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70. VI. Metathesis oder Umstellung der Konsonanten im Inlaute.Vgl. Siegismund de metath. graeca, Curt. Stud. V, 119 ff.; G. Meyer, Gr. 181^{2} ff.

Die Umstellung (ὑπέρθεσις Herodian) der Konsonanten tritt am häufigsten in der Dichtersprache hervor und ward hier durch das Versmass bedingt; andere Fälle gehören gewissen Mundarten an. Es ist eine auch sonst in den Sprachen sich zeigende Erscheinung, dass Liquidae wie r in einer mit Muta anlautenden Silbe ihren Platz wechseln und bald vor bald hinter dem Vokale erscheinen; im Griechischen indes ist dies nicht immer bedeutungslos, sondern es geht wenigstens in der Verbalbildung grossenteils nach bestimmten Regeln vor sich.

Die Konsonanten, welche die Umstellung zulassen, sind die liquiden ρ und λ und die Nasale ν und μ; am häufigsten ist die Erscheinung bei ρ. Verben: θρῴσκω, Aor. θορεῖν, βιβρώσκω [root ] βορ, vgl. βορός, βορά; βάλλω βέβληκα u. s. w., s. § 233; ferner im Aorist II ρ vor dem Vokale, um eine kurze Silbe zu schaffen; der Vokal ist α statt ε, ο statt α: δέρκομαι ἔδρακον, πέρθω ἔπραθον, ἁμαρτάνω ep. ἤμβροτον, lesb. Inf. ἀμβρότην, gew. aber ἥμαρτον; schwankend auch τέρπω, wovon ἐτάρπην und τραπείομεν; πέρδομαι ἔπαρδον und (Suid.) ἔπραδον, δαρθάνω ἔδραθον (Hom.) und ἔδαρθον (Att.); hier entspricht das ρα dem indischen ṛ-Vokal. Noch gehört hierher δέρω δρατός Il. ψ, 169 nb. νεόδαρτος, σπείρω ὀφιόσπρατον Hdn. II, 384, φθείρω διέφρασαι Ibyk. E. M. 273, 24, mit ausgestossenem θ (Siegismund, Curt. St. V, 174). Sehr gross und regellos ist das Schwanken zwischen ρα und αρ (ρε, ερ), ρι und ιρ, ρο und ορ bei den Nomina. So neben καρδία Hom. auch κραδίη, nb. κράτος Hom. auch κάρτος, entspr. κρατερός poet., καρτερός auch Pros., κάρτιστος Hom., gew. κράτιστος; äol. (arkad., kypr.) κρέτος, κρέτει = κρατεῖ, vgl. ion. att. κρέσσων κρείσσων; κάρτα ep. ion.; Fιφικαρτίδης Inschr. Naxos = att. -κρατίδης; Λυ]σικάρτιος Gen. Kreta Mus. Ital. II, 178; θάρσος od. θάρρος und θράσος, θαρσεῖν θαρρεῖν, aber θρασύς (dor. Inschr. v. Thera Θαρρυπτόλεμος), θαρσύνω und θρασύνω; äol. böot. arkad. θέρσος (woher auch Hom. Θερσίτης, Πολυθερσείδης), Bergk auch θέρσεισα = θαρροῦσα Theokr. 28, 3; βραδύς und Theokr. Hom. βαρδύτερος βάρδιστος; τέτρατος Hom. nb. τέταρτος, τέτρασι Hes. Pind. = τέσσαρσι, τετρώκοντα dor. aus τετροήκ. τετορήκ. (Ahrens); τρασιά (von τέρσω) und ταρσίη (Semon. Amorg.) Et. M. 764, 25 (auch θαρριά Hesych.); ἀταρπός gew., ἀτραπός ep.; ἀταρπιτός und ἀτραπιτός, beides episch; Κράπαθος Il. β, 676 = Κάρπαθος; σταρτός f. στρατός Gortyn. Tafeln; das. δαρχνά = δραχμή, Elis δαρχμά; κερκίς von κρέκω; mit ι κρίκος Il. ω, 272 = κίρκος; Κρῖσα und (Κίρσα) Κίρρα; mit ο πρόσω und πόρσω πόρρω, πορτί kret. = προτί, Κροφιάτας und Κορφιάτας lakon. Inschr.; Ἀφορδίτα kret. f. Ἀφροδ. u. a. m.2) Bei λ ist Schwanken in στελγίς Hesych. = στλεγγίς (στελγγίς einm. att. Inschr.); βλητός und βελτός = ἀπόπληκτος Hesych.; σκλοιός = σκολιός; b. ν in πνυκός und πυκνός, beides att. Gen. zu πνύξ, doch ersterer jünger und dem Nom. (bei dem der Stamm πυκν Metath. erfahren musste) nachgebildet, Meisterhans, Gr. d. att. Inschr. 112^{2}. Nach Herodian (II, 383) ist auch ὀθνεῖος = νοθεῖος, wie ὄσπριον = σπόριον. Schwanken auch bei der Muta scheint zu zeigen ὑποπετρίδιος Alkm. für ὑποπτερίδιος, frg. Aeg. II, 15, vgl. Etym. M. 783, 20; doch s. oben § 43, 1, wonach hier eher Ausstossung anzunehmen. Über πετπτε, σεχσχε u. s. w. s. § 232 f.; ebenda (§ 233) über die Metathesis des ν μ in Verbalstämmen. — Wesentlich anderer Art ist die Umstellung des einer Liquida nachfolgenden j in die vorhergehende Silbe, wo es sich als ι mit dem Vokale verbindet, § 21, 7, sowie die entsprechende eines ϝ als υ: νεῦρον aus νέρϝον, vgl. lat. nervus; παῦρος a. πάρϝος, lat. parvus.3) — Über σκ st. ξ (κτ), ψ st. σφ s. § 33, S. 159 f.

Weitergehende Umstellungen finden sich in: ἀμ̂{ι}θρός f. ἀριθμός, Et. Magn. 83, 42 (Simonides, vgl. Semon. Amorg. 3 Bergk), ἀμιθρέω Callim. fr. 339 (in Cerer. 87?) st. ἀριθμέω; θῖδραξ nb. θρῖδαξ Hesych., δρίφος dor. st. δίφρος, τράφος auf den Herakl. Taf. st. τάφρος; für βάτραχος nicht nur βάθρακος Herodot. n. Eustath. u. Schol. Il. (s. Herodot 4, 131 f.), βότραχος Hippokr. nach Galen, sondern auch βρόταχος Hdn. II, 384 ionisch (ion. Inschr. Bechtel 117), βύρθακος βόρταχος βράταχος βρύτιχος Hesych.;4) att. ἀπαντροκύ καταντροκύ st. ἀπαντικρύ καταντικρύ (Meisterhans 172^{2}); κάτροπτον att. Inschr. 15 mal nb. einem Bsp. f. κάτοπτρον, das. 62.(Smyth 128)

1 Vgl. Siegismund de metath. graeca, Curt. Stud. V, 119 ff.; G. Meyer, Gr. 181^{2} ff.

2 Zahlreiche Beispiele der ὑπέρθεσις bereits bei Herodian, Lentz I, 382 ff. Vgl. auch Ritschl, Rh. Mus. 8, 150 = Kl. Schr. II, 530, der, von lat. tarpessita aus τραπεζίτης ausgehend, griechische Beispiele der Vertauschung von αρ ρα zusammenstellt.

3 S. G. Meyer, Gr. 122^{2} f.; O. Frankfurter, die Epenth. von j (ι) ϝ (υ) im Griechischen, der die Epenthese von υ ganz leugnet; E. Meincke de epenth. Gr., Lpz. 1881.

4 Roscher, Curt. Stud. IV, 189 ff.

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