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64. II. Angleichung im Inlaute.

a. Progressive Angleichung.

Der P-Laut (π, β, φgeht vor μ in μ über, als:

λέλειπ-μαι (v. λείπωwird λέλειμμαι

τέτριβ-μαι (v. τρίβω) wird τέτριμμαι

γέγραφμαι (v. γράφω) wird γέγραμμαι.

Anmerk. 1. Dass die Aeolier in diesem Falle bei Verbalsubstantiven auf -μα ππ st. μμ gesagt haben, ist in § 32, S. 155 bemerkt worden.

Der Nasal ν geht vor einer Liquida in die nämliche Liquida über, als:

συν-ρίπτω wird συρρίπτω παν-ρησία wird παρρησία
συν-λέγω wird συλλέγω ἐν-μένω wird ἐμμένω.

Eine Ausnahme macht die Präposition ἐν vor ρ, als: ἐνρίπτω; doch ist ἔρρυθμος gewöhnlicher als ἔνρυθμος; ἔνρινον und ἔρρινον (ἄρωμα) Pausan. Attic. b. Eustath. 950, 1. Auf Inschriften aber ist solche Assimilation auch im Auslaut selbständiger Wörter, nämlich der Präpositionen und Artikel, als ἐρ Ῥόδῳ, τὸρ Ῥόδιον; ἐλ Λέσβῳ, τὸλ λόγον (Meisterhans, Gr. d. att. Inschr. 86^{2}). Das μ verlangt in der Komposition immer μ st. ν vor sich; in der Wortbildung tritt dagegen vorwiegend σμ für νμ ein, s. § 61, 2 und Anm.

Der Spirant ς geht vor den Nasalen ν und μ in diese über, als: ἕσ-νυμι wird ἕννυμι, ζώσ-νυμι ζώννυμι, ἐρεβεσ-νός ἐρεβεννός; ἐσ-μί wird äol. ἔμμι, ἔσ-μεναι ep. ἔμμεναι, ἄσμες und ὔσμες (vgl. sk. asmân, uns, jushmân, euch) werden äol. ἄμμες und ὔμμες, während die gewöhnliche Sprache meist weitergeht und νν μμ unter Dehnung des vorhergehenden Vokals zu ν μ vereinfacht. Geblieben ist σμ in att. ἐσμέν, wohl unter dem Schutze von ἐστέ; ferner in τετέλεσμαι u. s. w.; in der Komposition wird an σμ σν kein Anstoss genommen (εἰσμάττω, εἰσνέω), so wenig wie an σλ σρ (εἰσλεύσσω, εἰσρέω); doch Δυρράχιον aus Δυσρ. Hdn. I, 368 f.; Ὀρροήνη oben S. 257.

Anmerk. 2. Über die Angleichung von συν in Kompositis vor ς in συς s. § 68, A. 1. Am weitesten erstreckt sich die Angleichung in der Apokope, wie wir § 42 gesehen haben; ausserdem im kretischen und z. T. auch im thessalischen, böotischen und lakonischen Dialekte, s. § 31, S. 153 f. über ττ st. στ (böot., lakon.), θθ st. σθ (kret.) und § 33, S. 157 über δδ st. σδ ζ. Dazu findet sich noch: κκ aus σκ, lakon. ἀκκόρ ἀσκός; ττ aus πτ, τθ aus φθ, thessal. Ἀφθόνειτος Ἀφθόνητος, Λεττίναιος Λεπτίν., οἱ ττολίαρχοι πτολίαρχοι, πολίαρχοι, kret. ἤγρατται = γέγραπται, ἐττά ἑπτά, πέντος (gls. πένττος) = πέμπτος; ττ aus κτ, kret. νυττί νυκτί, Λύττος Λύκτος; λλ aus σλ zwischen Wörtern, kret. τιλ λῆι (τις λ.), τοῖλ λείονσι; νν aus ρν, kret. ὄννιθα ὄρνιθα, ἀννῆθθαι ἀρνεῖσθαι; δδ aus ρδ zwischen Wörtern, kret. πατὴδ δῶι, ὑπὲδ) δέ, während im Worte mit regressiver Assimilation und nachfolgender Vereinfachung und Dehnung ρ entstanden ist, in πῆριξ = πέρδιξ (kret. n. d. Gramm.).

b. Regressive Angleichung.

Die regressive Angleichung kann nur dann eintreten, wenn der vorangehende Laut stärker als der nachfolgende ist; sie wird am häufigsten durch das Zusammentreffen der Liquida λ mit folgenden j bewirkt, z. B. ἅλλομαι aus ἅλjομαι u. s. w., s. § 21; im Aeol. werden auch die Verba liquida, deren Stamm auf ρ oder ν ausgeht, so gebildet, als: φθέρρω aus φθέρjω st. φθείρω, κρίννω aus κρίνjω st. κρίνω, s. § 21, 6 u. 7, während die gewöhnliche Sprache von φθέρρω, κρίννω zu φθείρω, κρίνω weitergeschritten ist, wie bei νν μμ aus σν σμ (§ 64, 3). Auf gleiche Weise geschieht eine Angleichung bisweilen bei dem Zusammentreffen mit ϝ, als: πελέκκησεν Od. ε, 244 aus πελέκϝησεν, vgl. πέλεκυς, ἴκκος und ἵππος aus ἴκϝος, sk. a[cnull ]vas, l. equus, s. § 28, S. 142, τέτταρες aus τέτϝαρες, vgl. sk. ćatvâras, l. quattuor, vgl. § 16, 3, c.

Regressive Angleichung findet ferner statt: λν zu λλ, als ὄλλυμι aus ὄλνυμι (G. Meyer 263^{2}); doch Homer. πίλναμαι; — λς zu λλ äol. in Aorist d. Vb. liqu., wo die gewöhnliche Sprache unter Aufhebung der Verdoppelung die Dehnung anwendet (§ 66, 3); dagegen bleibend in ἄλσος, Hom. τέλσον, im Dat. Pl. ἁλσί, Hom. auch ἔλσαι κέλσαι; — ρς zu ρρ analog im Aor. d. Vb. liqu. äolisch, in der Gemeinsprache nicht (ebend.); attisch aber in Stämmen fast überall, als ἄρρην f. ἄρσην, Namen mit Ἄρρι- Ἄρρε- als Ἀρρενῄδης (G. Meyer 263^{2}), θάρρος θαρρεῖν θαρραλέος, χερρόνησος, ἐρρηφορεῖν (ἐέρση), κόρρη Schläfe u. s. w., (doch βύρσα), desgl. dor. z. T., als Ὄρριππος Megara C. I. Gr. 1050, Χερρίας Meg., κάρρων = κάρσων aus κάρτjων d. i. κρείσσων (Alkm. Epicharm.), Τυρράν̓, d. i. Τυρσηνά Helm des Hieron, Θαρρυπτόλεμος Thera, u. s. w.; indes ἔρσην Gortyn u. Epidaur. f. att. ἄρρην. Φαρράλιος = Φαρς. kennt Herodian II, 378. I, 123 (wohl att.). Das ς bleibt überall im Dativ Plur., als χερσί, ῥήτορσι; bei Hom. auch in einzelnen Aoristen, ἄρσαι ἀποέρσαι κέρσαι κύρσαι ὄρσαι. Vgl. § 29, S. 147. Ein besonderer Fall ist: ἄγαρρις d. i. ἄγερσις Versammlung, Hesych., Inschr. Neapel (G. Meyer 263^{2}), ἄγορρις Hesych., πανήγυρις ὁμήγυρις sogar mit einfachem ρ und kurzem Vokal, wiewohl arkad. πανάγορσις die Entstehung aus -άγυρ-σις anzeigt. Oehler, de simpl. consonis continuis p. 67. — Durch regressive Assimilation ist auch att. böot. ττ aus τς (τj) entstanden; auch dem kret. δδ st. ζ scheint δς vorauszuliegen.(Smyth 77)

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