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Einleitung.

344. Sprache. Gegenstand der Grammatik.

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Die Sprache ist der Ausdruck der Gedanken. Ein Gedanke entsteht in unserer Seele dadurch, dass Begriffe teils auf einander, teils auf den Redenden bezogen und zu einer Einheit verbunden werden. Tritt der Gedanke in die Erscheinung und nimmt gleichsam einen Körper an, d. h. wird der Gedanke durch die Sprache ausgesprochen, so werden die Begriffe durch Wörter bezeichnet, welche einen stofflichen Inhalt haben, und die Beziehungen teils durch die Flexion der Wörter, teils durch besondere Wörter, welche die Formen unserer Anschauung und unseres Denkens ausdrücken, als: Pronomina, Zahlwörter, Präpositionen und Konjunktionen. Die Begriffe bilden nur den Stoff des Gedankens, Seele und Leib aber wird dem Stoffe erst durch den Akt der Verbindung der Begriffe zu einer Einheit eingehaucht.

Da die Sprache Ausdruck der Gedanken ist, die Gedanken aber durch Sätze ausgedrückt werden, so springt in die Augen, dass die Grammatik nichts anderes ist als Satzlehre. Da nun ferner die Sprache nicht durch eine äussere künstliche Zusammensetzung des Einzelnen zu einem Ganzen, wie wir eine solche bei menschlichen Kunstgebilden sehen, entstanden ist, sondern sich mit ihrer ganzen Mannigfaltigkeit von Wort- und Redeformen, wie ein organisches Erzeugnis, aus einer Einheit von Innen heraus in naturgemässer Entwickelung gebildet hat2): so ergiebt es sich von selbst, welche

Aufgabe die Grammatik zu lösen hat. Diese Aufgabe besteht nämlich darin, dass sie von dem Satze in seiner einfachsten und ursprünglichsten Form ausgehe und darlege, wie sich diese Urform des Satzes allmählich in naturgemässem Fortschreiten bis zu dem Vollendetsten der Sprachdarstellung, der Periode, ausgebildet hat, und wie sich mit dieser Entwickelung des Satzes zugleich alle Erscheinungen der Sprache in ihren mannigfaltigen Formen entwickelt haben. Um aber den reichen Stoff der Grammatik übersichtlicher darzustellen, teilt man dieselbe in zwei Hauptteile, von denen der erstere das Wort und seine Formen für sich, der letztere aber das Wort und seine Formen in dem Satze selbst betrachtet. (Smyth 900)

345. Entwickelung der Redeteile und ihrer Formen aus dem Satze.

Die notwendigsten Bestandteile eines Satzes sind das Subjekt, d. h. der Gegenstand, von dem etwas ausgesagt (prädiziert) wird, und das Prädikat, d. h. das, was von dem Subjekte ausgesagt wird, das Subjekt ist ein Substantivbegriff, das Prädikat ein Verbalbegriff als: ῥόδον θάλλει, rosa floret. Das Subjekt kann aber in dem Prädikate eingeschlossen liegen, indem es durch die Personalendung des Verbs ausgedrückt wird, als: φη-μί. Und diese in dem blossen Verb bestehende Form des Satzes muss als die ursprünglichste angesehen werden. Vgl. Bekk. An. II, p. 844 τοῦ ῥήματος προγενεστέρου ὄντος τῇ φύσει: ἀεί γὰρ τὰ πράγματα τῶν οὐσιῶν προγενέστερά εἰσι. (Smyth 902)

Die Äusserungen oder Merkmale der Dinge mussten aber bald als etwas von den Dingen selbst Verschiedenes erkannt werden. Denn dasselbe Merkmal, z. B. blühen, wurde nicht bloss bei der Blume, sondern auch bei vielen anderen Gegenständen bemerkt, z. B. der Baum, die Wiese blüht. So musste sich das Merkmal als etwas von dem Dinge Verschiedenes in der Vorstellung trennen. Das Merkmal, das an einem Dinge am meisten in die Sinne fiel und das Innere des Menschen am kräftigsten erfasste, wird nun der Name des Dinges und erhält eine besondere Form. Dieses so gebildete Wort wird, da es ein selbständiges Wesen, eine Substanz bezeichnet, Substantiv genannt.

Das Merkmal, das durch das Verb von einem Gegenstande ausgesagt und ihm beigelegt wird, erscheint als eine lebendige Äusserung der Thätigkeit. Ursprünglich mögen alle Merkmale oder Eigenschaften der Dinge als lebendige Thätigkeitsäusserungen aufgefasst und durch Verben ausgedrückt worden sein. Die Wahrnehmung aber, dass die Merkmale der Dinge sich nicht bei allen auf gleiche Weise verhalten, sondern einige derselben sich gleichsam in einem ewigen Flusse, andere hingegen in einem ruhigen und beharrlichen Zustande befinden, erzeugte das Adjektiv, das sich von dem Verb dadurch unterscheidet, dass es nur die Eigenschaft ausdrückt, während das Verb zugleich die Kraft der Aussage enthält und dadurch die Eigenschaft als eine lebendige Thätigkeitsäusserung hervortreten lässt. Soll nun von einem Subjekte eine Eigenschaft durch das Adjektiv prädiziert werden, so verbindet die Sprache das Adjektiv mit dem Verb εἰμί (st. ἐσ-μί, sk. as-mi, l. (e)sum), das eigentlich atme, lebe, bin vorhanden3) bedeutet, die Dichtersprache auch mit dem Verb πέλω, πέλομαι, das eigentlich bewege mich, oder mit ἔφυν (sk. bhavmi, entstehe, l. fu-i), das eigentlich wuchs, oder mit τελέθω, das eigentlich sprosse bezeichnet, also ῥόδον καλόν ἐστιν, πέλει, πέλεται, ἔφυ, τελέθει, eigentlich die Rose atmet, lebt, besteht, bewegt sich, wuchs, sprosst (als eine) schöne.4) Die konkrete Bedeutung dieser Verben hat sich aber durch den häufigen Gebrauch mehr und mehr abgeschwächt, so dass sie zuletzt nur den allgemeinen, abstrakten Begriff der Existenz (sein) und nur die Form der Aussage ohne den konkreten Inhalt des Ausgesagten ausdrücken. Da sie in dieser Verbindung gewissermassen die Stelle der Verbalflexion vertreten, durch welche die Aussage des Satzes bezeichnet wird (vgl. ῥόδον θαλερόν ἐστιν und . θάλλει), so nennt man sie Aussagewörter, auch Copulae, insofern sie das prädikative Adjektiv mit dem Subjekte verbinden. Sowie das Adjektiv, so kann auch das Substantiv als Prädikat durch das Aussagewort auf das Subjekt bezogen werden, als: Κῦρος βασιλεὺς ἦν, Τόμυρις βασίλεια ἦν (vgl. K. ἐβασίλευεν). (Smyth 912, 917, 918)

Die Form des Substantivs, in der es als Subjekt auftritt, wird Nominativ genannt. Da ein Gegenstand bald einzeln, bald in der Mehrheit erscheint, so bildete sich mit dem Begriffe eines Gegenstandes auch der Begriff der Zahl und in der Sprache sowohl an dem Subjekte als an dem von ihm ausgesagten Prädikate eine besondere Form für die Einzahl, eine andere für die Mehrheit und im Griechischen wie in vielen anderen Sprachen auch eine dritte für die Zweiheit. Zu gleicher Zeit entwickelte sich an dem Subjekte der Gegensatz des persönlichen Geschlechtes zu dem unpersönlichen oder sächlichen, indem man die Gegenstände entweder nach ihren Äusserungen als persönliche, lebende Wesen oder als blosse leblose Sachen, aller Persönlichkeit entbehrend, auffasste und zur Bezeichnung dieses Gegensatzes eine Form für das persönliche und eine andere für das unpersönliche Geschlecht schuf. Der natürliche Geschlechtsunterschied bei Menschen und Tieren, den dann die Phantasie auch auf andere persönliche oder als persönlich aufgefasste Dinge übertrug, rief die weitere Scheidung des persönlichen Geschlechts in ein männliches und ein weibliches hervor.

Die Beziehung des Prädikates auf das Subjekt und die Verknüpfung beider zu der Einheit eines Gedankens wird dadurch bezeichnet, dass das Prädikat in seiner Form mit dem Subjekt kongruiert. Diese Kongruenz der Form wird an dem Verb durch die Personalendungen, an dem Adjektive durch die das Geschlecht und die Zahl des Subjektes ausdrückende Nominativform bezeichnet. Die Adjektive haben entweder nur eine Form für das persönliche (männliche und weibliche) Geschlecht, oder Eine Form für das persönliche und eine andere für das sächliche Geschlecht, oder eine Form für das männliche, eine zweite für das weibliche und eine dritte für das sächliche Geschlecht.

Die von dem Subjekte ausgesagte Thätigkeitsäusserung kann verschieden gedacht werden, indem dieselbe entweder von dem Subjekte ausgeht, oder von dem Subjekte ausgeht und wieder auf dasselbe zurückgeht, oder von dem Subjekte so aufgenommen wird, dass es leidend erscheint. Das Bedürfnis diese drei Arten des Verbalbegriffs durch drei besondere Formen, Aktiv, Medium und Passiv, zu bezeichnen, mag sich erst später fühlbar gemacht haben. Anfänglich wird sich die Sprache mit der je nach der Bedeutung des Wortes bald transitiven, bald intransitiven aktiven Form begnügt haben. Die passive Form hat sich im Griechischen, wie in anderen Sprachen, zuletzt und nur unvollkommen entwickelt, indem zum Ausdrucke derselben teils die mediale, teils mit gewissen Abänderungen die aktive verwendet wurde: τύπτομαι, ich schlage mich und ich werde geschlagen, ἐ-τύπ-ην, ich ward geschlagen, vgl. ἔ-στη-ν.

Die auf das Subjekt bezogenen Thätigkeitsäusserungen sind ferner nicht etwas Bleibendes, Beharrliches, Feststehendes, sondern etwas Bewegliches, Veränderliches, Flüssiges, in der Zeit Befindliches. Indem nun der Redende dieselben auf seine Gegenwart bezieht, bilden sich in seinem Geiste die Vorstellungen von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft und in der Sprache die Zeitformen des Verbs. Die vollständige Entwickelung der Zeitformen ist nur ganz allmählich vor sich gegangen, vgl. §§ 220 ff. Zuerst musste sich dem Geiste der Gegensatz der Gegenwart zu der Vergangenheit bemerkbar machen, und so entstand eine Zeitform für die Gegenwart und eine für die Vergangenheit, Präsens und Präteritum. Die Präsensform diente wohl zunächst zugleich zur Bezeichnung der Zukunft, wie sich noch manche Präsensformen mit Futurbedeutung erhalten haben, als: βέομαι oder βείομαι, werde leben, δήω, werde finden, κείω und κέω, will liegen, ἔδομαι, werde essen, πί-ομαι, werde trinken, χέω, werde giessen (s. § 227, 6).

Das Verhältnis des Redenden zu den auf das Subjekt bezogenen Thätigkeitsäusserungen findet seinen Ausdruck in den Modusformen, deren es im Griechischen vier giebt: Der Indikativ stellt die Handlung als thatsächlich vorhanden hin, der Konjunktiv als erwartet oder gewollt, der Optativ als vorgestellt oder gewünscht, der Imperativ als befohlen.5

Der aus Subjekt und Prädikat bestehende Satz kann sich erweitern. Das Subjekt tritt durch sein Prädikat zu einem Gegenstande in ein kausales Verhältnis. Zur Bezeichnung desselben hat die griechische Sprache drei Kasusformen: Akkusativ, Genetiv und Dativ, zu denen noch eine besondere Kasusform zur Bezeichnung der angeredeten Person, der Vokativ, hinzutritt. Der Vokativ, als Ausdruck einer Willensregung ist vielleicht die älteste Kasusform; daher er auch meistens ohne Kasuszeichen in der reinen oder nach Wohllautsgesetzen abgeschliffenen Stammform des Wortes erscheint (§ 100, 2). Auch der Begriff einer Thätigkeitsäusserung kann zu dem Prädikate als Objekt treten. Zu diesem Zwecke bildete die Sprache eine besondere Form eines indeklinabeln Substantivs, indem dem Verbalstamme eine substantivische Form, die Infinitiv genannt wird, gegeben wurde, als ἀκου-έμεναι, ἐπι-θυμῶ ἀκουέμεναι, ἀκούειν. Diese ursprünglich zur Bezeichnung eines Objektes gebildete Verbalform wurde später auch als Subjekt und in Verbindung mit dem Aussageworte als Prädikat gebraucht. Ausser den Kasusformen hat die Sprache eine besondere Wortart geschaffen, durch welche die Art und Weise, wie die Thätigkeitsäusserung des Subjekts geschieht, angegeben wird. Man nennt sie Adverb. Insofern die angegebenen Bestimmungen des Prädikates demselben gegenüberstehen und so gleichsam als Objekte erscheinen, wird das hieraus entstandene Satzverhältnis das objektive genannt.

Bei dem weiteren Fortschreiten der Sprache entwickelt sich ein neues Satzverhältnis, das attributive, indem das Prädikat mit seinem Subjekte zu einer Begriffsbezeichnung verschmilzt. Bei diesem Vorgange muss natürlich die Aussage des Satzes wegfallen. Ist daher das Prädikat durch eine Verbalform ausgedrückt, so bildet die Sprache aus dem Verbalstamme eine neue adjektivische Form, welche Partizip genannt wird. So wird z. B. aus ῥόδον θάλλειῥόδον θάλλον. Ist aber das Prädikat durch ein Adjektiv mit dem Aussageworte εἶναι ausgedrückt, so wird dieses weggelassen. So wird z. B. aus ῥόδον καλόν ἐστιῥόδον καλόν. Während in dem Satze die Bezeichnung der Eigenschaft als erst geschehend erscheint, erscheint sie in dem attributiven Satzverhältnisse als bereits geschehen. Das attributive Adjektiv und das attributive Partizip unterscheiden sich dadurch von einander, dass das erstere die Eigenschaft (das Attribut) als eine in Ruhe an dem Gegenstande haftende, das letztere als eine bewegliche darstellt, indem es dieselbe entweder als in der Entwickelung begriffen oder als vollendet und entweder als handelnd oder als leidend durch verschiedene Formen bezeichnet. Da das attributive Adjektiv oder Partizip mit einem Subjekte zu einer Begriffsbezeichnung verschmilzt, so bezeichnet die Sprache diese innige Verbindung dadurch, dass sie dasselbe mit der Form des Subjektes in Kasus, Genus und Numerus kongruieren lässt, und da ein Attribut nicht allein einem Subjekte, sondern auch einem Objekte beigelegt werden kann, so hat die Sprache auch für das Adjektiv und Partizip ausser dem Nominative die übrigen Kasus gebildet. Auch das durch ein Substantiv und die Aussage ausgedrückte Prädikat (Κῦρος ἦν βασιλεύς) kann nach Weglassung der Aussage zu einem Attributive eines Substantivs (Κῦρος βασιλεύς), das Apposition genannt wird, gemacht werden. Endlich kann auch durch den Genetiv eine attributive Bestimmung ausgedrückt werden, indem das Prädikat die Form eines Substantivs annimmt (πατρὸς φιλία, Liebe [des] Vaters, väterliche Liebe, entstanden aus πατὴρ φιλεῖ, oder Liebe zum Vater, entstanden aus φιλῶ πατέρα).

Zuletzt haben wir noch eine Spracherscheinung zu erwähnen, die das Adjektiv und das davon abgeleitete Adverb betrifft. Eine Eigenschaft kann einer Person oder Sache oder einer Thätigkeitsäusserung entweder in einem höheren Grade als an einer anderen oder in dem höchsten Grade unter allen übrigen zukommen. Zur Bezeichnung dieses Verhältnisses der Vergleichung (Komparation) schuf die Sprache zwei besondere Formen des Adjektivs und des Adverbs, den Komparativ und den Superlativ, denen der Gegenstand der Vergleichung im Griechischen im Genetive hinzugefügt wurde. Das Verb ist an sich einer solchen Steigerung nicht fähig, doch giebt es, wie wir § 349^{b} sehen werden, einige Verben, die von Komparativen und Superlativen abgeleitet sind und gleiche Konstruktion mit diesen haben.

Aus der gegebenen Erörterung sehen wir, dass aus dem Satze sich vier unterschiedene Wortarten nebst ihren Formen: Substantiv, Verb, Adjektiv und Adverb, entwickelt haben. Alle vier sind aus der sinnlichen und geistigen Anschauung des Menschen hervorgegangen und haben einen stofflichen Inhalt. Man nennt daher diese Wörter Stoff- oder Begriffswörter (φωναὶ σημαντικαί Aristot. poet. 20). Aber der denkende Geist dringt allmählich mehr und mehr in das Verhältnis der Dinge ein; er erkennt räumliche, zeitliche, kausale und modale Verhältnisse, welche sich nicht durch jene vier Wortarten ausdrücken lassen, und schafft daher zur Bezeichnung dieser Verhältnisse neue Wörter, die, da sie nicht Gegenstände der Wahrnehmung darstellen, sondern nur Anschauungs- und Denkformen bezeichnen, d. h. formelle Verhältnisse, unter denen der Redende die Dinge anschaut oder denkt, Formwörter (φωναὶ ἄσημοι) genannt werden.6) Die sogenannten Interjektionen sind weder Begriffsnoch Formwörter, sondern blosse artikulierte Empfindungslaute.

Zu den Formwörtern gehören:

a) Die Pronomina oder Deutewörter, welche die Dinge nicht nach ihrem stofflichen Inhalte, sondern nur nach ihren formellen Verhältnissen in Beziehung auf den Redenden bezeichnen. Der durch das Pronomen dargestellte Gegenstand bezieht sich nämlich entweder auf den Redenden selbst oder auf den Angeredeten oder auf ein Drittes, das dem Redenden gegenübersteht. Die Pronomina zerfallen in substantivische, adjektivische und adverbiale und können daher im Satze die Stelle des Subjekts, des Objekts, des Attributivs und in Verbindung mit dem Aussageworte auch des Prädikats einnehmen. Die adverbialen Pronomina bezeichnen meistens ein Ortsverhältnis, als: ἐνταῦθα, ἐκεῖ u. s. w., seltener ein Zeitverhältnis, als: τότε, oder die Art und Weise, als: οὕτως, ὧδε.

b) Die Adverbien des Ortes, der Zeit, der Intensität oder des Grades, der Quantität, der Modalität, als ἄνω, κάτω; νῦν, χθές; σφόδρα, μάλα; πολύ, πολλάκις, δίς; οὐ, μή, , ναί, μήν u. s. w.

c) Die Präpositionen, welche das Verhältnis des Raumes, der Zeit, der Ursache, der Art und Weise, in dem ein Gegenstand zu dem Prädikate steht, bezeichnen, als: οἰκεῖ ὑπὸ γῆς; ἐξ ἡμέρας ἐπορεύθη; ὑπ᾽ ἀνανδρίας ἀπέφυγεν; διὰ σπουδῆς ἐμαχέσαντο. Die Präpositionen sind ursprünglich Ortsadverbien, wie sie noch häufig, namentlich in den Homerischen Gedichten, gebraucht werden.

d) Die Konjunktionen, welche zur Verbindung der Sätze dienen, wie καί, τέ, ὅτε u. s. w.

e) Die Zahlwörter, welche das Zahlverhältnis ausdrücken, in dem ein Gegenstand zu dem Redenden steht. Mit Ausnahme der vier oder fünf ersten haben sie sich gewiss unter allen Redeteilen am spätesten entwickelt, da der Begriff der Zahl etwas rein Abstraktes ist, und ihre Bezeichnung daher ein schon weit fortgeschrittenes Sprachbewusstsein voraussetzt.7

f) Das Verb εἶναι, wenn es nicht einen konkreten Verbalbegriff, wie vorhanden sein, leben, verweilen, bezeichnet, sondern nur als Aussagewort zur Verknüpfung des Prädikates mit dem Subjekte dient und die Stelle der Flexionsendungen des Verbs vertritt (s. §§ 345, 3. 350, 2. 353); so auch einige andere Verben, wie δύνασθαι, χρή, δεῖ, welche Modalbeziehungen der Möglichkeit und Notwendigkeit ausdrücken.

Wir haben bisher gesehen, wie die wandelbaren Beziehungen der Wörter (die grammatischen Verhältnisse) teils durch die Flexion, teils durch Formwörter bezeichnet werden. Aber auch nach einer anderen Seite zeigte sich der Sprachgeist thätig, indem er aus schon vorhandenen Wörtern neue bildete, welche sich von ihren Stammwörtern hinsichtlich des Begriffes sowohl als der Form unterscheiden. Dieser Bildungsvorgang besteht darin, dass das Stammwort teils im Inneren eine lautliche Veränderung erfährt, teils eine besondere Endung annimmt, wie τρέφ-ω, τροφ-ή, τροφ-έω, τρόφ-ημα, τρόφ-ις, τρόφιμος, τροφ-εύς, τροφ-εῖον. Bei fortschreitender Geistēsentwickelung geht die Sprache so weit, dass sie sogar ganze Satzverhältnisse durch ein einziges Wort (zusammengesetztes Wort) auszudrücken sucht, wie wir § 338 gesehen haben.

Der aus dem objektiven und attributiven Satzverhältnisse bestehende Satz kann sich dadurch zu einem grossen Umfange erweitern, dass sich die objektiven und attributiven Bestimmungen mit neuen objektiven und attributiven Bestimmungen verbinden, als: τῶν Ἑλλήνων ἀπὸ τῶν Περσῶν λαμπρῶς γενομένη νίκη οὔποτε τῷ χρόνῳ ἐξ ἀνθρώπων μνήμης ἐξαλειφθήσεται. Endlich kann auch ein Satz mit einem anderen verbunden werden. So lange der Mensch auf der untersten Stufe geistiger Entwickelung steht, spricht er seine Gedanken in einzelnen Sätzen nach einander aus, ohne den inneren Zusammenhang und die wechselseitige Beziehung der Gedanken auch äusserlich in der Form darzustellen. Bei fortschreitender Entwickelung des geistigen Lebens aber gelangt der Mensch zu der Erkenntnis, dass die an einander gereihten Gedanken in einem inneren Zusammenhange zu einander stehen, und es erwacht in ihm das Bedürfnis diesen inneren Zusammenhang auch äusserlich durch die Rede darzustellen. So entstehen die sogenannten Konjunktionen, d. h. Wortgebilde, welche die Verbindung der dem Inhalte nach zusammengehörigen Sätze und die Einheit des durch sie ausgedrückten Gedankens bezeichnen, als: τέ, καί, δέ, μέν, οὐδέ, οὔτε . . οὔτε, γάρ, ἄρα, οὖν u. s. w. Die Verbindungsweise der Sätze bestand jedoch anfänglich nur darin, dass die vorher ohne alles Band neben einander stehenden Sätze jetzt mittels der angegebenen Konjunktionen an einander gereiht und dadurch enger zusammengehalten wurden.

Aber der allmählich immer tiefer in das Reich der Gedanken eindringende und nach Klarheit strebende Geist musste erkennen, dass zwischen den auf jene Weise an einander gereihten Gedanken ein wesentlicher Unterschied obwaltet, insofern sie sich entweder so zu einander verhalten, dass der eine neben dem anderen eine gewisse Selbständigkeit behauptet, oder so, dass der eine den anderen nur ergänzt oder bestimmt, der eine als ein unselbständiges und abhängiges Glied des anderen hervortritt und von diesem getragen wird. Um die innige Verbindung des abhängigen Gedankens mit dem denselben tragenden Gedanken zu bezeichnen, wandte die Sprache sinnreich teils das Relativ an, teils bildete sie aus dem Relative besondere Konjunktionen, wie ὅτι, ὡς, ὅπως, ἵνα, ὅτε u. s. w. Auf diese Weise hat sich der aus einem Hauptsatze und einem Nebensatze zusammengesetzte Satz entwickelt. Die Nebensätze entsprechen nach ihrem grammatischen Verhältnisse teils dem Substantive als Subjekt und Objekt, teils dem attributiven Adjektive, teils dem Adverb oder einem adverbialen Ausdrucke und werden daher Substantiv-, Adjektiv- und Adverbialsätze genannt.8) Man vgl. ἠγγέλθη, ὅτι οἱ Ἕλληνες ἐνίκησαν mit τῶν Ἑλλήνων νίκη ἠγγέλθη; οἱ πρέσβεις ἐπήγγειλαν, ὅτι οἱ . ἐνίκησαν mit οἱ πρέσβεις ἐπήγγειλαν τὴν τῶν . νίκην; οἱ Ἕλληνες ἐπολιόρκησαν τὴν πόλιν, ἣν οἱ πολέμιοι ᾑρήκεσαν mit οἱ . ἐπολιόρκησαν τὴν ὑπὸ τῶν πολεμίων ἑαλωκυῖαν πύλιν; οἱ πολέμιοι ἀπέφυγον, ὅτε ἡμέρα ἐγένετο mit οἱ π. ἅμ᾽ ἡμέρᾳ ἀπέφυγον. Die einzelnen Glieder eines Nebensatzes können nun wieder Nebenbestimmungen annehmen, ja sich selbst wieder zu Nebensätzen entwickeln, und so entsteht die Periode.

Das Verb ist also, da i[nring] ihm zuerst der Satz sich in seiner einfachsten Form dargestellt und sich von da aus stufenweise bis zur Periode, die, kunstmässig ausgebildet, die schönste und vollendetste Schöpfung des Sprachgeistes ist, entwickelt hat, als die Wurzel anzusehen, aus welcher der ganze Sprachbaum mit allen seinen unendlichen und wunderbaren Verzweigungen auf organische Weise emporgewachsen ist.


Bemerkungen über einige Eigentümlichkeiten der griechischen Sprache im Gebrauche der Substantive.

346. a) Metonymischer Gebrauch der Substantive.

Ehe wir zu der Syntaxe selbst übergehen, wollen wir über einige Eigentümlichkeiten der griechischen Sprache im Gebrauche der Substantive, Adjektive, Adverbien und Verben einige Bemerkungen vorausschicken, die grösstenteils mehr der Rhetorik als der Grammatik angehören. Wir meinen zuerst den metonymischen Gebrauch der Substantive, sodann die prägnante Bedeutung abstrakter Substantive, drittens gewisse Eigentümlichkeiten in dem Gebrauche des Numerus der Substantive, endlich die Komparation des Adjektivs, des Adverbs und des Verbs.

Die Übertragung des abstrakten Begriffes auf den konkreten (Metonymie) findet sich im Griechischen sehr häufig. Namentlich liebt die Dichtersprache diese Ausdrucksweise, die der Rede mehr Würde, Glanz und Nachdruck verleiht. So bei Homer: γένος, γόνος, *e, 635 u. s., *z, 180 δ̓ ἄρ᾽ ἔην θεῖον γένος οὐδ᾽ ἀνθρώπων. Vgl. *i, 538. *t, 124. d, 63. p, 401; so auch γενεή *f, 191; χαίρετε, Λυγκῆος γενεή Hs. sc. 327. Pind. P. 4. 136; γενέθλη hymn. Apoll. 136 Διὸς Λητοῦς τε γενέθλη, S. El. 129. 226, oft b. späteren Epikern;9) λόχευμα st. παῖς Eur. Ph. 803. 101910); γένεσις, Stammvater, (vgl. lat. origo); Ὠκεανόν τε, θεῶν γένεσιν Ξ, 201, vgl. 246; ὁμηλικίη, aequalis, g, 49; κήδευμα, affinis, S. OR. 85, ubi v. Wunder. Eur. Or. 477; τέκνα, Κάδμου τοῦ πάλαι νέα τροφή S. OR. 1, ubi v. Wunder; μηκάδων ἀρνῶν τροφαί Eur. Cy. 189; ξυγγένεια πατρὸς ἐμοῦ, Verwandter, Eur. Or. 1233; κάκ᾽ ἐλέγχεα, feige Memmen, *b, 235; φράζεο νῦν, μή τοι τι θεῶν μήνιμα γένωμαι, ein Groll werde, Groll errege, *x, 358. l, 73; κατά-παυμα = καταπαυστικός Ρ, 38; bei den Tragikern und anderen Dichtern von Personen: πόνος, στύγος (Aesch. Ch. 1028), μῖσος (S. Ant. 760), μίσημα (S. El. 289), ἄτη, πῆμα, νόσος, ἔρις, μῆνις, μῆτις, τιμαί, φῶς, ποίμνη (Eur. El. 725) u. a.;11) ferner häufig bei den Trag.: ἁγεμόνευμα st. ἡγεμών, νύμφευμα st. νυμφή, μίασμα (Aesch. Ch. 1028), ὕβρισμα, βόσκημα, κώκυμα, ζηλώματα, πρεσβεύματα (Eur. Suppl. 173), dann die Schmähwörter in der Tragödie, Komödie u. zuweilen in der Prosa: τρῖμμα, παιπάλημα, ἄλημα, durchtriebener, verschmitzter Mensch, λάλημα S. Ant. 320, σόφισμα, κῦρμα, τρῖμμα, παιπάλημ᾽ ὅλον Ar. Av. 430, δούλευμα S. Ant. 750, δήλημα Aesch. fr. 121, ἀπαιόλημα Aesch. Ch. 1002, κρότημα, Zungendrescher, περίτριμμα δικῶν od. ἀγορᾶς, verschmitzter Rechtsgelehrter, Ar. N. 447. Dem. 18.127, κάθαρμα, Auswurf, Scheusal, ib. 128, φθόρος, wie l. pernicies st. homo perniciosus, Ar. eq. 1151, γέλως S. OC. 902; Μηδείαν, τὰν Πελίαο φόνον Pind. P. 4, 250, Mörderin. Seltener in gutem Sinne, als: μέλημα, Liebling, Aesch. Ch. 235, Pind. P. 1.0, 59.

Aus der attischen Prosa gehören hierher: λῆρος, nugae st. nugator P. Theaet. 176d, Charm. 176, a, ὄλεθρος wie φθόρος nr. 2, ὀλέθρου Μακεδόνος Dem. 9.31, ὄλεθρος γραμματεύς 18, 127, auch Hdt. 3.142 extr.; ganz gewöhnlich βίος, Lebensmittel; τι ὄφελός ἐστι, tüchtige Menschen, παμπληθεῖς ἀπέκτειναν ἀνθρώπους καὶ τι περ ὄφελος ἦν τοῦ στρατεύματος X. H. 5.3.6 (so schon bei Hom. *n, 236, Ρ, 152); poet. u. pros. τὸ ἄνθος, wie l. flos, τὸ Περσῶν δ̓ ἄνθος οἴχεται Aesch. P. 252, vgl. 59, τι ἦν αὐτῶν ἄνθος, ἀπωλώλει Th. 4, 133, ubi v. Stahl [vgl. Hdt. 9.31 τι μὲν ἦν αὐτῶν δυνατώτατον (Kerntruppen); πᾶν ἀπολέξας]; πρᾶγμα,12) eine Persönlichkeit, Λάκριτος μέγα πρᾶγμα, Ἰσοκράτους μαθητής Dem. 35.16, vgl. Hdt. 3.132; bei d. Historikern und Rednern vorzüglich die Sammelnamen: πρεσβεία st. πρέσβεις, συμμαχία st. σύμμαχοι, ὑπηρεσία st. ὑπηρέται, wie remigium, ἑταιρία, δουλεία (Th. 5.23 u. s.), φυγή st. φυγάδες (Th. 8.64. Isocr. 8.123. X. H. 5.2.9 u. s.), φυλακή st. φύλακες, ἡλικία st. ἥλικες, συγγένεια, θεραπεία, ἀκολουθία,13) νεότης, wie iuventus (Th. 2.8), u. a. Auffallender sind Beispiele, wie τὴν πόλιν παίδευσιν εἶναι τῆς Ἑλλάδος, magistram, Th. 2.41; κοιμᾶσθαι ἐγγυτάτω τοῦ πόθου, Gegenstandes der Sehnsucht, P. Phaedr. 252a; τὴν θυγατέρα, δεινόν τι κάλλος καὶ μέγεθος (eine Schönheit ersten Ranges) X. C. 5.2.7; die Anrede φιλότης, o mi care, P. Phaedr. 228d, ubi v. Stallb.

Selbst konkrete Sachnamen werden zuweilen auf Personen bezogen, als: πῦρ σὺ καὶ πᾶν δεῖμα S. Ph. 927. ὡνὴρ ὄξος ἅπαν Theocr. 15, 148. τὸν γέροντα τύμβον Eur. M. 1209, ein Grab (πλησίον ὄντα τοῦ θανάτου καὶ τοῦ τάφου, s. das. Pflugk); ἐρᾶν ὡραίας σοροῦ Ar. V. 1365 v. e. alten Weibe. Φιλημάτιον, τὴν σορόν Luc. d. mer. 11, 3. Auf ähnliche Weise wird bisweilen der Name eines Ortes statt der daselbst befindlichen Personen gesetzt, wie θέατρον st. θεαταί. Hdt. 6.21 ἐς δάκρυα ἔπεσε τὸ θέατρον, das ganze Theater brach in Thränen aus. P. Criti. 108b τὴν τοῦ θεάτρου διάνοιαν. Th. 3.2 Λέσβος ἀπέστη ἀπ᾽ Ἀθηναίων, βουληθέντες κτλ. ib. ξυνοικίζουσι τὴν Λέσβον ἐς τὴν Μιτυλήνην. c. 4 Λέσβῳ πάσῃ πολεμεῖν; so Σίδων st. Σιδώνιοι, Ἄβυδος st. Ἀβυδηνοί u. s. w. Häufiger wird, wie auch im Lateinischen, der Name der Bewohner statt des Ortsnamens gesetzt, als: Φωκέων στρατευσάντων ἐς Δωριᾶς, τὴν Λακεδαιμονίων μητρόπολιν Th. 1.107, ubi v. Stahl; ἐπορεύθησαν εἰς Ταόχους X. A. 4.7.1; εἰς Πέρσας Cy. 8. 5, 20; αὐτοῖς ἐν Βοιωτοῖς περιμείνασι Th. 1.107. 4, 108; τὴν πλησίον χώραν ἔφη εἶναι Χάλυβας X. A. 4.5.34.

Andere metonymische Ausdrücke sind folgende: μάχη oft v. d. Kampfplatze, z. B. X. A. 2.2.6; ἵνα σφ᾽ ἀγορή τε θέμις τε Λ, 807 Versammlungsplatz und Gerichtsstätte; εἰς μίασμ᾽ ἐλήλυθας Eur. Hipp. 946 zur Stätte deines Frevels; (auch Lys. 6.19 ist nichts zu ändern: ἀφικόμενος εἰς τὰ ἁμαρτήματα an die Stätte seiner Verbrechen); θῶκος, Sitz statt Sitzung, Versammlung b, 26, ο, 468. Hdt. 6, 63; ψῆφος, Ort der Abstimmung Eur. I. T. 945, 969. Ähnlich vielleicht ἐν τοῖν δυοῖν ὀβολοῖν ἐθεώρουν, Dem. 18.28 auf dem Zweiobolenplatze. Oft, wie im Lat. arma, armatura u. a. die Waffen st. der Waffenträger: τὰ ὅπλα st. οἱ ὁπλῖται X. A. 2.2.4 u. s., ἀσπίς st. ἀσπιδηφόροι ib. 1. 7, 10, ἵππος st. ἱππεῖς X. C. 4.6.2 u. dgl. s. § 347, 1. Ferner werden in der attischen Sprache häufig die Namen der Verkaufsgegenstände statt der Namen der Orte, wo dieselben verkauft werden, gesetzt, wie σίδηρος, Eisenmarkt, X. H. 3.3.7, ἰχθύες, Fischmarkt, Ar. V. 789, οἶνος, Weinhaus, Ar. b. Poll. 10, 75, μύρον, Parfümeriemarkt, Ar. eq. 1375, αἱ χύτραι, Topfmarkt, τὰ λάχανα, Gemüsemarkt, Ar. L. 557, ὄψον Ar. fr. 242, 464 D., ἔλαιον, Ölmarkt, Menand. fr. 339 Meineke, κρόμυον, Zwiebelmarkt, Eupol. b. Poll. 9, 47, σήσαμα, Sesammarkt, Moer. p. 351, τυρός, Käsemarkt, Lys. 23. 6, 7 u. a.14) Ähnlich δεῖγμα, eigtl. Probestück, dann Ort, wo Waren ausgestellt werden (Bazar) X. Hell. 5, 1, 21. Die Dichtersprache ist reich an den kühnsten Metonymien; so gebraucht S. OC. 97 πτερόν in der Bdt. augurium. Ebenso Pind. P. 9, 125. Auch wird zuweilen der Begriff des Ganzen auf den Begriff des Teiles übertragen, wie βοῦς, Stierschild, Akk. in der dor. Form βῶν *h, 238, βόεσσι, βόας *m, 105, 137, λέων st. λεοντῆ, Löwenhaut, Luc. conscr. hist. 10. b) Prägnante Bedeutung der abstrakten Substantive.

Die abstrakten Substantive, welche den Begriff von Tugenden oder des Gegenteils ausdrücken, werden oft in prägnanter Weise für das gebraucht, was durch dieselben bewirkt wird. S. Ant. 924 τὴν δυσσέβειαν εὐσεβοῦσ᾽ ἐκτησάμην (impietatis crimen), El. 968 εὐσέβειαν φέρεσθαι, pietatis laudem. Ai. 75 δειλίαν ἀρῇ, ignaviae crimen. Eur. I. T. 676 δειλίαν καὶ κάκην κεκτήσομαι. Med. 218 δύσκλειαν ἐκτήσαντο καὶ ᾳθυμίαν. 296 ἧς ἔχουσιν ἀργίας (ἀργίαν ἔχειν = ἀργίας αἰτίαν ἔχειν). Hel. 1097 κάλλος ἐκτήσω, pulchritudinis praemium. Ib. 1151 τὰς ἀρετὰς πολέμῳ κτᾶσθε. Th. 1.33 φέρουσα ἐς τοὺς πολλοὺς ἀρετήνafferens apud vulgum virtutis existimationemPoppo. Lycurg. 49 τὰ ἆθλα τοῦ πολέμου τοῖς ἀγαθοῖς ἀνδράσιν ἐστὶν ἐλευθερία καὶ ἀρετήgloria virtutisMaetzner.15

c) Eigentümlichkeiten im Gebrauche der Zahlformen.

347. a) Singularform.

Die Singularform hat zuweilen kollektiven Sinn und vertritt die Stelle der Pluralform. *p, 11 τέρεν κατὰ δάκρυον εἴβεις, vgl. S. OC. 1251 ἀστακτὶ λείβων δάκρυον. *c, 16 ὡς δ̓ ὅτε πορφύρῃ πέλαγος μέγα κύματι κωφῷ, vgl. Δ, 422. Aesch. S. 210, auch pros., z. B. Hdt. 4.110. 7, 193. Th. 3.89; bei den Tragik. u. anderen Dichtern: Κάδμον τε τὸν σπείραντα γηγενῆ στάχυν sc. Σπαρτῶν Eur. Ba. 264; ἐπὶ δὲ καρδίαν ἔδραμε σταγών Aesch. Ag. 1121. Besonders bei militärischen Begriffen: Ἀργείᾳ σὺν αἰχμᾷ Pind. O. 7, 19 st. αἰχμήταις. Eur. Ph. 78 πολλὴν ἀθροίσας ἀσπίδ᾽ Ἀργείων, ubi v. Klotz; 442 μυρίαν ἄγων λόγχην, Schar Speerträger; πᾶς ἀνὴρ κώπης ἄναξ Aesch. P. 378, eigentl. remi d. i. remigum dux; κώπης ἄνακτας Eur. Cy. 86; in der Prosa: Hdt. 5, 30 ὀκτακισχιλίη ἀσπίς, vgl. X. A. 1.7.10; ἵππος, Reiterei, Hdt. 1.80 καταρρωδήσας τὴν ἵππον. 5, 63 χιλίη ἵππος u. s. Vgl. X. Cy. 4. 6, 2. Hdt. 1.80 τῇ καμήλῳ (camelorum agmini) ἕπεσθαι τὸν πεζὸν στρατὸν ἐκέλευε. 7, 20 ἐστρατηλάτεε χειρὶ μεγάλῃ πλήθεος ingenti copiarum manu. Vgl. Th. 3.96. Ferner bei stofflichen Begriffen: κέραμος Th. 3.74. 4, 48. selbst in Verb. m. d. Pl. λίθοις τε καὶ κεράμῳ 2, 4; πλίνθος 3, 20. 4, 90 (aber πλίνθοι 4, 69); ἄμπελος 4, 90. 100; κάχληξ 4, 26; δᾴς 7, 53; καρπός 3, 15; ἔπαλξις 2, 13. 7, 28; κάλαμος A. An. 1. 5, 1.16) (Aber unrichtig wird ἐσθής hierher gerechnet, da es wie vestis nicht ein einzelnes Kleidungsstück, sondern Kleidung oder das den Körper umschliessende Gewand bedeutet; der Plural steht nur in Beziehung auf mehrere Personen oder poet. als sog. Plur. majestaticus, wie Eur. Hel. 421.) Neben dem Plur.: *e, 490 νύκτας τε καὶ ἦμαρ. Pind. P. 4, 256 ἆμαρ νύκτες.

Ein der Prosa eigener Gebrauch des Singulars statt des Plurals ist der, dass zuweilen ganze Völker durch die Singularform bezeichnet werden, indem das ganze Volk als eine Einheit aufgefasst wird, die durch das Oberhaupt derselben repräsentiert wird. Diese Ausdrucksweise hat ihren natürlichen Grund in den despotischen Staatsverfassungen. So τὸν Πέρσην Hdt. 8.108; b. Thuk. oft Μῆδος 1, 69. 3, 54. 6, 17 u. s.; τοῦ Ἀραβίου Hdt. 3.5; b. Xen. Ἀρμένιος, Ἀσσύριος u. s. w.; auffallender τὸν Ἕλληνα φίλον προσθέσθαι Hdt. 1.69; ἢν μὴ Λάκων ἡγεμονεύῃ 8, 2; σύμμαχον τὸν Ἀθηναῖον ποιήσασθαι 8, 136; τὸν Σπαρτιήτην 9, 12; Χαλκιδεύς Th. 6.84; τὸν μὲν Συρακόσιον, ἑαυτὸν δ̓ οὐ πολέμιον εἶναι τῷ Ἀθηναίῳ 6, 78 [was Dionys. Hal. c. 8 p. 797 an Thuk. tadelt]17). Seltener werden in kollektivem Sinne Ausdrücke gebraucht, wie πολέμιος (l. hostis st. hostes) Th. 4.10, στρατιώτης (l. miles st. milites) 6, 24 u. dergl.

Das Neutrum im Singular von Adjektiven mit vorgesetztem Artikel wird oft in kollektivem Sinne gebraucht; zuweilen auch von Partizipien18). So häufig bei den Historikern das Neutrum von Adj. auf -ικός, als: τὸ πολιτικόν Hdt. 7.103, die Bürgerschaft, Bürger; τὸ Ἑλληνικόν Th. 1.1; τὸ Δωρικόν 7, 44; so τὸ ὁπλιτικόν, τὸ ἱππικόν, τὸ ξυμμαχικόν u. s. w.; ferner τὸ ὑπήκοον, die Unterthanen Th. 6.69 u. dgl.; Hdt. 1.97 πλεῦνος ἀεὶ γιγνομένου τοῦ ἐπιφοιτέοντος = πλεύνων γιγνομένων τῶν ἐπιφοιτεόντων; 7, 209 εἰ τούτους τε καὶ τὸ ὑπομένον ἐν Σπάρτῃ καταστρέψεαι; Th. 8.66 ὁρῶν πολὺ τὸ ξυνεστηκός = τοὺς ξυνεστῶτας; X. M. 1.2.43 τὸ κρατοῦν τῆς πόλεως.

In manchen Verbindungen, in denen nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche das Substantiv in der Pluralform stehen sollte, wird zuweilen die Singularform angewendet, so z. B. bei einem Adjektive in der Pluralform mit dem Akkusative der näheren Bestimmung, indem der Singular distributive auf jeden Einzelnen bezogen wird, als: διάφοροι τὸν τρόπον Th. 8.96; ἡο̂εῖς τὴν ὄψιν P. Civ. 452b; ψυχὴν ἄριστοι Aesch. P. 442; παραπλήσιαι τὸ εἶδος Arist. h. a. 2. 10, 66.19Ferner: οἱ ἐπιθέντες τὸν ἑαυτῶν νεκρὸν ὑφῆπτον Th. 2.52; ψιλοὶ δώδεκα ξὺν ξιφιδίῳ καὶ θώρακι ἀνέβαινον 3, 22, ubi v. Poppo; τὸν πηλὸν ἐπὶ τοῦ νώτου ἔφερον 4, 4; μετ᾽ ἀσπίδος καὶ δόρατος εἰώθεσαν τὰς πομπὰς ποιεῖν 6, 58; εἶχον δὲ καὶ κνημῖδας καὶ κράνη καὶ παρὰ τὴν ζώνην μαχαίριον X. An. 4. 7, 16. Poet. σῶμα in Verbindung mit dem Plurale. σῶμα συμπεπλεγμένους Eur. Cy. 225; πέπλοις κοσμεῖσθε σῶμα H. f. 703. Die Dichtersprache gebraucht auch sonst bei Körperteilen u. dgl. wie χείρ, ὠλένη, πούς, ὀφθαλμός, οὖς, γόνυ, παρειά, πτέρυξ, πτέρον den Singular statt des Duals oder Plurals: Aesch. Pr. 399 παρειὰν ... ἔτεγξα, vgl. S. Ant. 530; Eur. Suppl. 165 γόνυ σὸν ἀμπίσχειν χερί; Med. 1146 πρόθυμον εἶχ̓ ὀφθαλμὸν εἰς Ἰάσονα; El. 451 ταχύπορος πόδα (statt des Hom. πόδας ὠκύς).20

348. b) Pluralform.

Die Pluralform gehört eigentlich nur den Gattungsnamen an, nicht den Eigennamen, Stoffnamen und Abstrakten; jedoch nehmen auch diese die Pluralform an, wenn sie einen Gattungsbegriff bezeichnen.21

Die Eigennamen, a) zur Bezeichnung mehrerer Personen desselben Namens, wie δύο Κρατύλοι P. Cratyl. 432c; b) zur Bezeichnung von Personen, welche das Wesen oder die Eigenschaften der genannten Person haben, als οἱ Ἡρακλέες τε καὶ Θησέες P. Theaet. 169b, Männer, wie H. u. Th. Μέλισσοί τε καὶ Παρμενίδαι ib. 180, e. Ὁρῶν αὖ Φαίδρους, Ἀγάθωνας, Ἐρυξιμάχους, Παυσανίας, Ἀριστοδήμους τε καὶ Ἀριστοφάνας Conv. 218, a. b.; Πέλοπες, Κάδμοι, Αἴγυπτοι, Δαναοί Menex 245, d.; Χρυσηΐδων μείλιγμα τῶν ὑπ᾽ Ἰλίῳ Aesch. Ag. 1414. Im Lat. ist dieser Gebrauch ungleich häufiger.

Die Stoffnamen werden oft im Plural gebraucht, durch den entweder die einzelnen Teilchen, die den Stoff ausmachen, oder die wiederholte Erscheinung oder Anhäufung oder verschiedene Arten des Stoffes bezeichnet werden, ebenso wie im Lat. So b. Hom. oft κονίαι, κάππεσον ἐν κονίῃσι *m, 23; φύλλοισιν ἐοικότες ψαμάθοισιν Β, 800, Sandkörnchen; (νῆα ἔρυσσαν) ύψοῦ ἐπὶ ψαμάθοις Α, 486 auf den Strand; ἀνέμους καὶ ὕδατα (Gewässer) X. Comm. 1. 1, 15. Oec. 5, 9. Cy. 8. 1, 44; τῶν λαμπρῶν καὶ ψυχρῶν ὑδάτων Hell. 5. 3, 19; πυροὶ καὶ κριθαὶ καὶ ὄσπρια An. 4. 5, 26. 6, 4, 6; οἴνους πολυτελεῖς, kostbare Weine, Comm. 2. 1, 30; οἴνους παλαιούς An. 4. 4, 9; σάρκες seit Hom. allg. gebr.; ξύλα X. H. 3.3.7; πόνων μὲν ἀνδρείων καὶ ἱδρώτων ξηρῶν (sc. ὑπὸ γυμνασίων γιγνομένων) ἄπειρον P. Phaedr. 239c, vgl. X. C. 8.8.8; ἐν γάλαξι τρεφόμενοι P. Leg. 887d; b. d. Trag. oft αἵματα, wie ὀσμὴ βροτείων αἱμάτων Aesch. Eum. 253; ἐκ τῶν πατρώων αἱμάτων Ch. 284 u. s. S. Ant. 120; φάτνας ἴδοις ἂν αἵμασιν πεφυρμένας Eur. Alc. 496 (512), ubi v. Monk; ganz gewöhnl. ἅλες, Salz, seit Hom. (doch auch ἅλς Ι, 214, aber r, 455 οὐδ᾽ ἅλα δοίης = auch nicht ein Salzkorn).

Die Abstrakta werden in der Pluralform gebraucht, wenn einzelne Arten, Fälle, Zustände, Äusserungen, Teile des abstrakten Begriffes oder die an verschiedenen Orten oder zu verschiedenen Zeiten wiederholte Erscheinung der abstrakten Thätigkeit bezeichnet wird, daher auch, wenn der abstrakte Begriff sich auf Mehrere erstreckt.

a) In den Homerischen Gesängen werden sehr häufig abstrakte Begriffe durch die Pluralform ausgedrückt. Die sinnliche und objektive Sprache dieser Dichtungen pflegt die einzelnen Arten, Fälle u. s. w., aus denen der abstrakte Begriff der Thätigkeit hervorgeht, nicht unter dem Begriffe einer bloss gedachten (abstrakten) Einheit zusammenzufassen, sondern noch als eine Mehrheit von konkreten Erscheinungen anzuschauen und darzustellen: μάχονται ἡγεμόνος κακότητι (Feigheit eines Individuums) μεθημοσύνῃσι τε λαῶν (Nachlässigkeiten Vieler) Ν, 108; (Τρῶες) ἀναλκείῃσι δαμέντες Ζ, 74; von einem Subjekte: ὤλεσα λαὸν ἀτασθαλίῃσιν ἐμῇσιν, durch meine Frevel, *x, 104; ποδωκείῃσι πεποιθώς Β, 792; (Ἥρη) δολοφροσύνῃς ἀπάτησεν, durch Listen, *t, 97; ἀγηνορίῃσιν ἐνῆκας, trotzige Gedanken, Ι, 700; (γυνὴ) πάντ᾽ ἐφύλασσε νόου πολυϊδρείῃσιν, kluge Massregeln, b, 346; εὖ εἰδὼς τεκτοσυνάων, Künste des τέκτων, ε, 250; so ἐϋφροσύναι, ὁμοφροσύναι, ἀφραδίαι, ἀγηνορίαι, Gefühle, Ausserungen der Freude u. s. w.; ferner θάνατοι, mortes, Todesarten, μ, 341.22) In der Odyssee finden sich mehr Abstrakta als in der Ilias. Bei Hesiod ist der Gebrauch des Plurals der Abstrakta wie bei Homer, vgl. Ζηνὸς φραδμοσύνῃσιν op. 245; ἀφραδίῃς ἀλιταίνεται ὀρφανὰ τέκνα 330 und von Mehreren 134.

b) Die lyrischen und tragischen Dichter gebrauchen die Pluralform der Abstrakta besonders von Empfindungen, Gefühlen, Leidenschaften, Entschlüssen, als: φρενοπληγεῖς μανίαι (με) θάλπουσι Aesch. Pr. 880. Eur. Heracl. 904, wie l. furores; δ̓ ἀποφλαυρίξαισά νιν (contemnens Apollinis iram) ἀμπλακίαισι φρενῶν Pind. P. 3, 13, ubi v. Dissen; μεγάλας ἐξ ἐλπίδος πέταται ὑποπτέροις ἀνορέαις 8, 91 animosis consiliis; πόλιν εὐανορίαισι τάνδε κλυταῖς δαιδάλλειν O. 5, 20.

c) Die Prosa unterscheidet streng den Gebrauch der Singularform von dem der Pluralform, indem durch jene stets der wirkliche abstrakte Begriff, durch diese stets einzelne Arten, Fälle u. s. w. der abstrakten Thätigkeit bezeichnet werden, oder der abstrakte Begriff auf Mehrere bezogen wird, ganz auf dieselbe Weise wie im Lat.23Υμῖν μεγάλαι ὠφελίαι τε καὶ ἐπαυρέσεις γεγόνασι Hdt. 7.158, utilitates et opportunitates. Ἐμοὶ αἱ σαὶ μεγάλαι εὐτυχίαι (felicitates) οὐκ ἀρέσκουσι 3, 40; ἔχθεα, inimicitiae; στάσεις, seditiones; φιλίαι, amicitiae 3, 82; ταλαιπωρίαι, aerumnae, 6, 11; τὰ Ἀθηναίων φρονήματα, animi, 6, 109; τὰ φρονήματα μεγάλα εἶχον Pl. conv. 190, bbermut); θάνατοι (wie mortes), v. Homer an poet. u. pros. entweder Todesarten oder Todesfälle, τῶν βασιλέων οἱ θάνατοι Hdt. 6.58; δοκίμων ἀνδρῶν βίοι P. Civ. 618a; ἀνάγκαι, naturae leges, X. M. 1.1.11. 15 oder calamitates, Nöte, An. 4. 5, 15; ὑποψίαι, suspiciones, 2. 5, 1; ἀγνωμοσύνας, Missverständnisse ib. 6; ἀπορίας, difficultates, Schwierigkeiten, 3. 1, 26; εἰς πενίας τε καὶ φυγὰς καὶ εἰς πτωχείας P. Civ. 618a; τῶν πολλῶν δύναμις δεσμοὺς καὶ θανάτους ἐπιπέμπουσα καὶ χρημάτων ἀφαιρέσεις, Todesstrafen und Konfiskationen, Crit. 46, c, ubi v. Stallb., vgl. X. ven. 12, 13. Antiph. 1, 28, ubi v. Maetzner; αἱ τύχαι, Schicksale, Unglücksfälle, Th. 2.87; τὰς τιμὰς καὶ λαμπρότητας 4, 62; ψυχῆς ὑπὸ φόβων (formidinibus) καταπεπληγμένης X. Hier. 6, 5; vgl. An. 4. 1, 23. (φρόνησις) δεινοὺς ἂν παρεῖχεν ἔρωτας P. Phaedr. 250d. (amores, vgl. Cic. Fin. 2, 16); ἐρώτων καὶ ἐπιθυμιῶν καὶ φόβων (τὸ σῶμα) ἐμπίμπλησιν ἡμᾶς P. Phaed. 66c.; τὰς οἰκειότητας βεβαιοῦν Dem. 18.35 (familiaritates, freundschaftliche Verhältnisse); ἀφ᾽ ὧν ἅμα δόξαι καὶ τιμαὶ καὶ δυνάμεις συνέβαινον τῇ πόλει 108; τὰς ὕβρεις καὶ τὰς ἀτιμίας 205 (schimpfliche und entehrende Behandlungen); τὰς ἑκασταχοῦ βραδυτῆτας (tarditates), ὄκνους, ἀγνοίας, φιλονεικίας 246; πίστεις ἔχειν ἱκανάς, Beweismittel, 18, 23; εὐνοίας δοῦναι, Ehrengaben, 8, 25, ubi v. Bremi; χάριτες, Beweise von Wohlwollen, Geschenke ib. 53; αἱ τοιαῦται πολιτεῖαι 9, 3 von öfterer Wiederholung, s. Bremi (mehr Beisp. bei Rehdantz, Gramm. Lexik. Index zu Demosthenes unter Plural); so σιτίοις γε καὶ ποτοῖς καὶ ὕπνοις ἥδεσθαι ἔοικε τὰ ζῶα X. Hier. 7, 3, wie quietes Sall. Cat. 15, 4; ψύχη καὶ θάλπη, die verschiedenen Grade der Kälte und Wärme, X. M. 1.4.13. 2. 1, 6. An. 3. 1, 23 u. 6. 4, 6, ubi v. Rehdantz. Kein Schriftsteller ist so reich an Beispielen als Isokrates24): αἰσχύναι, ἀλήθειαι, ἀργίαι, αὐθάδειαι, δυναστεῖαι, ἔνδειαι, ἐπιμέλειαι, εὐπορίαι, ἰσηγορίαι, ἰσότητες, καινότητες, καρτερίαι, μετριότητες (mediocritates), πενίαι, πραότητες, σεμνότητες, τόλμαι, τύχαι, φιλανθρωπίαι, χαλεπότητες.

Anmerk. 1. Von einigen Abstractis ist in der attischen Zeit die Pluralform zur Bezeichnung gewisser konkreter Begriffe, welche die Beziehung auf eine

Kühners ausführl. Griech. Grammatik. II. T. 1. Abt. 2

Mehrheit von Teilen zulassen, stehend geworden, wie νύκτες, horae nocturnae, Antiph. 2.4, ubi v. Maetzner, X. C. 4.5.13. 5. 3, 52, Pl. conv. 217, d. Protag. 310, c, ubi v. Stallb.; ταφαί, Leichenbegängnis eines Einzelnen, Eur. Hel. 1063. Ar. R. 423; sehr häufig πλοῦτοι, wie divitiae, nicht bloss von Mehreren, wie X. Hier. 11, 13. Isocr. 4.151. P. Lys. 205c, ubi v. Stallb., sondern auch von Einzelnen, sowie auch überhaupt wenn grosse Schätze bezeichnet werden sollen, wie συνακολουθεῖ τοῖς πλούτοις καὶ ταῖς δυναστείαις ἄνοια Isocr. 7.4, ubi v. Benseler; 4, 182 u. s. w.

Anmerk. 2. Aus demselben Grunde wird auch von mehreren konkreten Substantiven gewöhnlich nur die Pluralform gebraucht; so z. B. in der Dichtersprache: στέμματα, δώματα, μέγαρα, κλίμακες, λέκτρα; λέχη τε καὶ νυμφεἶ (i. e. θάλαμος) ἐμά S. Tr. 920, ἅρματα v. Einem Wagen, d, 42, τόξα (Bogen und Pfeile, z. B. Η, 140 u. s.), πύλαι, θύραι,25) die drei letzten auch pros.; zuweilen ἐπιστολαί von Einem Briefe, wie Th. 1.132, ubi v. Stahl; 8, 39; τὰ λύτρα, Lösegeld, Th. 6, 5. P. Civ. 393d; ferner von den Namen der Feste und Spiele, wie τὰ Ὀλύμπια Hdt. 8.26, Ἐλευσίνια u. s. w., auch von einigen Städtenamen, wie Ἀθἦναι, Δελφοί; so auch poet. γάμοι, nuptiae, Aesch. Pr. 947. Ag. 1156. S. OR. 1403; ähnlich κτενεῖς νυμφεῖα τοῦ σαυτοῦ τέκνου S. Ant. 568 nuptias st. νύμφην; οἱ ἥλιοι, Sonnenstrahlen, Sonnenhitze, Th. 7.87; ἥλιοι ὀξεῖς Theophr. de sign. 1, 22, poet. Tage Eur. El. 654. Die Dichter gebrauchen den Plural oft, um den Ausdruck zu amplifizieren (Pluralis majestaticus); so Namen von Werkzeugen im Plur. st. im Sing., als: Φρίξου μάχαιραι Pind. P. 4, 242; σκῆπτρα Aesch. Ag. 1265; συγκατακτὰς κελαινοῖς ξίφεσιν βοτά S. Ai. 231; Λερναῖον ὕδραν ἐναίρει χρυσέαις ἅρπαις Διὸς παῖς Eur. Jo. 192; θρόνοι, Sessel, Thron, S. Ant. 1041. El. 267, bildl. Herrschaft OC. 368. 448: Eur. βάκτρα H. f. 108; so die Teile und Glieder des Körpers, wenn von Einem die Rede ist, wie πρόσωπα Η, 212 (so auch Ach. Tat. p. 421 Jacobs, aber nie in der klassischen Prosa, denn X. A. 2.6.11 ist st. ἐν τοῖς προσώποις m. d. best. u. meist. codd. ἐν τοῖς ἄλλοις πρ. zu lesen, s. Kühners Bem. z. d. St.); μέτωπα z, 107; κάρηνα (so immer b. Hom.), στόματα, λαιμοί, στήθη (Γ, 397), στέρνα, μετάφρενα, νῶτα u. s. w., selbst λαιοὶ βραχίονες Eur. Ph. 113626); aber auch sonst, wie νυμφείων ὄκνον ἄλγιστον ἔσχον S. Tr. 7 “die peinlichste Qual des Brautstandes”; τὰ μητρὸς νυμφεύματα OR. 980 matris matrimonium; Λαβδακίδαις (i. e. Laio) ἐπίκουρος ἀδήλων θανάτων (i. e. ἀδήλου φόνου) 495 f. Hierher gehören auch folgende Ausdrücke: κτενεῖν νιν τοὺς τεκόντας (patrem) ἦν λόγος S. OR. 1176. τοῖς φυτεύσασιν (matri) 1007. χάλα (verzeihe) τοκεῦσιν (= τῇ μητρί) εἰκότως θυμουμένοις Eur. Hec. 403, wie im Lat. parentes, liberi, filii von Einem; ferner: σὺν τοῖς φιλτάτοις (= τῇ μητρί) αἴσχισθ᾽ ὁμιλοῦντα S. OR. 366, vgl. ξὺν οἶς (st. , τῆ: μητρίτ᾽ οὐ χρῆν μ̓ ὁμιλῶν, οὕς (st. ὅν, τὸν πατέρα) τέ μ̓ οὐκ ἔδει κτανών 1184 sq.; πρὸς τοὺς φίλους (Polynicem) στείχοντα τῶν ἐχθρῶν κακά Ant. 10; πρὸς δὲ τοὺς φίλους st. ἐμὲ τὸν φίλον OC. 813; γοναὶ σωμάτων ἐμοὶ φιλτάτωνSpross des mir teuersten LeibesEl. 1232.27) Ein Gleiches geschieht in der Dichtersprache nicht selten bei der Apposition und bei dem prädikativen Substantive; auch in der Prosa kommt dieser Gebrauch bei dem Letzteren vor, aber nur selten.28) *u, 268 χρυσὸς γὰρ ἐρύκακε, δῶρα θεοῖο, wie Theogn. 1293 γάμον, χρυσῆς Ἀφροδίτης | δῶρα. Hs. sc. 312 τρίπος, κλυτὰ ἔργα περίφρονος Ἡφαίστοιο. S. Ph. 36 ἔκπωμα, φλαυρουργοῦ τινος | τεχνήματ̓ ἀνδρός. Eur. Or. 1053 καὶ μνῆμα δέξαιθ᾽ ἕν, κέδρου τεχνάσματα. Hipp. 11 Ἱππόλυτος, ἁγνοῦ Πιτθέως παιδεύματα. Vgl. Ovid. Met. 15, 163 cognovi clipeum, laevae gestamina nostrae. Prädikativ: *r, 255 Πάτροκλον Τρῴῃσι κυσὶν μέλπηθρα γενέσθαι. Hdt. 6, 19 in e. Orakelspr. Μίλητε . ., πολλοῖσιν δεῖπνόν τε καὶ ἀγλαὰ δῶρα γενήσῃ. Isae. 7, 40 ὧν μνημεῖα τῆς ἐκείνου φιλοτιμίας τρίπους ἐκεῖνος ἕστηκε, ubi v. Schoemann. Vgl. Aristot. rhet. 3, 6 εἰς ὄγκον τῆς λέξεως (ad granditatem orationis) συμβάλλεται τὸ ἓν πολλὰ ποιεῖν.

Anmerk. 3. Gewöhnlich setzen die Griechen die Pluralform sowohl von Abstrakten als von Konkreten, wenn sie auf mehrere Gegenstände bezogen werden, als: τοὺς κρατίστους τὰ εἴὸη X. H. 3.2.18; ὑμᾶς ἑώρων καὶ ταῖς γνώμαις καὶ τοῖς σώμασι σφαλλομένους Cy. 1. 3, 10; (κύνες) σκληραὶ τὰ εἴδη ven. 3, 3. 7, 7; ἀσύμμετροι τὰ πάχη πρὸς τὰ μήκη 2, 8 (aber τὸ μῆκος u. τὸ μέγεθος § 7); νεανίαι τὰς ὄψεις Lys. 10.29, ubi v. Bremi; γενναίους τε καὶ βλοσυροὺς τὰ ἤθη P. Civ. 535b; καλούς τε καὶ ἰσχυροὺς ποιεῖν τοὺς ἀνθρώπους τὰ σώματα Gorg. 452, b; ὀρθοὶ τὰς ψυχάς Theaet. 173, a; ἄριστοι τὰς φύσεις Tim. 18, d.29) Dass aber von diesem Gebrauche zuweilen Ausnahmen vorkommen, haben wir § 347, 4 gesehen.

Anmerk. 4. In Gegensätzen wechseln bisweilen die Zahlformen, wie ἀκοαὶ μᾶλλον λόγων μάρτυρες ὄψις τῶν ἀκουσομένων Th. 1.73; ὅταν λόγῳ θανὼν ἔργοισι σωθῶ S. El. 59 f.; λόγῳ μὲν ἐσθλά, τοῖσι δ̓ ἔργοισιν κακά OC. 782.30

349. c) Dualform.S. die höchst gediegene Abhandlung W. v. Humboldts “Über den Dualis”, Berlin 1828, ferner Reimnitz, Syst. der Griech. Dekl., Potsdam 1831, S. 1 ff.; Bopp, Vergl. Gr. § 114; Blackert, Comment. de vi usuque dualis numeri ap. Graecos 1837 u. 1838; H. Düntzer, die Deklin. der indogerm. Sprache, Köln 1839, S. 31 ff.)

Die noch von Buttmann (Lexilog. I, S. 49 f., Gramm. I, § 33 Anm. 1, § 87 Anm. 1) verfochtene Ansicht, dass die Dualform in der griechischen Sprache nicht von Anfang an existiert habe, sondern erst später aus der Pluralform gebildet sei und dass dem entsprechend der Dual häufig statt des Plurals gebraucht werde, ist durch die vergleichende Sprachforschung und durch die kritische Prüfung der Klassikertexte als hinfällig erwiesen worden. Aus der Thatsache, dass nicht nur die Schwestersprachen des Griechischen, sondern auch andere nicht verwandte Sprachen Europas, Asiens und Amerikas den Dual besitzen (s. Humboldt a. a. O. S. 9—13), ersieht man, dass die Dualform in den Sprachen tief begründet ist.

In den Homerischen Gesängen32) ist der Dual ungemein häufig, doch scheut sich der Dichter keineswegs nach Bedarf des Verses den Dual mit dem Plurale zu verbinden. Unter den attischen Prosaikern finden wir den Dual am häufigsten bei Plato33); aber auch die Redner34) und Xenophon35) gebrauchen denselben häufig. Indem die Lebendigkeit sinnlicher Auffassung allmählich abnimmt, wird auch der Gebrauch des Duals seltener; ums Jahr 360 war er aus den Verbalformen gänzlich geschwunden, seit etwa 320 auch aus den Nominalformen. Dass in der äolischen Mundart der Dual am frühesten untergegangen ist, und dass auch die neuionische ihn eingebüsst hat, haben wir T. I, § 98, 2 gesehen.

Statt des Plurals ist der Dual in klassischer Zeit nie gebraucht worden. An den Stellen, die man als Gegenbeweise anführt, lässt sich, soweit sie überhaupt kritisch gesichert sind, überall der Begriff der Zweiheit nachweisen, wie wir § 368, 2, b) zeigen werden. Seit der alexandrinischen Zeit freilich existierte der Dual gewissermassen nur künstlich in den Schriften der dem Sprachgebrauche der Klassiker nachstrebenden Gelehrten, während er in der Volkssprache längst dem Untergange anheimgefallen war. Daher konnten Grammatiker wie Eratosthenes und Krates lehren, es bestehe in der Homerischen Sprache kein Unterschied zwischen Dual und Plural (s. T. I, § 98, 1); daher ist es auch nicht zu verwundern, wenn in späteren Zeiten Dualformen in pluralischem Sinne erscheinen. So lesen wir Orph. lith. prooem. 77 οἱ δ̓ ἴκελοι θήρεσσιν . . . φυγέτην. Aus Oppian Cyneg. führt Lehrs qu. ep. 319 an: I, 72. 144. 145. 146. 164. II, 165. 260. 494 (νῶιν). III, 64 (νῶι). IV, 358.

349b. Bemerkungen über die Komparation der Adjektive, Adverbien und Verben.

Eine besondere Eigentümlichkeit der Adjektive sind die Komparationsformen derselben: der Komparativ und der Superlativ (§ 345, 11). Die durch das Adjektiv ausgedrückte Eigenschaft kann sich an einem Gegenstande entweder in einem höheren Grade als an einem anderen oder in dem höchsten Grade unter allen übrigen zeigen. Der höhere Grad wird durch den Komparativ bezeichnet, dem der Gegenstand der Vergleichung im Griechischen im Genetive (§ 420, 1), im Lateinischen im Ablative oder durch das Bindewort (eigentl. oder § 542), im Lateinischen durch quam = als hinzugefügt wird, als: πατὴρ συνετώτερός ἐστι τοῦ παιδός oder παῖς, ist verständiger in Vergleich mit dem Sohne, oder ist verständiger als der S. Diesen Genetiv nennt man, um ihn von anderen, z. B. dem partitiven, zu unterscheiden, den komparativen. Der