπ.; einige Ausgaben schlecht περιοψομἀπ.). Lys. 734 ἐῶ ᾿πολέσθαι; — c) Nub. 385 ἀπὸ σαυτοῦ ᾿γώ σε διδάξω. Ran. 495 σὺ μὲν γενοῦ ᾿γώ; oft μὰ τὸν Ἀπόλλω ᾿γὼ μὲν οὐ; Eq. 829 αἱρήσω ᾿γώ. Nub. 901 ἀνατρέψω ᾿γαὔτ̓ d. i. ἐγὼ αὐτά. Ach. 62 ἄχθομαι ᾿γώ. Ran. 971 μέντοι ᾿γώ; — d) Ran. 602 παρέξω ᾿μαυτόν. Eq. 182 ἀξιῶ ᾿γὼ ᾿μαυτόν; — e) Ach. 171 διοσημία ᾿στί; — f) Nub. 1354 φράσω, ᾿πειδή. Ach. 437 Εὐριπίδη, ᾿πειδήπερ. Vesp. 665 τρέπεται δή ᾿πειτα (δἤπειτα); — g) Ran. 514 ἤδη ᾿νδον. Nub. 62 δὴ ᾿ντεῦθεν (δἠντεῦθεν); — h) Lys. 794 sq. ἐβδελύχθη ᾿κεῖνος und sonst; — i) bei ἔχω Lysistr. 646 παῖς καλή ᾿χους᾿ (ἔχους᾿ Hdschr.); aber Thesm. 492 zu schreiben μἤχωμεν, Vesp. 1121 μἤχῃ, Eccl. 794 μἤχοιμ̓. Lys. 736 αὕτη ᾿τέρα. Pax 253 χρῆσθαι ᾿τέρῳ (n. Brunck).

Anmerk. 2. Aber in Beispielen, wie μὴ, ἀλλὰ, μὴ ἀλλ̓ Aesch. Ch. 905. Ar. Thesm. 288, muss man die Krasis annehmen, da durch die Elision μὴ ᾿λλά eine zu grosse Verstümmelung eintreten würde, oder noch lieber Synizese und schreiben μὴ, ἀλλά.(Smyth 76)

1 S. Lobeck de usu apostrophi p. 34 sqq. Ahrens l. d. p. 21 sqq.

2 Geschrieben findet sich die Aphäresis oder Krasis in der ionischen Inschr. von Chios, Cauer Del.^{2} 496 A u. B: ᾿ς = ἐς, μὴ ᾿λάσσονες.

3 Auch Ahrens l. d. p. 22 möchte hier die Aphäresis verwerfen, da Homer seine Mundart mit Aeolismen versetzt habe, und die äolischen Dichter θέλω gebraucht hätten (Alc. 55 Bgk.), und überdies von den Rhapsoden Vieles in den Homer hineingetragen und geändert sei. (Od. ο, 317 las Aristarch statt ὅττι θέλοιεν wohl ἅσς᾿ ἐθέλ., Ludwich, Aristarch I, 613.) S. auch Bekker, Hom. Bl. I, 162.

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