previous next


60. I. Anähnlichung der Konsonanten im Inlaute. a. Mutae.

Ein P-Laut (π β φoder ein K-Laut (κ γ χ) vor einem T-Laute (τ δ θ) muss dem T-Laute gleichartig sein, d. h. vor der Tenuis τ kann nur wieder eine Tenuis (π κ), vor der Media δ nur wieder eine Media (β γ), vor der Aspirata θ nur wieder eine Aspirata (φ χ) stehen, also: πτ u. κτ; βδ u. γδ; φθ u. χθ: vgl. scriptum, rectum, coctum v. scribo, rego, coquo; z. B.

β vor τ in π, als: (von τρίβω τέτριβ-ται = τέτριπται
φ " τ " π " (von γράφω γέγραφ-ται = γέγραπται
γ " τ " κ " (von λέγω λέλεγ-ται = λέλεκται
χ " τ " κ " (von βρέχω βέβρεχ-ται = βέβρεκται
π " δ " β " (von κλέπτω κλέπ-δην = κλέβδην
φ " δ " β " (von γράφω γράφ-δην = γράβδην
κ " δ " γ " (von πλέκω πλέκ-δην = πλέγδην
χ " δ " γ " (von βρέχω [βρέχ-δην = βρέγδην (unbel.)]
π " θ " φ " (von πέμπω ἐπέμπ-θην = ἐπέμφθην
β " θ " φ " (von τρίβω ἐτρίβ-θην = ἐτρίφθην
κ " θ " χ " (von πλέκω ἐπλέκ-θην = ἐπλέχθην
γ " θ " χ " (von λέγω ἐλέγ-θην = ἐλέχθην.

Anmerk. 1. Die Präposition ἐκ in der Komposition bleibt nach byzantinischer und gegenwärtiger Schreibung vor allen Konsonanten unverändert, als: ἐκθεῖναι u. s. w., nicht ἐχθεῖναι, ἐκβαίνω, nicht ἐγβαίνω. Dagegen die Schreibung der alexandrinischen und klassischen Zeit, wie sie auf Inschriften und in Papyrus sich zeigt, bewahrte ἐκ regelmässig nur vor Tenuis und vor χ (φ) ς, während man vor Media und Liquida ἐγ, vor θ (φ) ἐχ schrieb. So ἔγδοσις, ἐγβολή, ἐγλέγειν, ἔγμακτος; auch ἐγϝηληθίωντι, tab. Heracl. I, 152; ebenso bei der von uns getrennt geschriebenen Präposition: ἐγ νεωρίων, ἐγ Ῥυμοῦ; ferner ἐχ Θετταλίας, ἐχφορήσαντι. Indes finden sich dagegen auch auf attischen Inschriften manche Verstösse; bei φ war der Gebrauch zwischen ἐκ und ἐχ schwankend; vor ς ist die alte Schreibung EX (ΧΣ altatt. = Ξ).1) Völlige Assimilation (in der Schreibung Verlust des Auslautes) haben die alten lokrischen Inschriften: ἐτᾶς, d. i. ἐκ τᾶς, θαλάςσας, λιμένος, δάμω, Ναυπάκτω (und ἐγ Ναυπ.). Aus der weichen Aussprache des ἐκ vor γ erklärt sich die häufige Verwechslung von ἔκγονος und ἔγγονος, die ohne Zweifel auf gleiche Weise (eggonos) ausgesprochen worden sind; aber ἔγγ. war zweideutig.2)

Ein T-Laut (τ δ θ) geht vor einem anderen T-Laute in ς über; (vgl. claus-trum v. claudo;) als:

ἀνυτ-τός (v. ἀνύτειν) wird ἀνυστός

ἠρείδ-θην (v. ἐρείδω) wird ἠρείσθην

ἐπείθ-θην (v. πείθω) wird ἐπείσθην.

Anmerk. 2. Der Übergang eines T-Lautes vor einem anderen T-Laute in s erscheint für den ersten Blick als eine Dissimilation; aber der Spirant ς ist vor einem T-Laute für die Aussprache ungleich leichter und bequemer als ein T-Laut vor einem anderen T-Laute. Über ττ st. στ u. τθ st. σθ in einigen Mundarten s. § 31, S. 153 f.

Die Tenues (π κ τgehen nicht allein in der Flexion und Zusammensetzung, sondern auch bei zwei von uns getrennten Wörtern vor einem aspirierten Vokale in die verwandten Aspiratae (φ χ θ) über, indem die Tenuis den Hauch übernimmt, der Vokal aber ihn verliert. Die Mediae (β γ δ) erleiden diese Vertauschung regelmässig nur in der Flexion des Verbs, in den übrigen Fällen pflegen sie unverändert zu bleiben; also:

ἀπ᾽ οὗ = ἀφ᾽ οὗ, ἐπἥμερος (v. ἐπί, ἡμέρα) = ἐφήμερος

ἐπὑφαίνω (v. ἐπί, ὑφαίνω) = ἐφυφαίνω, τέτυπ-ἁ = τέτυφα

οὐκ ὁσίως = οὐχ ὁσίως, δεκἥμερος (v. δέκα, ἡμέρα) = δεχήμερος

ἀντἕλκω = ἀνθέλκω (v. ἀντί, ἕλκω); aber οὐδείς (v. οὐδ̓ u. εἷς)

ἀντὑπαἱρέω = ἀνθυφαιρέω (v. ἀντί, ὑπό u. αἱρέω), ἀνθυφίστημι, καθυφίημι

εἴλογ-ἁ = εἴλοχα; aber: λέγ᾽ ἑτέραν (nicht: λέχ᾽ ἑτέραν)

τέτριβ-ἁ = τέτριφα; aber: τρῖβ᾽ οὕτως (nicht: τρῖφ᾽ οὕτως); über οὐχ s. § 72.

Anmerk. 3. Dass die Neuionier, wenigstens Herodot, regelmässig die Tenuis vor dem im Attischen aspirierten Vokale stehen lassen, ist § 22, 9, und dass auch bei den Attikern in einigen Kompositis die Tenuis beibehalten worden ist, § 22, Anm. erwähnt. Über δ + = θ in <*>ὐθείς, μηθείς, οὐθαμεῖ s. § 187, 1.

Anmerk. 4. Diese Verwandlung der Tenuis vor einem aspirierten Vokale tritt auch in den Krasen ein, als: τὰ ἕτερα = θἄτερα, τὸ ἱμάτιον = θοἰμάτιον, καὶ ἕτερος = χἄτερος, καὶ ὅσα, ὅστις, ὅπως = χὦσα, χὦστις, χὤπως. Diese Krasen sind jedoch meistens nur poetisch. Mehr Beispiele s. § 51. Wenn die Tenuis πτ oder κτ vorhergehen, so werden beide nach Nr. 1 in Aspiratae verwandelt, als: ἑφθήμερος aus ἑπτά u. ἡμέρα, ϝύχθ᾽ ὅλην st. νύκτα ὅλην. Ausser der Zusammensetzung schreibt man in der Prosa in diesem Falle häufiger die vollen Formen (νύκτα ὅλην), als die apostrophierten. Wenn aber auf diese Weise zwei gleiche Aspiratae zusammenstossen würden, so bleibt nach § 67 die erstere Tenuis unverändert, als: εἰς ὄρος ὅκχ᾽ ἕρπῃς Theokr. 4, 56 st. ὅκκα ἕρπῃς.

Anmerk. 5. Bisweilen geht die Wirkung des anlautenden Spiritus asper bei der Elision und Kontraktion auch durch eine dazwischen stehende Liquida hindurch auf die vor dieser stehende Tenuis: τέθριππον aus τετρα- u. ἵππος, φρουρός φρουρά φρουρεῖν aus προ und ὁρ- (ὁράω), φροῦδος aus πρὸ ὁδοῦ; auch att. φροίμιον = προοίμιον wird so zu erklären sein (οἷμος Lied, Spir. asper nach Hdn. I, 546). Vgl. v. d. Mühll, Aspiration d. Tenues (Lpz. 1875), S. 59 f.(Smyth 82)

1 Vgl. Giese, Aeol. D., S. 88; Düntzer, Zeitschr. f. Altertumsw. 1847, S. 946; Ahrens, Dial. II, p. 358; Meisterhans, Gr. d. att. Dial. 81^{2} ff.; G. Meyer, Gr., S. 267^{2} ff.; Blass, Ausspr. 123^{3}. Praefat. Hyperid.^{2}, p. XI sq.

2 Vgl. Buttmann, Gr., § 3, Anm. 5; Giese, a a. O., S. 91; Schneider ad Plat. Civ. II 364, e; Herwerden, Lap. testim. 49; Meisterhans 83^{2}.

hide Display Preferences
Greek Display:
Arabic Display:
View by Default:
Browse Bar: