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571. Unterschiedene Formen des Vordersatzes.

Das Verhältnis der Bedingung zum Bedingten ist ebenso ein kausales, wie das des Grundes zur Folge. Die Bedingung wird gleichfalls als Grund, aber nicht als ein wirklicher, sondern als ein angenommener, als ein möglicher Grund, als eine mögliche Voraussetzung gedacht. Denn wenn der Redende eine Bedingung aufstellt, so weiss er nicht, ob dieselbe von einem Anderen auch wirklich als Grund der im Nachsatze ausgedrückten Folgerung angesehen werde oder nicht. Dass die Bedingung nur auf einer Annahme beruht, deutet die Partikel εἰ (ἐάν) an, vgl. § 395, Anm. 2; die Aussageform des Verbs aber bringt zum Ausdruck, wie sich die Voraussetzung nach der Ansicht des Redenden zur Wirklichkeit verhält.

Das Verhältnis der bedingenden Aussage zu der Überzeugung des Redenden ist ein vierfaches:

I. Der Redende nimmt die Voraussetzung mit Bestimmtheit als etwas Wirkliches an, um eine Schlussfolgerung daran zu knüpfen, enthält sich aber jedes subjektiven Urteils über ihr thatsächliches Verhältnis zur Wirklichkeit. Alsdann steht εἰ mit dem Indikativ aller Zeitformen, als: εἰ τοῦτο ποιεῖς, ἐποίεις, ἐποίησας u. s. w., wenn du dies thust u. s. w. (Logische Form.)

II. Der Redende stellt die Voraussetzung als eine verneinte Wirklichkeit hin, d. h. als eine solche, über deren Nichtwirklichkeit bereits entschieden ist. Zur Bezeichnung dieses Verhältnisses dient der Indikativ der historischen Zeitformen: εἰ τοῦτο ἐποίεις, wenn du dies thatest, d. i. gethan hättest oder thätest. (Irreale Form.) Vgl. § 574, Anm. 2.

III. Der Redende stellt die Voraussetzung als eine solche hin, deren Verwirklichung je nach der Lage der Umstände zu erwarten steht. Alsdann gebraucht er ἐάν c. conj., als: ἐὰν τοῦτο ποιῇς, ποιήσῃς, wenn der Fall eintritt, dass du dies thust. (Temporale Form.)

IV. Der Redende stellt die Voraussetzung als eine blosse Vorstellung, als eine willkürliche Annahme hin, die ebenso gut wirklich wie nichtwirklich sein könne. Dies geschieht durch εἰ c. opt., als: εἰ τοῦτο ποιοίης, ποιήσειας, wenn du dies thun solltest. (Potentiale Form.)

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