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Abteilung der Silben.1

Die Lehre von der Abteilung der Silben war ein Teil der Lehre von der Orthographie, und als solcher von Herodian in der für die Späteren massgebenden und von ihnen excerpierten Schrift περὶ ὀρθογραφίας behandelt. Aus den erhaltenen Excerpten2) ergeben sich zunächst folgende Regeln: 1) Ein Konsonant, welcher zwischen zwei Vokalen steht, gehört dem zweiten Vokale an, als: ἄ-γω, φέ-ρω, πρό-δο-τος; — 2) wenn der letzte Vokal eines Wortes in der Zusammensetzung mit einem anderen Worte elidiert ist, so wird der vorhergehende Konsonant mit dem nunmehr folgenden Vokale verbunden, als: ἀ-νέχω, κα-θυ-φαι-ρῶ, ἐ-πέρχομαι, ἐ-φύμνιον; ebenso bei getrennten Wörtern, zumal bei Präposition und Nomen (Pronomen), die man als getrennt kaum ansah, als: κα-τ᾽ ἐμοῦ, ἀ-π̓ ἐκείνου, ἐ-φ̓ ὅσον, γαλή-ν̓ ὁρῶ (§ 52, 2); — 3) wenn zwischen zwei Vokalen zwei oder drei Konsonanten stehen, mit welchen ein griechisches Wort anlauten kann (§ 57, I.), so werden die zwei oder drei Konsonanten mit dem folgenden Vokale verbunden, als: ἀ-σθενής, Δημο-σθένης, ὀλι-σθηρός (σθένος), ἄ-στρον (στρῶμα), τύ-πτω (πτύσσω), ὀ-σφύς (σφάττω), ὄ-γδοος (γδοῦπος), μέ-μνημαι (μνήμη), ὄ-ψομαι (ψάω), ἕ-ξω (ξαίνω); — 4) wenn aber die Konsonanten von der Art sind, dass sie nicht zu Anfang eines Wortes stehen können, so wird der erste Konsonant mit dem vorangehenden, der oder die folgenden Konsonanten mit dem folgenden Vokale verbunden, als: ἄλ-σος, ἄρ-σην, κέν-σαι, ἄρ-ξω, ἄν-θος, ἀγ-κὡν, ἔρ-χομαι, ἔρ-γμᾳ, ἀλ-κτήρ, σκαρ-θμός; — 5) die Präpositionen ἐξ, εἰς, πρός und das Präfix δυς verbinden in Zusammensetzungen ihre Konsonanten nicht mit einem darauf folgenden Konsonanten, als: ἐκ-φέρω. εἰσ-φέρω, προσ-φέρω, δύσ-μορφος; folgt aber ein Vokal darauf, so wird der Endkonsonant mit dem Vokale verbunden, als: ἐ-ξάγω, εἰ-σάγω, προ-σῳδία, προ-σελθεῖν, δυ-σάρεστος; — 6) keine Silbe lautet auf eine Aspirata aus; daher zu trennen: Βάκ-χος, Σαπ-φώ, Ἀτ-θίς, also auch ἔ-χθος, ἐ-χθρός.

In betreff der Zusammensetzungen war die Ansicht der alten Grammatiker geteilt, indem einige meinten, dieselben seien in der Fuge zu teilen, andere, wie Herodian (bei Priscian 2, § 3), es sei vernünftiger und wohlklingender für die Aussprache des Wortes die zusammengesetzten Wörter wie die einfachen zu behandeln, also nicht κυνόσ-ουρα, συν-έχω (ὥσ-περ, σακεσ-πάλος, κερασ-βόλος, φωσ-φόρος), sondern κυνό-σουρα, συ-νέχω (ὥ-σπερ, σακε-σπάλος, κερα-σβόλος, φω-σφόρος).

Bezüglich des ς mit folgendem Konsonanten ist grosser Streit gewesen, ob ς (in zusammengesetzten und unzusammengesetzten Wörtern) der vorigen oder der nachfolgenden Silbe zuzuteilen sei. S. Sext. Empiricus p. 638 Bk., der als Streitfall anführt, ob Ἀριστίων oder Ἀρι-στίων getrennt werden müsse. Entsprechend ist in den alten Handschriften (Papyrus) sowie den Inschriften hellenistischer und römischer Zeit, insofern auch in letzteren die Regel des Zeilenschlusses mit voller Silbe beobachtet wird, hinsichtlich des στ, σπ u. s. w. grosses Schwanken, jedoch so dass die Trennung des ς von τ u. s. w. überwiegt.3)

Im übrigen lassen sich die obigen Regeln teils nach vereinzelten Angaben von Grammatikern, teils und hauptsächlich nach der Praxis der Handschriften und Inschriften folgendermassen ergänzen bezw. berichtigen: a) nicht nur Konsonantengruppen, die im Anlaut vorkommen, bleiben im Inlaut zusammen, sondern auch solche, die nur inlautend sich finden, wofern nur nicht das erste Element eine Liquida ist, und ferner mit Ausnahme der Zusammensetzungen mit ἐκ (oben 1, 5). Also γμ, θμ, κμ, χμ, τν, φν u. a. sind nicht zu trennen. Vgl. Hephaestion p. 7 Westph. (der nicht nur Muta c. Liqu., sondern auch σμ, σλ [μάσλης], σν [Πάσνης, Μάσνης, lydische Eigenn.] ungetrennt der folgenden Silbe zuweist), Etymol. Magn. 249, 15 (σλ, σρ, σν), Anecd. Oxon. IV, 332 (θμ, φν, νδ, χμ, κμ, σγ, σδ), s. Herodian II, 396,4) und in Handschriften und Inschriften die stete Brechung wie πρᾶ-γμα5) b) Vereinigung von drei Konsonanten findet nur so statt, dass entweder der erste ς (s. jedoch oben 3), oder der letzte ρ ist (vgl. Her. II, 403), als βά-κτρον, κάτο-πτρον, ἐ-χθρός. c) ist der erste Konsonant von zweien oder mehreren eine Liquida, so lautet auf diesen die erste Silbe aus, als ἄν-θος, ἄν-θρωπος, ἄλ-σος, ἄλ-λος, ἄρ-χω. d) auf eine Muta kann eine Silbe nur auslauten, wenn diese Muta verdoppelt oder mit der zugehörigen Aspirata vorkommt, und ausserdem bei der Präposition ἐκ, die man auch in der Zusammensetzung mehrenteils absonderte (vgl. auch Hephaest. p. 8 Westph.). e) bei Zusammensetzungen ist die Praxis verschieden, so in der grösseren HHypereidesandschrift bald εἰ-σαγγελία, bald, und dies häufiger, εἰσ-αγγελία; desgl. auch bei den von uns getrennt geschriebenen, aber in der Aussprache eng verbundenen Wörtern, indem sich |κτούτου, |σδέ u. dgl. findet, aber keineswegs regelmässig. Ist jedoch Elision, so ist ἀ-πεστέλλετε u. dgl. (oben 1, 2) regelrecht, während ταῦ|τ̓οὐχ, οὐδ̓|ὅστις nebeneinander vorkommt. Endlich ist bei οὐκ, οὐχ der Konsonant stets dem nachfolgenden Vokale zugeteilt: οὐ|κἔστι, οὐ|χἥκιστα.6(Smyth 140)

Lesezeichen.

Als Anhang zu dem dritten Kapitel folgt hier eine Übersicht von Zeichen, deren sich die Schriftsprache teils zur Erleichterung des Lesens, teils zu anderen Zwecken bedient.

1 Vgl. K. E. A. Schmidt, Beitr. z. Gesch. d. Gr., S. 126 ff.

2 Bk. Anecd. III, 1127 f. Theodosius ed. Göttling (Excerptensammlung, die missbräuchlich Theodosius' Namen führt) p. 62 sq. und p. 41 sq. Timotheus Gaz. in Cram. Anecd. Paris. IV, 214 ff. (Lentz, Herodian II, 393 sqq.). Vgl. Egenolff, die orthogr. Stücke der byz. Litteratur, Progr. Heidelberg 1888.

3 Blass, Ausspr.^{3} 89.

4 Nach Herodian II, 394, 30 (Timotheos) u. 397, 27 auch λα-κπάτητος, λά-γβατος.

5 Ausspr. S. 87. Bei Herodian vgl. das von ihm empfohlene φθέγγμα st. φθέγμα (II, 404), unzweifelhaft φθέγ-γμα zu syllabieren.

6 Ausspr. S. 126 f.; Lipsius, Unters. über d. bibl. Gräc. 121 f.

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