previous next


VII. Encliticae.

Andere kleine Wörter, welche in dem Zusammenhange der Rede nur selten unabhängig auftreten, gemeiniglich aber mit einem vorhergehenden Worte eng verbunden sind, begeben sich in gewissen Fällen gänzlich in den Dienst desselben, indem sie entweder ihren Ton einfach verlieren oder ihn ihrem Herrn leihen, als: φίλος τις, πόλεμός τις. Diese Wörter werden, insofern sie ihren Hochton regelmässig gleichsam neigen (ἐγκλίνονται, Gegensatz ὀρθοτονοῦνται), oder insofern sie ihren Ton wie eine Last auf das vorhergehende Wort stützen (ἐγκλίνουσιν, Apollon. Synt. p. 131), Encliticae (ἐγκλιτικαί sc. λέξεις), und die Anlehnung dieser Wörter mit Verlust ihres Hochtons Inklination (ἔγκλισις) genannt. Enklitisch sind folgende Wörter:

a) Der Indicativus Praesentis von εἰμί, ich bin, und φημί, ich sage, ausser der 2. Pers. Sing. εἶ und φῄς; auch φαμέν φατέ (φατόν) φασί wurden nur zuweilen inkliniert (Herodian I, 553); aber die epischen Formen εἴς und ἐσσί, sowie die verkürzte Form φή st. φησί b. Anakr. fr. 40 (38) Bergk sind enklitisch: Od. i, 273 νήπιός εἰς. w, 257 τεῦ

Kühners ausführl. Griech. Grammatik. I. T.

δμώς εἰς ἀνδρῶν; die epische Form ἔᾶσι st. εισί ist als ein dreisilbiges Wort von vier Zeitweilen frei von der Inklination;

b) von den Personalpronomina1) folgende Formen:

Pers. μοῦ, μεῦ, μεθέν b. Apollon. Pron. p. 98.

μοί

μέ

Pers. σοῦ, σέο, σεῦ, τέος b. Apoll. Pr. p. 95.

σοί, τοί

σέ, τέ, τύ

Pers. ἕο, εὗ, ἕθεν = ejus Apollon. Pr. p. 97 sq., vgl. Il. a, 114. ι, 419;2οἷ, (wenn aber ἕθεν, οὗ, οἷ, reflexive Bedeutung haben: sui, sibi, se, so sind sie immer betont § 90, A. 1), νίν, μίν, σφέ; Du. σφωίν z. B. Il. θ, 402, ubi v. Spitzn., l, 628; σφωέ; Pl. σφέων; σφί, σφίν, σφίσι, φίν, ψίν; σφέας, σφα?́ς, Il. e, 567, σφᾶς, Od. q, 315 οὐ μεν σφᾶς ἔτ̓, s. Apollon. Pr. p. 127; b. Attikern S. OR. 1508. OC. 486. Ai. 839 und sonst; oft σφᾶς fälschlich st. der Enkl. σφας geschrieben, als: Eur. Bacch. 231 καὶ σφᾶς σιδηραῖς st. καί σφας ς.;3) σφέ, ψέ; das in der attischen Prosa oft in (indirekt) reflexiver Bedeutung vorkommende σφίσι ist stets zu orthotonieren;

c) das unbestimmte Pronomen τὶς, τὶ durch alle Kasus und Numeri nebst den kurzen Formen τοῦ und τῷ (aber nicht ἄττα st. τινά), dazu die unbestimmten Adverbien πῶς, πῶ, πῇ, ποῦ, ποθί, ποθέν, ποῖ, ποτέ;4) die entsprechenden Interrogativpronomina sind dagegen stets betont, und zwar sind die einsilbigen kurzen Formen Oxytona, die langen Perispomena, die zweisilbigen Paroxytona. Die Schreibart τὶς, τὶ mit dem Gravis ist eine Neuerung der jetzigen Grammatiker. Denn die Schol. in Bekk. An. II. p. 873 sagen ausdrücklich, dass sowohl das Interrogativum als das Indefinitum λαμβάνει τὸν ὀξὺν ἀεί, ἐν δὲ ταῖς πλαγίαις δείκνυται τὸ διάφορον κτλ.;

d) folgende Wörtchen: τέ = et, τοί, γέ, νύν, νύ, πέρ, ῥά, θήν (z. B. Il. κ, 104, ubi v. Spitzner, ρ, 29), κέ oder κέν;

[e) nach unserer Weise das untrennbare Lokalsuffix δε (ζε), s. § 89, V; das untrennbare Suffix der Demonstrativpronomina δε, als ὅδε, τόνδε, τοσόσδε (v. τόσος), s. das.]

Anmerk. 1. Auch das dem Verb nachgesetzte Pronomen αὐτόν, eum, wurde von einigen alten Grammatikern (s. Apollon. Pr. p. 77 sq. 33. 45, c. 47, c) in diesem einen Kasus als Enklitika betrachtet, und als Beweisstelle Il. m, 204 κόψε γάρ αὐτον ἔχοντα (draco vulneravit eum, sc. aquilam, quae illum tenebat) angeführt. Apollon. p. 78 macht den Unterschied zwischen ἔπαισεν αὐτόν und ἔπαισέν αὐτον, dass τό ὀρθοτονούμενον ἔμφασιν ὑπεροχῆς σημαίνει (ihn mit Emphase), das enklitische dagegen καὶ ἐπ᾽ εὐτελοῦς τινος τάσσεται. Ohne Zweifel findet diese Inklination auch an anderen Stellen statt z. B. Od. ρ, 367, ist aber nicht von unsern Scholiasten bemerkt worden, sowie auch bei den Akk. αὐτό, αὐτά niemand die Inklination erwähnt. Bei den Genetiv- und Dativformen von αὐτός, welche vier Zeitweilen haben, kann die Inklination zwar nicht stattfinden, doch darf man nach Apollon. 79, a, wenn auf ihnen kein Nachdruck liegt (ἐπὶ τῆς ἀπολελυμένης σημασίας), den Ton der perispomenierten Ultima nicht τρανότερον προφέρεσθαι, ἀλλ̓ ἀνιέναι, ὅπως τὸ τῆς ἐγκλίσεως σχῆμα φυλάσσηται.5)

Anmerk. 2. Eine ganz eigentümliche Art der Inklination, welche auf die Betonung des vorhergehenden Wortes keinen Einfluss hat, sondern im Inneren des inklinierten Wortes vor sich geht, findet nach der Lehre der alten Grammatiker (Apollon. Pr. p. 43, b. 79, a. 123 sq. 127, a. Arcad. p. 139, Eustath. ad Od. κ, 568 und sonst, s. auch die Scholiasten zu Homer) bei dem Gen., Dat. und Akk. Pl. von ἡμεῖς und ὑμεῖς statt, wenn auf diesen Worten kein Nachdruck liegt, indem sie ihren Ton von Ultima auf Paenultima bezw. von Paenultima auf Antepaenultima zurückziehen und im Dative (selten im Akkusative) die Ultima verkürzen (Apollon. de pr. p. 123 und 124): ἥμων, ὕμων, ἥμεων, ὕμεων (Schol. ad Il. ο, 494), ἧμιν (dor. ἇμιν), ὗμιν, ἧμας (ὗμας). Eine Zurückwerfung des Tones kann hier deshalb nicht geschehen, weil diese Formen vier Moren haben (vgl. oben a) über ἔασι), s. Bk. An. 1150, wobei also die Verkürzung in ἧμιν ἧμας unberücksichtigt bleibt. Über ἧμιν bei Homer vor einem Vokale vgl. Il. ρ, 415. 417. Od. k, 563. λ, 344 und sonst; am Ende des Verses Il. η, 352. Od. α, 166 und sonst (oft falsch ἡμῖν geschrieben); vor einem Konsonanten, als: Il. α, 579; oft steht aber unrichtig in den Ausg. ἡμῖν vor einem Konsonanten, als: Il. ο, 719. Od. β, 31. 95 u. a.; über ὗμιν vgl. Od. d, 94. k, 464. α, 373 und sonst; st. ὗμιν steht am Ende des Verses und vor Konsonanten häufig unrichtig ὑμῖν in den Ausgaben geschrieben; ἧμας nur Od. p, 372 μηδ᾽ ἧμας ὑπεκφύγοι; ὗμας nirgends bei Hom.; über ἧμιν bei Soph. vor einem Vokal vgl. Ai. 216. 733. Ph. 8. 465. El. 17. 41 u. s. w., vor einem Konsonanten Ai. 1224 und sonst; ὗμιν vor einem Vokal Aj. 864. 1264 und sonst, vor einem Konsonanten Ph. 1030. OC. 1612 und sonst; ἧμας und ὗμας steht nur vor Kons., als: Ai. 21. OC. 275. 325 und sonst, oder an ungleichen Stellen des Trimeters, als: Ai. 125. 1274 und sonst, also ist ας lang und ἥμας, ὕμας zu schreiben. Wenn aber Herodian (Schol. ad Il. α, 147) dort ἥμιν mit langer Ultima verlangt, so liegt ein Irrtum zu Grunde, da die Ultima vor einem digammierten Worte lang geworden ist; vgl. Od. m, 272 ὄφρ᾽ ὗμιν ϝείπω. Übrigens steht einem enklitischen ἥμῖν schliesslich so wenig etwas im Wege wie einem orthotonierten ἡμι?́ν, vgl. unten und § 165, 1. Geschrieben kommt diese Inklination jetzt nur bei Homer, den dorischen Dichtern, Sophokles und Aristophanes (Av. 386. Lys. 124. Plut. 286) vor;6) Aeschylus und Euripides scheinen die Verkürzung des ιν nicht angenommen zu haben, nur Eur. Ph. 766 ἓν δ̓ ἧμιν ἀργόν ἐστιν (aber Pors. mit einigen codd. ἓν δ̓ ἐστὶν ἡμῖν .), und Aesch. Eum. 347 im Chorl. ἐφ᾽ ἁμι?́ν, bei der orthotonierten Form. Umgekehrt sind bei den Attikern, auch bei Soph. und Aristophanes, die Beispiele eines ohne allen Nachdruck stehenden und folglich enklitischen ἡμῖν ὑμῖν gar nicht selten; vergl. z. B. Ar. Ach. 85 εἶτ᾽ ἐξένιζε, παρετίθει θ̓ ἥμιν ὅλους ἐκ κριβάνου βοῦς. Die Schreibart ἡμίν, ὑμίν, die sich öfter in den Handschriften und Ausgaben findet, wird bei inklinierten Formen mit Recht7) verworfen. Wenn aber diesen Pronomina ein Paroxytonon vorhergeht, so sollen sie diese Inklination nicht erleiden können (Arcad. p. 140), als: μεταμέλει ἡμῖν.

Anmerk. 3. Mehrere kleine Wörter, welche mit den Encliticis so verschmelzen, dass beide zusammen eine eigentümliche Bedeutung annehmen, werden auch in der Schrift insgemein als eine Einheit mit diesen dargestellt, als: εἴτε, εἴπερ, καίπερ, οὔτε, μήτε, ὥστε, ὥσπερ, οἴμοι, ὅστις, οἷόστε, ἤτοι, καίτοι, μέντοι, οὔτοι, μήτοι, und immer das Suffix δε, s. § 89, V.

Anmerk. 4. Ausser den angeführten Encliticis werden von einigen alten Grammatikern auch noch andere Wörter, aber nur in gewissen Verbindungen, als enklitisch betrachtet, nämlich: οὖν in οὔκουν, γοῦν in ἤγουν, γάρ in τοίγαρ, μάλα in πώμαλα, woher in aller Welt? = durchaus nicht; auch τάρ wird als Enklitika angeführt (Il. a, 8 τίς τάρ σφωε, s. d. Schol. ad Il. a, 65 εἴ ταρ, 93 οὔ ταρ.8(Smyth 181)

1 Vgl. Cauer, Curt. Stud. VII, 124 ff.

2 Vgl. Lehrs, quaest. ep. p. 120 sq.; Spitzner ad Il. a, 114. g, 128. i, 419. u, 305. φ, 174.

3 Mehr Beispiele bei Elmsl. ad Eur. Med. 1345.

4 Die einsilbigen πῶς, πῶ u. s. w. werden vielfach unrichtig oxytoniert, um sie von den Fragewörtern zu unterscheiden; aber beide sind dieselben Wörter, als Indefinita jedoch sind sie enklitisch; auch die alten Grammatiker führen sie als Perispomena an. S. Lehrs, Quaest. ep. p. 129.

5 Vgl. Lehrs, Quaest. ep., p. 124 sq.; Hermann Opusc. I, p. 330 sq. verwirft die Inklination von αὐτόν; aber gewiss mit Unrecht.

6 S. Ellendt, Lex. Soph. p. 192^{2} sq. 699, und besonders Skrzeczka im Archive für Phil. und Päd. 1831, S. 541 ff.

7 S. Ellendt, Lex. Soph. ll. dd.; Skrzeczka a. a. O., S. 556 f.; La Roche, Hom. Unters., S. 276 ff., Hom. Textkr. 274 ff.

8 S. Göttling, Accentl. S. 398; Lehrs, Quaest. ep. 131 sq.; Spitzner ad Il. α, 8; La Roche, Hom. Textkr. 359 f.

hide Display Preferences
Greek Display:
Arabic Display:
View by Default:
Browse Bar: