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67. III. Dissimilation der Konsonanten im Inlaute.

Die Dissimilation findet in drei Fällen statt: Erstens: Zwei Aspiratae desselben Organes vertragen sich nicht neben einander, sondern die erstere geht in die verwandte Tenuis über. Wörter der Art sind übrigens selten, zumeist (hypokoristische) Eigennamen und sonstige Hypokoristika, s. § 65, 1, oder mit diesen verwandte Ausdrücke des gewöhnlichen Lebens,1) als: τυτθός b. Hom. u. anderen Dichtern, ἄκχος b. Hesych. (= ὦμος), ὀκχέω st. ὀχέω, wie ὄκχος st. ὄχος (§ 66, 7); ἀκχαλίβαρ (= νεκροφορεῖον), νυκχάζειν (= νύσσειν), κακχάζειν (= καγχάζειν) Hesych.; Σαπφώ, Βάκχος, Ἀτθίς, Πιτθεύς; thessal. Πετθαλοί = Θετταλοί böot. Φετταλοί; die Liebkosungsworte ἀπφά, ἀπφίον, ἀπφίδιον, ἀπφάριον, ἀπφύς; κέπφος (Gimpel), κεπφόω; τίτθη f. τιθήνη (§ 65, 1); ausserdem πφ u. s. w. in der Apokope, als: κὰπ φάλαρα, s. § 42. Über ὅκχ᾽ ἕρπῃς s. oben § 60, A. 4. Daher haben auch zwei nebeneinander stehende ρ nicht beide den Spiritus asper, sondern das erstere erhält den weichen, als: ἔρρηξα.

Anmerk. 1. Diese Regel, wonach die Aspiraten kh, ph, th der wirklichen Aussprache gemäss nur dem ersten Teile nach verdoppelt werden (also kkh, pph, tth), wird gänzlich ignoriert in den altkretischen Inschriften (Tafeln von Gortyn), die aus der Assimilation von σθ (§ 66, 7) nur θθ, nie τθ hervorgehen lassen. Man darf darin wohl ein Anzeichen sehen, dass θ im Kretischen die Geltung eines Spirans hatte, während die vereinzelt anderswo vorkommenden Schreibungen wie Ἄραθθος (Dial.-Inschr. 3189, Korkyra) Βάχχος, Σαφφώ (Roscher, Curt. Stud. I, 2, 89) natürlich nur Sache einer abirrenden Schreibweise sind.

Zweitens: Zwei unmittelbar auf einander folgende Silben eines Wortes dürfen in folgenden Fällen nicht mit derselben Aspirata anfangen, sondern die erstere Aspirata geht alsdann in die verwandte Tenuis über:

a) bei der Reduplikation, als:

aus φε-φίληκα (v. φιλέω) wird πεφίληκα

aus χέ-χυκα (v. χέω) wird κέχυκα

aus θέ-θυκα (v. θύω) wird τέθυκα

aus θί-θημι (St. θε-) wird τίθημι;

so ferner: ἀκ-αχ-ίζω (St. ἀχ), ἀπ-αφ-ίσκω, παμ-φαίν-ω (St. φαν), ὀκ-ωχ-ή, ὀκ-ωχ-εύω (v. ἔχ-ω mit Ablautung); dieselbe Erscheinung findet sich auch im Sanskrit, nur dass hier weiche Laute sind, als: τί-θη-μι = da-dhâ-mi, πέ-φῦ-κα = ba-bhû-va (fui);

b) bei dem Aoristus I und Futurum I Pass. der beiden Verben: θύειν und τιθέναι (St. θε): ἐτυ?́θην, τυ-θήσομαι, ἐτέ-θην, τε-θήσομαι st. ἐθύθην, ἐθέ-θην; dazu in τε-θμός (att. θε-σμός) dor. von τίθημι

Dazu kommt c) entsprechende Dissimilation in Kompositis: ἐκεχειρία v. ἔχειν u. χείρ,2) ἐπαφή (v. ἐπί u. ἁφή, welches letztere den Asper hat trotz der folgenden Aspirata, Herodian I, 542; nicht aber vertrug man zwei φ), ἐπάφημα, ἐπάφησις, ἄπεφθος (v. ἀφέψω ἑφθός, dies wegen des Spir. asper als Ausn. vermerkt v. Herodian I, 537). Verschiedenen Organs sind die beiden Mutae in ἀμπέχω, ἀμπίσχω (ἀμφί u. ἔχω, ἴσχω), sowie in dem von att. Inschr. gebotenen ἀρκεθέωρος (Meisterhans, S. 78^{2}); in Ἀγκιθείδης = Ἀγχιθ. Delos Dittenberger, Syll. 367, 44; Ἐκέφυλος Ἐκεσθένης Lakonien, Delphi u. s. w. (G. Meyer, S. 292^{2}).

Anmerk. 2. In dem Hom. τηλεθόων (v. θάλλω, Pf. τέθηλα) ist selbst nach Dazwischentreten einer Silbe die Verwandlung der ersteren Aspirata eingetreten, während Il. ι, 467 und sonst das Verb θαλέθω vorkommt. So hat man auch den Eigennamen Τήλεφος von θῆσθαι und ἔλαφος (von einer Hindin gesäugt) abgeleitet.3

Anmerk. 3. Diese Regeln, sowie die folgende, sind ungültig nicht nur für das Altkretische, welches ständig θίθεθθαι, θιθῆι, θιθεμένωι, θιθέτω aufweist (Ausspr. 110^{3}), sondern auch für das Altattische in starkem Masse, indem sich auf Inschriften des 6. und 5. (weniger des 4.) Jahrhunderts u. a. folgendes findet: ἐνθαυθοῖ, ἀνεθέθη, Χαχρυλίων, Χόλχος (Vasenmaler), Νίχαρχον, θροφός, θηθίς, Διοφείθης (Meisterhans, S. 78^{2} f.); d. h. es ruft geradezu die Aspiration einer Silbe die Aspiration auch der benachbarten hervor. Ἐθέθην auch Röhl I. Gr. ant. 525 (Kyme in Italien), θεθμός, θέθμιον dor. (Meyer, Gr. 291^{2}), χυθρίς nb. χυτρίς Inschr. Oropos (hellen.Zeit) Ἐφημερ. ἀρχ. 1889, p. 3 ff.

Drittens: Bei folgenden Wörtern, deren Stamm mit der Tenuis τ anzulauten scheint und mit einer Aspirata auslautet, wird die Tenuis τ in die Aspirata θ verwandelt, wenn die Aspirata in der Flexion oder Wortbildung nach den Wohllautsgesetzen verdrängt wird. Man nennt diesen Vorgang Verschiebung oder Versetzung (Metathesis) der Aspiration, neigt aber neuerdings wieder mehr zu der Auffassung, die bereits Herodian hegte (II, 403), dass der Stamm von Haus aus zweimal die Aspirata hatte, als θριχ-, θρεφ-, woraus sich τριχός, τρέφω durch Dissimilation erklärt. Eine entsprechende Erscheinung bietet das Sanskrit, als: bt-sjâmi, werde wissen, st. bod'- sjâmi, dk-s'jâmi, werde melken, st. dôh-sjâmi.4)

Stamm (θριχ) τριχ: daraus der Nom. θρίξ, d. i. θρίχ-ς θρίκ-ς, D. Pl. θριξί; in den übrigen Kasus ist τ anlautend: τριχ-ός, τριχ-ί u. s. w.;

ταχ-ύς, Kompar. θάσσων att. θάττων;

τρέφ-ω, F. θρέψω, A. ἔθρεψα; aber Pf. τέτροφα; θρεπ-τήρ, θρέμ-μα;

ταφ-εῖν, staunen, τὸ τάφος, das Staunen; aber Pf. τέθηπα (st. τέτηφα); θάμβος (§ 61, 4).

St. (θαφ) ταφ: davon θάπ-τω, θάψω, τέθαμμαι; aber ταφῆναι, ταφή, τάφος (); d. 3. P. Pl. Pf. P. ion. τετάφαται, Her. 6, 103 nach cod. R, oder τεθάφαται (vulg. Stein), vgl. ἐθάφθην Anm. 5.

St. (θρυφ) τρυφ: davon θρύπ-τω, θρύψω, τέθρυμμαι; aber τρυφ-ῆναι, τρύφος (τό), τρυφή;

τύφ-ω, räuchere, ἔθυψα Hesych., τέθυμμαι; aber τυφ-ῆναι, τῦφος, , Rauch;

St. (θρᾶχ) τρᾶχ (θα^ραχ τα^ραχ):5) θρά̂σσω (aus θράχjω), Aor. θρᾶξαι; aber Pf. Hom. τέτρηχα;

τρέχ-ω, θρέξομαι.

Anmerk. 4. Hierher gehört auch ἔχω st. ἕχω (urspr. σέχω, vgl. ἔσχον d. i. ἔσεχον) und das Deriv. ἔχμα; aber F. ἕξω, Adj. v. ἑκτός; wiederum ἴσχω st. ἵσχω; altattisch indes ἕχω, καθέχω, Meisterhans 66^{2}; so auch ἀφάσσω v. ἅπτω, Il. z, 322 ἀφόωντα (ubi v. Spitzner), vgl. ἀμφαφάασθαι; ἀθρόος (att. und nach Aristarch Hom. ἁθρόος), ἀθύρω (att. ἁθύρω), ὄφρα st. ὅ-φρα. Sonst aber wird auf den Spiritus diese Rücksicht nicht genommen, als: ἁφή, ὑφαίνω, ὕθλος, ἡθμός (att. für ἠθμός), ἑφθός, ἕθεν, ᾗχι, altattisch (Meisterhans 66^{2} f.) auch εὕχομαι, ἱσθμός, ἱσχύς.

Anmerk. 5. Eine ähnliche Erscheinung ist die, dass, wenn zwei auf einander folgende Silben mit ρ anlauten, das erstere ρ mit dem gelinden Hauche gesprochen wurde, wie von den alten Grammatikern (Herodian L. I, 547; II, 22. 940) gelehrt wird, welche die Wörter Ρ̓ᾶρος, Ρ̓άριον πεδίον (b. Eleusis), Ρ̓αρίς (Demeter) anführen. Doch war bezüglich der zweiten Silbe Zweifel, ob oder , Her. I, 547 m. d. adn. Demnach müssten so geschrieben werden auch ῤωρός, stark, b. Hesych., und die mit ρ reduplizierten Perfekta, als: ῤερυπωπένα (s. § 200), bei denen die Hdschr. bald den Asper, bald auf dem ersteren ρ den Lenis, auf dem zweiten den Asper, bald gar keinen Spiritus bieten.6) — Wenn aber der Anlaut ein und der Auslaut des Stammes eine aspirierte Muta ist, so ist Aspiration im An- und Auslaute gestattet, als: ῥαφ-ή, ῥιφ-ή, ῥοφ-έω, ῥυφ-έω, ῥίμφ-α, ῥάμφ-ος, ῥομφ-εύς, ῥάχ-ις, ῥηχ-ός, ῥόχ-ανον, ῥόχθ-ος, ῥύγχ-ος, ῥάθ-αγος, ῥόθ-ος, ῥώθ-ων u. a.7)

Anmerk. 6. Bei den medialen und passiven mit θ (σθ) anlautenden Flexionsendungen der unter 3) angeführten Verben steht die Aspiration auch zu Anfang, als: ἐθρέφ-θην, θρεφ-θῆναι, θρεφ-θήσεσθαι, ἐθάφ-θην, θαφ-θείς, τεθάφ-θαι, indem man diesen Endungen ausser bei solcher Nähe wie in ἐτύθην, ἐτέθην keine rückwirkende Kraft verstattete.

Anmerk. 7. In der Imperativendung des Aor. 1. P., in der beide Flexionssiben mit θ anlauten sollten, nämlich: θηθι, wird nicht die erstere, sondern die letztere Aspirata in die Tenuis verwandelt, also θητι, z. B. βουλεύ-θητι; aber σθ́θηθ᾽ ὅσον Eur. Or. 1345, s. Anm. 8. Im Aor. 2. P. tritt die Endung θι wieder hervor, als: τρίβ-ηθι.

Anmerk. 8. Ausser den in Nr. 2 und 3 angeführten Fällen wird in allen übrigen weder eine vorangehende Aspirata durch eine folgende Aspirata in die Tenuis verwandelt, noch eine Verschiebung der Aspiration vorgenommen. Demnach wird gesagt: τεύχω, τεύξω (nicht θεύξω), τρύχω, τρύξω; — ἐχυ?́θην v. χέω (nicht ἐκύθην), ἐθέλχ-θην v. θέλγω (nicht ἐτέλχ-θην), ἐθλίφ-θην v. θλίβω u. a., ἐλιθώθην; — φά-θι, τέθνα-θι; — Κορινθό-θι, Κορινθό-θεν, πανταχό-θεν; — φθί-θω; — Komposita (ausser den 2, c angegebenen), als: ἀχθοφόρος, ὀρνιθοθήρας, ἐφυφή, καθυφίημι, ἀνθυφαιρέω u. s. w.; — in der Elision, als: τετράφαθ̓, ὁππότε (st. τετράφατο) Il. κ, 189. ὣς φάθ̓, 177. ἔφθιθ᾽ οὗτος Aesch. Eum. 458. σώθηθ᾽ ὅσον Eur. Or. 1345. τέθυχ᾽ ὥστε Ar. Lys. 1062. προὐτίθεθ᾽ ὑμεῖς Dem. de cor. 236.

Anmerk. 9. In der neuionischen Mundart findet in einzelnen Wörtern gegenüber der attischen eine Verschiebung der Aspiration statt: κιθών (st. χιτών) oft bei Herod., auch att. Inschr. nb. χιθ., κιτ., Meisterhans 79^{2}; θεῦτιν d. i. τευθίδα Hipponax 115, s. Bergk; κύθρα f. χύτρα Choerob., κυθρίδιον Hipp. VII, 394 (θ) vgl. 396, βάθρακος Herodot für βάτραχος s. § 70, 3; ἐνθαῦτα, ἐνθεῦτεν oft b. Her. st. ἐνταῦθα, ἐντεῦθεν; das Ionische ist hier offenbar ursprünglicher, da diese Adverbien aus ἔνθα, ἔνθεν mit analoger Verstärkung wie die in τοσοῦτος gebildet sind. Auf altattischen Inschriften noch ἐνθαυθοῖ, oben Anm. 3. Ferner gehört hierher Καλχηδών Καλχηδόνιοι, was als richtige Form anzusehen (auch Herod. 4, 85. 144; 5, 26; 6, 33, an der letzten St. nur R so), neben Χαλχηδόνιοι (so und Καλχ. att. Inschr.), Χαλκηδ. (so vulgär unter Anlehnung an χαλκός, vgl. L. Dindorf, praef. Diod. I, XXIV); κάλχη, χάλχη, χάλκη att. Inschr. Die Späteren sagten πάθνη für φάτνη, Krippe; Moeris 391: φάτνη Ἀττικῶς ([φ]άτνη C. I. A. II, 733, A, II, 12), πάθνη Ἑλληνικῶς (ubi vid. Piers.); θωτάζω hat Hesych. für τωθάζω, spotte; ders. τριγχός, στριγχός für θριγκός (τειχίον). Vgl. Roscher, Curt. Stud. I, 2, 98 ff. Ein merkwürdiges Beispiel ist das attische φιδάκνη, φιδάκνιον Fässchen (C. I. A. II, 807, b, 114. 117, Meisterhans 80^{2}) st. πιθάκνη, indem hier die Aspirata θ in die Media δ (st. τ) übergegangen ist.

Viertens. Zur Vermeidung des Gleichlautes in zwei auf einander folgenden Silben verwandelt die Sprache in einigen Wörtern das λ in ρ, als: ἀργαλέος st. ἀλγαλέος v. ἄλγος, γλώσσαργος u. γλωσσαργία neben γλώσσαλγος, γλωσσαλγία, κεφαλαργία neben κεφαλαλγία, λήθαργος (nach Bechtel v. ἀργός schnell) nebst Derivatis st. λήθαλγος; aus Ἀρίαρτος (so die echte Namensform) ist att. Ἁλίαρτος geworden (unter Anlehnung an ἅλς), Meister, Dial. I, 252; att. πληροσία st. προηροσία, Herwerden, Lapid. testim. p. 62; so das Suffix ωρη st. ωλη, wenn schon ein λ vorhergeht, als: θαλπωρή, ἐλπωρή, ἀλεωρή, πληθώρη, aber παυσωλή; vgl. l. vulgaris, popularis mit navalis, hiemalis;8) desgl. ρος st. λος: φλύαρος, φλαῦρος (oder φαῦλος); Ἀλαλίη St. auf Korsika Hdt., sp. Ἀλερία. Angermann, Dissimilat. S. 41.

Sonstige Fälle von Dissimilation: μιχθάδιος für μιγδάδιος, κρυπτάδιος für κρυβδάδιος, Ahrens Ῥᾴ 7; Ἀρκασίδης (Kallim.) für Ἀρκαδίδης, Ἀρκασίς G. -ίδος für Ἀρκαδίς von Ἀρκάς, άδος, Herodian I, 67. II, 373. 405. Ξέρξης erschien als barbarisch, wegen der beiden ξ in auf einander folgenden Silben, während in keinem griechischen Worte ξ ψ ζ sich so wiederholten, Hdn. II, 404.(Smyth 128)

1 S. Lobeck, Paralip., p. 33.

2 Goettling ad Theodos. p. 214 will ἑκεχειρία unter Berufung auf ἕξω, ἑκτέος u. s. w., gegen die Überlieferung (Herodian I, 542; II, 52).

3 Vgl. Buttmann, A. Gr. I, § 18, S. 79.

4 S. Bopp, V. Gr., § 104; Pott, Kuhns Zeitschr. XIX, 16 ff., der sich sehr entschieden gegen die Annahme von Stämmen mit zwei Aspiraten ausspricht.

5 S. Bezzenberger, Btr. IV, 319 ff.

6 S. Lobeck, Paralip., p. 14, Note 12).

7 S. Schnitzer in Kuhns Zeitschr., 1865, S. 264 f.

8 Vgl. Bechtel, Über gegenseitige Assimilation und Dissimilation der beiden Zitterlaute in den ältesten Phasen d. Indog., Gtg. 1876; L. Meyer, V. Gr. I^{2}, S. 523.

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