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603. Betonung der Rede. — Wort- und Satzstellung (Topik).

Die innere Beziehung der Satzglieder und der Sätze zu einander und die Verknüpfung derselben zu einer Einheit des Gedankens oder Begriffes wird teils, wie wir gesehen haben, durch die Flexion oder die die Flexion vertretenden Formwörter, teils durch die Betonung und die Stellung der Satzglieder und der Sätze ausgedrückt.

A. Betonung.

Sowie das einzelne Wort erst dadurch Seele und Leben erhält, dass Eine der Silben, aus denen es besteht, durch die Stimme hervorgehoben wird, die übrigen Silben dagegen dieser Einen untergeordnet werden, dass also alle Silben des Wortes gleichsam von Einem Haupte beherrscht und zusammengehalten werden und eine Einheit, ein Ganzes bewirken, während sie sonst weiter nichts als ein blosses äusserliches Aggregat einzelner Laute sein würden: ebenso tritt die organische Einheit des Satzes (Einheit des Gedankens) und der Satzverhältnisse (Einheit der Begriffe) erst dadurch recht lebendig hervor, dass Ein Wort, als das Hauptwort, durch die Hebung der Stimme vor den übrigen, als den untergeordneten, ausgezeichnet wird.

In dem prädikativen Satzverhältnisse ruht der Ton auf dem Prädikate, als: τὸ ῥόδον θάλλει, in dem attributiven auf dem Attributive, als: τὸ καλὸν ῥόδον, Κύρου παῖς, Κῦρος βασιλεύς, in dem objektiven auf dem Objektive, als: μὴ κολάκευε τοὺς φίλους, ὁμίλει τοῖς ἀγαθοῖς ἀνθρώποις, περὶ τῆς πατρίδος ἐμαχέσαντο, οἱ στρατιῶται καλῶς ἀπέθανον, τῆς ἀρετῆς ἐπιθυμεῖ, ἐθέλω λέγειν u. s. w. In der Verbindung des prädikativen Satzverhältnisses mit dem attributiven oder adjektiven aber müssen wir mehrere Abstufungen der Betonung unterscheiden. Beim Hinzutritt des Attributivs ruht der Hauptton auf diesem, der schwächere Ton auf dem Prädikate, als: τὸ καλὸν ῥόδον θάλλει; beim Hinzutritt des Objektivs ruht der Hauptton auf diesem, ein schwächerer auf dem Attributive, der schwächste auf dem Prädikate, als: τὸ τοῦ πατρὸς ῥόδον καλῶς θάλλει. Was von einzelnen Satzgliedern bemerkt worden ist, gilt auch von den Nebensätzen, welche, wie wir § 547, 4. 5 gesehen haben, gleichsam die Geltung von zu einem Satze erweiterten Satzgliedern haben, als: ἀνὴρ ὃν εἶδεςἐπεὶ νὺξ ἐγένετο, ἀπῆλθενλέγεται ὅτι οἱ πολέμιοι ἀπέφυγον.

Auch kann die Betonung umgekehrt werden, so dass nicht das den Hauptbegriff, sondern das den untergeordneten Begriff bezeichnende Wort durch die Betonung hervorgehoben wird, als: πατὴρ (sc. οὐχ μήτηρ) γράφει, παῖς μισεῖ τοὺς γονεῖς (d. i. οὐ μόνον οὐ φιλεῖ, ἀλλὰ καὶ μισεῖ τ. γ.). Diese Betonung wird die invertierte oder rhetorische genannt im Gegensatze zu der erstern, welche die gewöhnliche oder grammatische genannt wird.

Auf dem ebenmässigen Wechsel betonter und unbetonter Glieder in einem Satze beruht der Wohlklang oder Rhythmus (Numerus) des Satzes. So wie der Wohllaut oder Rhythmus des Wortes in der Abwechslung betonter und tonloser Silben, so besteht der Wohlklang oder Rhythmus eines Satzes in der gleichmässigen Abwechslung betonter und tonloser Satzglieder. Der Rhythmus des Satzes wird um so schöner hervortreten, wenn nicht allein die Einheit eines Satzes oder Satzverhältnisses oder Satzgefüges durch die Betonung klar und anschaulich dargestellt wird, sondern auch der Wohllaut oder die ebenmässige Abwechslung der Laute und Silben oder Füsse der Wörter, die Länge und Kürze derselben berücksichtigt, und soviel als möglich die Form der Rede dem Inhalte derselben angepasst wird.

Die Griechen sind die sorgfältigsten Beobachter des Rhythmus gewesen und verdienen in dieser Hinsicht als die grössten Sprachkünstler von uns bewundert zu werden. Unter den Dichtern gebührt die erste Stelle dem Homeros, unter den Prosaisten dem Isokrates und Demosthenes. Aus den unzähligen Stellen jenes Dichters, in denen durch den Rhythmus der Inhalt der Verse auf eine unvergleichliche Weise dargestellt wird, wollen wir nur jene berühmte Stelle (Od. λ, 593 ff.) anführen, in der des Sisyphos qualvolle Arbeit geschildert wird:

Καὶ μὴν Σίσυφον εἰσεῖδον, κρατέρ᾽ ἄλγε᾽ ἔχοντα,

λᾶαν βαστάζοντα πελώριον ἀμφοτέρῃσιν:

ἤτοι μέν, σκηριπτόμενος χερσίν τε ποσίν τε,

λᾶαν ἄνω ὤθεσκε ποτὶ λόφον: ἀλλ᾽ ὅτε μέλλοι

ἄκρον ὑπερβαλέειν, τότ᾽ ἀποστρέψασκε κραταιίς:

αὖτις ἔπειτα πέδονδε κυλίνδετο λᾶας ἀναιδής:

αὐτὰρ ὅγ᾽ ἂψ ὤσασκε τιταινόμενος: κατὰ δ̓ ἱδρὼς

ἔρρεεν ἐκ μελέων, κονίη δ̓ ἐκ κρατὸς ὀρώρειν.

Die rhythmische Bewegung dieser Verse entspricht auf das Vollkommenste dem ausgedrückten Gedanken; wie durch ein vollendetes Gemälde wird uns des Sisyphos qualvolle und fruchtlose Arbeit gleichsam vor die Augen gestellt. Die schwerfälligen Spondeen drücken malerisch die unendliche Anstrengung des Unglücklichen

aus, sowie die daktylische Bewegung das rasche Herabrollen des Steines bezeichnet. Dabei ist das Lautverhältnis in den einzelnen Wörtern mit grosser Kunst beachtet, und selbst der Zusammenstoss der Vokale (Hiatus) in: λᾶαν ἄνω ὤθεσκε ist nicht blossem Zufalle zuzuschreiben.

Mit bewusster Kunst gestaltet Isokrates seine Prunkreden zu Meisterwerken der Melodik und Rhythmik. Durch sorgfältige Wahl und Anordnung der Worte weiss er jeden störenden Hiatus zu umgehen; durch geschickte Verteilung von kurzen und langen, betonten und unbetonten Silben verleiht er der Rede rhythmischen Wohllaut und Fülle, und dabei bleiben Wortstellung und Satzbau immer natürlich und durchsichtig.

Zur Charakterisierung des Demosthenes reihen wir eine Stelle des feinen Kritikers Dionysios περὶ τῆς λεκτικῆς Δημοσθένους δεινότητος T. VI. p. 1087 ed Reisk. hier an. Τὰ μὲν (nämlich in den Reden des Demosthenes) ἀποτραχύνει τε καὶ πικραίνει τὴν ἀκοήν, τὰ δὲ πραΰνει καὶ λεαίνει: καὶ τὰ μὲν εἰς πάθος ἐκτρέπει τοὺς ἀκούοντας, τὰ δ̓ εἰς ἦθος ὑπάγεται, τὰ δὲ ἄλλας τινὰς ἐργάζεται καὶ πολλὰς διαφορὰς παρ᾽ αὐτὴν τὴν σύνθεσιν, οἷά ἐστι ταυτί: (χρήσομαι δὲ παραδείγμασιν οὐκ ἐξ ἐπιτηδεύσεως, ἀλλ̓ οἷς ἐνέτυχον, ἐξ ἑνὸς τῶν Φιλιππικῶν λαβών).

Ει᾽ δέ τις ὑμῶν, ἄνδρες Ἀθηναῖοι, τὸν Φίλιππον εὐτυχοῦντα ὁρῶν, ταύτῃ φοβερὸν προσπολεμῆσαι νομίζει, σώφρονος μὲν ἀνθρώπου προνοίᾳ χρῆται: μεγάλη γὰρ ῥοπή, μᾶλλον δὲ ὅλον τύχη παρὰ πάντ᾽ ἔστι τὰ τῶν ἀνθρώπων πράγματα: οὐ μὴν ἀλλ᾽ ἔγωγε, εἴ τις αἵρεσίν μοι δοίη, τὴν τῆς ἡμετέρας πόλεως τύχην ἂν ἑλοίμην, ἐθελόντων προσήκει ποιεῖν ὑμῶν καὶ κατὰ μικρὸν τὴν ἐκείνου.”

Ἐν ταῖς τρισὶ περιόδοις ταύταις τὰ μὲν ἄλλα ὀνόματα πάντα εὐφώνως τε σύγκειται καὶ ἡδέως τῷ σφόδρα συγκεῖσθαι καὶ μαλακὰς αὐτῶν εἶναι τὰς ἁρμονίας: ὀλίγα δ̓ ἔστι παντάπασιν, διίστησι τὰς ἁρμονίας καὶ τραχείας φαίνεσθαι ποιεῖ αὐτάς: ἐν μὲν τῇ πρώτῃ περιόδῳ κατὰ δύο τρόπους τὰ φωνήεντα συγκρουόμενα (Zusammenstoss der Vokale, Hiatus), ἔν τε τῷ: ἄνδρες Ἀθηναῖοικαὶ ἐν τῷ:Εὐτυχοῦντα ὁρῶν καὶ διίστησι τὸ συναφές: καὶ κατ᾽ ἄλλους δύο τρόπους τρεῖς τὰ ἡμίφωνα παραπίπτοντα ἀλλήλοις τὰ φύσιν οὐκ ἔχοντα συναλείφεσθαι (nämlich: νφ, νπ), ἔν τε τῷ:Τὸν Φίλιππον,” καὶ ἐν τῷ:Ταύτῃ φοβερὸν προσπολεμῆσαι,” ταράττει τοὺς ἤχους μετρίως καὶ οὐκ ἐᾷ φαίνεσθαι μαλακούς: ἔν τε δευτέρᾳ περιόδῳ τραχύνεται μὲν σύνθεσις ἐν τῷ:Μεγάλη γὰρ ῥοπήδιὰ τὸ μὴ συναλείφεσθαι τὰ δύο ρρ. κτλ.

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