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69. V. Epenthese oder Einschiebung von Konsonanten im Inlaute.

Sowie wir eben gesehen haben, dass zur Erleichterung der Aussprache oft Konsonanten in der Mitte eines Wortes ausgestossen werden; so tritt auch bisweilen der entgegengesetzte Fall ein, dass zur Erleichterung der Aussprache Konsonanten eingeschoben werden. Da nämlich dem griechischen Munde μ vor ρ und λ, sowie λ vor ρ und ν vor ρ unbequem waren, so wurde zwischen dieselben ein entsprechender Konsonant eingeschoben; dies geschieht in: γαμ-β-ρός st. γαμ-ρός, μεσημ-β-ρία (entst. aus μεσημερία), ἄμ-β-ροτος st. ἄ-μροτος, vgl. sk. mr-jê, l. mor-ior, φαεσίμ-β-ροτος, φθισίμ-β-ροτος, lesbisch aber μόρτος (vgl. mortuus) im Komp. Ἀγέμορτος; Hom. ἀμ-β-ροτεῖν, lesb. ἀμβρότην, Aor. v. ἁμαρτάνω, s. Buttmann, Lexil. I., S. 137; μέμ-β-λωκα Hom. Pf. v. μολ-εῖν, μέμ-β-λεται, μέμ-β-λετο, Hom., zu μέλ-ομαι; ἀν-δ-ρός, sk. [root ] nr, naras (Mann), st. ἀν-ρός; σιν-δ-ρός b. Hesych. st. σινρός v. σίν-ομαι. Vgl. die romanischen Sprachen, als: nom-b-re fr. aus numerus, cham-b-re fr. st. chamre, hom-b-ro span. st. homro v. humerus, gend-re fr. aus genre (generum), cen-d-re fr. st. cenre, tien-d-rai fr. st. tien-rai v. ten-ere. Wir sahen bereits oben (§ 58, 5), dass im Anlaut nun β geradezu an die Stelle des μ tritt, als βροτός, βλώσκω; dasselbe kann aber auch im Inlaut geschehen: α?̓βρότη Hom. Il. c, 78. ἀβροτάξομεν (Weiterbildung zu ἀμβροτ-) k, 65; ἀμφιβρότης st. ἀμφιμβρ., was unmetrisch und übellautend, Hdn. II, 288; bei ἤμβλακον, ich fehlte, wo die Muta ebenfalls eingeschoben ist, gab sich β zu dieser Verkürzung nicht her, indem βλ fast durchaus Position bildet, und darum, wie es scheint, ist hier auch π verwendet worden: ἀμπλακήματα codd., α?̓πλακ. die Neueren Aesch. Eum. 934; ἀνα^μπλάκητος codd., ἀναπλ. die Neueren S. OR. 472. Ähnlich auch wohl α?̓νδροτής b. Homer, Il. π, 857. Ferner λάβδα bessere Form für λάμβδα, wo doch λάμδα (hebr. Lamed) zu Grunde liegt, und β eingeschoben ist. — Verschiedener Art ist das δ in χαλυβδικός von Χάλυβες, μόλυβδος (so am häufigsten und namentlich in d. att. Prosa, Ael. Dionys. b. Eustath. 1340, auch att. Inschr. stets, Meisterhans, S. 23^{2}; μόλιβδος überliefert Theogn. 417. 1105, Ar. Nub. 913), neben μόλιβος (auch Il. λ, 237, ubi v. Spitzner), περιβολιβῶσαι dor. Inschr. (Dittenb. Syll. 305), aber μόλυβος nur als unsichere Lesart (s. Mehlhorn ad Anacr. 44, 3. p. 113. Poppo ad Thuk. I, 93); das θ in μαλ-θ-ακός neben μαλακός, διχ-θ-ά, τριχ-θ-ά b. Hom. neben δίχα, τρίχα, τέλ-θ-ος, τό, Callim. Lav. 106, Cer. 77 st. τέλος; das β in βόλβιτος (-ον), Hippokr. VII. 314 und Sp. für βόλιτος (-ον); dav. βολβιτίς Art Tintenfisch Epicharm, u. s. w.

Der Nasal μ erscheint mitunter vor β, π mit Konsonant, wo er kein Recht hat, als: πί-μ-πρημι, πί-μ-πλημι, Inschr. Korkyra 1840 (D.-I. 3198) ἐμπρίατο st. ἐπρίατο; es ist dies das Umgekehrte von ἄβροτος f. ἄμβροτος u. dgl., oben 1. — Ferner wird in poetischen Formen das μ nach kurzem Vokal durch ν gestützt, wenn Positionslänge sein soll: δίδυμ-ν-ος neben δίδυμος, νώνυμ-ν-ος neben νώνυ^μος,1ἀπάλαμ-ν-ος v. παλάμη2); ὑπεμνήμυκε Il. χ, 491 Perf. v. ὑπημύω, n. d. Alten, mit att. Redupl., st. ὑπεμήμυκε, ὑπημήμ. (ἐμμέμυκεν führt als ad. Lesart Hes. an), vgl. ν (für j) als Präsensverstärkung von Verben auf -μ, oben § 21, 8, wo doch nach Analogie anderer Liqu. zunächst μμ zu erwarten wäre. — In der Hom. Sprache wird im Aor. 1. P. bei einigen Verbis puris ein ν eingeschoben, als: ἱδρύ-ν-θησαν (v. ἱδρύω) Il. g, 78. h, 56. ἀμπνύ-ν-θη Il. e, 697. ξ, 436 (v. ἀναπνέω), was auf Schwanken zwischen Vokalstamm und Stamm auf -ν zurückgeht, Curtius, Vb. II^{2}, 365.

Der Spirant ς erscheint eingeschoben in Ἐνάρσφορος d. i. Ἐναρόφορος b. Alkm., auch Hes. Sc. 192, Apollod. 3, 10, 5, Plut. Thes. 31; vgl. § 68, 7; in der Flexion von θέμις b. Hom. θέμι-σ-τος, θέμι-σ-τα, θέμι-σ-τες, θέμι-σ-τας, und in den Derivatis θεμι-σ-τεύω, θεμισ-τοπόλος. — Sehr selten findet sich ρ eingeschoben, z. B. κυ-ρ-κανάω st. κυκανάω.3

Oft findet sich κ eingeschoben,4) als: ἐρύ-κ-ω neben ἐρύω, βάκ-τρον, ba-c-ulum, [root ] βα (βῆναι), davon auch βατηρία u. βακτηρία; βρύ-κω, verschlinge, [root ] βορ, βι-βρώ-σκω, πτήσσω (aus πτήκjω), ep. Aor. κατεπτήτην, [root ] πτα, ὀλ-έ-κω, ep. Nbf. v. ὄλ-λυμι, [root ] ὀλ; γ in ὠρυ-γ-ή, ὠρυ-γ-μός v. ὠρύ-ομαι, heule; χ in σμή-χ-ω Od. ζ, 226 u. b. Spät. neben att. σμάω, σμῆ-γ-μα und σμη-γ-ματώδης neuion., neben att. σμῆμα, ψή-χ-ω neben ψάω, immer ψῆ-γ-μα, νή-χ-ομαι neben νέω.5Derartiges gehört indes mehr der Lehre von den Verbalstämmen und ihrer Erweiterung als der allgemeinen Lautlehre an.(Smyth 130)

1 Hier wäre auch die Auffassung des ν als stammhaften Buchstabens möglich, vgl. nomen.

2 Auch hier sucht Brugmann, Morphol. Unters. II, 180 einen Stamm auf -man zu konstatieren, mit Hülfe des Irischen.

3 S. Fritzsche ad Aristoph. Thesm. 427, p. 158.

4 S. Curtius, Et.^{5}, S. 61 f.

5 S. Lobeck ad Phryn., p. 253 sq.

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